
„Die Rosenheim-Cops“ sind zurück: Folge 1 und die Änderungen erklärt
Ein Tiny House soll das Leben eigentlich erleichtern: weniger Platz, weniger Besitz und weniger Ballast. Bei Ben Gruber funktioniert davon offenbar nichts. Zum Auftakt der 26. Staffel von Die Rosenheim-Cops (2002) liegt er erstochen in seinem kleinen Holzhaus, der Safe ist leer und für Sven Hansen (Igor Jeftić) und Kilian Kaya (Baran Hêvî) sieht alles zunächst nach einem ziemlich gewöhnlichen Raubmord aus. Doch schon die ersten Gespräche zeigen, dass Gruber nicht so bescheiden lebte, wie sein Zuhause vermuten lässt – und gleich mehrere Menschen gute Gründe hatten, sauer auf ihn zu sein. „Tod im Tiny House“ eröffnet 24 neue Folgen und wirkt zunächst so vertraut, wie man Rosenheim kennt: Mord, Geld, private Verwicklungen und nebenher ein Problem, das für Jo Caspar (Christian K. Schaeffer) unangenehmer ist als für die Polizei. Gleichzeitig startet eine Staffel, in der sich hinter den bekannten Abläufen ungewöhnlich viel verändert. Vor allem Miriam Stockl (Marisa Burger), seit 2002 fester Bestandteil des Kommissariats, wird nur noch einige Wochen dabei sein.
Ben Gruber hatte mehr als nur einen Feind
Der leere Safe liefert Hansen und Kaya eine naheliegende erste Erklärung: Jemand wollte an Grubers Geld, wurde überrascht und stach zu. Doch schon bald wirkt diese Theorie zu einfach. Sein Cousin Dr. Timo Steinbach (Bruno Sauter) hat einen finanziellen Grund, sich für Grubers Tod zu interessieren, weil ein Erbe im Raum steht. Bea Machtlfinger (Sabrina Hilde) wiederum kennt ihn noch näher. Sie hatte eine Beziehung mit Gruber und arbeitete für ihn, ohne bezahlt zu werden. Damit geht es nicht mehr nur um die Frage, wer in der Tatnacht ins Haus gekommen sein könnte, sondern auch darum, wie viele Menschen Gruber zuvor vor den Kopf gestoßen hatte.
Die beiden Nachbarn, die den Ermittlern helfen könnten, fallen als Zeugen fast komplett aus: Daniel Donato (Paul Brusa) hat wegen seiner Ohrstöpsel nichts mitbekommen, während Jo zwar ebenfalls in einem der Tiny Houses untergebracht war, die Nacht aber lieber bei einer Frau verbrachte. Für den Mordfall ist das kaum brauchbar. Für Jo selbst wird es später umso unangenehmer.
Martin Oettinger verbindet den Mord mit einer alten Geschichte
Die wichtigere Spur führt weg von Grubers Familie und seinem Liebesleben. Martin Oettinger (Daniel Sellier) war in eine Bestechungsaffäre verwickelt, die mit Grubers Vater zusammenhing. Nach dessen Tod fand Ben heraus, was vorgefallen war, und nutzte dieses Wissen für sich: Er erpresste Oettinger. Nun wirkt auch der ausgeräumte Safe weniger als das Ziel eines zufälligen Einbrechers. Gruber hatte sein Geld nicht einfach nur angespart, sondern aus einem alten Geheimnis Kapital geschlagen. Oettinger stand dauerhaft unter Druck, während Ben offenbar keinen Grund sah, damit aufzuhören. Die Folge macht aus ihrem Opfer keinen makellosen Sympathieträger. Gruber wurde ermordet, hatte zuvor aber selbst dafür gesorgt, dass mehrere Menschen allen Grund hatten, wütend auf ihn zu sein. Der Fall beginnt mit einem kleinen Haus und einem leeren Safe und führt zu einem Konflikt, der lange vor der Tat begonnen hatte.
Jo Caