Am Abend des 11. Januar 2026 hat die Hollywood Foreign Press Association in Los Angeles zum 83. Mal die Golden Globes verliehen. Neben Kinoproduktionen zeichnet der Preis auch Produktionen aus Fernsehen und Streaming aus, womit er sich deutlich von den Oscars unterscheidet, aber keinesfalls weniger begehrt ist. Gemeinhin gilt die Verleihung im Kinobereich als spannender Indikator für die im Frühjahr vergebenen Oscars.
Große Gewinner I: One Battle After Another (2025)
Im Kinobereich setzte sich Paul Thomas Andersons eindrucksvolle Reise in die Untiefen der US-amerikanischen Gesellschaft gegen die Konkurrenz durch. Vier Trophäen gingen an den Film, darunter mit Bestes Drama, Beste Regie und Bestes Drehbuch die drei wichtigsten. Über die vierte Auszeichnung für die Beste Nebenrolle freute sich die Schauspielerin Teyana Taylor, die im Film als Perfidia eine wahrhaft Aufsehen erregende Performance abliefert. One Battle After Another hatte mit seiner herrlich schrägen Art und der fantastischen Inszenierung bereits die meisten Kritikerpreise abgesahnt – schwer vorstellbar, dass der Film bei den Oscars leer ausgehen wird.
Große Gewinner II: The Secret Agent (2025)
Mit der Auszeichnung als Bester Nicht-Englischsprachiger Film hat sich Kleber Mendonça Filhos brasilianischer Thriller gegen den Favoriten Sentimental Value durchgesetzt. Joachim Triers emotionales dänisch-deutsches Drama hat trotz acht Nominierungen nur den Preis für Stellan Skarsgård als Bester Nebendarsteller für sich entscheiden können. The Secret Agent hingegen wird Bester Nicht-Englischsprachiger Film, zudem durfte sich Hauptdarsteller Wagner Moura über einen Golden Globe freuen. Der 158 Minuten lange spannende und visuell aufregende Thriller, der zur brasilianischen Militärdiktatur in den 1970er Jahren angesiedelt ist, gilt als Udo Kiers letzter Film.
Große Gewinner III: Adolescence (2025)
Am wenigsten überrascht hat vermutlich die Verleihung des Golden Globe in der Kategorie Beste Miniserie/Fernsehfilm an Adolescence. Zu groß war die Favoritenrolle der vierteiligen britischen Miniserie – und das völlig zurecht. Alle vier zwischen 50 und 60 Minuten dauernden Episoden wurden in einer Einstellung gedreht – und das bei teils extrem dynamischen Drehortwechseln und äußerst intensiven dramatischen Szenen. Völlig zurecht also gab es drei weitere Auszeichnungen für die Schauspieler:innen Erin Doherty, Stephen Graham und den erst 16-jährigen Owen Cooper. Er ist dank seiner unglaublichen Täter-Performance der jüngste Schauspieler aller Zeiten, der in einem Rutsch Golden Globe, Emmy und Critics Choice Award gewinnen konnte.
Große Gewinner IV: The Studio (2025) und The Pitt (2025)
In den Serien-Kategorien haben The Studio (Beste Comedyserie) und The Pitt (Beste Dramaserie) alle anderen Produktionen weit hinter sich gelassen – darunter immerhin gefeierte Werke wie The Bear: King of the Kitchen, Severance oder The White Lotus. Und tatsächlich finde ich den Hype um The Studio nicht ganz nachvollziehbar. Schöpfer Seth Rogen (auch als Bester Serien-Hauptdarsteller mit dem Golden Globe ausgezeichnet) hat für mein Empfinden das Potenzial des Sujets in Dialogen und komischer Inszenierung nicht wirklich ausgeschöpft. Auch die Entscheidung, keine durchgehende Geschichte zu erzählen, sondern abgeschlossene Episoden hat den Spaß geschmälert, der eigentlich vor allem in den teils großartigen Gastauftritten (Scorsese!) besteht.
Das Team um die dramatische Krankenhaus-Serie The Pitt dürfte übrigens am zufriedensten gewesen sein: zweimal nominiert, zwei Trophäen nach Hause gebracht (für Noah Wyle als Bester Schauspieler und für Beste Dramaserie).
Große Gewinner V: Ricky Gervais
Zu guter Letzt ein weiterer Gewinner des Abends: Der britische Komiker Ricky Gervais feierte eine gloriose Rückkehr zu den Golden Globes und gewann mit Ricky Gervais: Mortality die Kategorie Beste Stand-up-Comedy Performance (zum zweiten Mal) gegen Kolleg:innen wie Kevin Hart und Sarah Silverman. Es war schon deshalb ein kleiner Triumph, weil es in Hollywood nicht wenige gibt, die ihn am liebsten nie wieder auf der Bühne einer Globe-Verleihung gesehen hätten. Gervais hatte die Veranstaltung fünf Mal moderiert und dabei so manche mit extrem harten Gags schockiert. Nun hat er den Preis bekommen – und seine Kritiker trotzdem ihren Willen: Ricky Gervais stand am Sonntag Abend nicht auf der Bühne. Er hatte sein Kommen aus persönlichen Gründen abgesagt.
Nachfolgend findest du die komplette Liste aller Gewinner der Golden Globes 2026 im Überblick:
Adolescence (2025)
Best Television Limited Series, Anthology Series, or Motion Picture Made for Television
Best Performance by a Female Actor in a Supporting Role on Television (Erin Doherty)
Best Performance by a Male Actor in a Limited Series, Anthology Series, or a Motion Picture Made for Television (Stephen Graham)
Best Performance by a Male Actor in a Supporting Role on Television (Owen Cooper)
Blood & Sinners (2025)
Best Original Score – Motion Picture
Cinematic and Box Office Achievement
Dying for Sex (2025)
Best Performance by a Female Actor in a Limited Series, Anthology Series, or a Motion Picture Made for Television (Michelle Williams)
Hacks (2021)
Best Performance by a Female Actor in a Television Series – Musical or Comedy (Jean Smart)
Hamnet (2025)
Best Motion Picture – Drama
Best Performance by a Female Actor in a Motion Picture – Drama (Jessie Buckley)
If I Had Legs I’d Kick You (2025)
Best Performance by a Female Actor in a Motion Picture – Musical or Comedy (Rose Byrne)
KPop Demon Hunters (2025)
Best Motion Picture – Animated
Best Original Song („Golden“)
Marty Supreme (2025)
Best Performance by a Male Actor in a Motion Picture – Musical or Comedy (Timothée Chalamet)
One Battle After Another (2025)
Best Motion Picture – Musical or Comedy
Best Performance by a Female Actor in a Supporting Role in any Motion Picture (Teyana Taylor)
Best Director – Motion Picture (Paul Thomas Anderson)
Best Screenplay – Motion Picture
Pluribus (2025)
Best Performance by a Female Actor in a Television Series – Drama (Rhea Seehorn)
Ricky Gervais: Mortality (2025)
Best Performance in Stand-Up Comedy on Television
Sentimental Value (2025)
Best Performance by a Male Actor in a Supporting Role in any Motion Picture (Stellan Skarsgård)
The Pitt (2025)
Best Television Series – Drama
Best Performance by a Male Actor in a Television Series – Drama (Noah Wyle)
The Secret Agent (2025)
Best Motion Picture – Non-English Language
Best Performance by a Male Actor in a Motion Picture – Drama (Wagner Moura)
The Studio (2025)
Best Television Series – Musical or Comedy
Best Performance by a Male Actor in a Television Series – Musical or Comedy (Seth Rogen)
Soweit alle 27 Preisträgerinnen und Preisträger des Abends. Wird wohl die Academy in den Kino-Kategorien anders entscheiden? Mit Spannung erwarten wir den 15. März 2026 – da wird sich zeigen, ob die Golden Globes erneut Gradmesser für die Oscars sind.



































































































































































































































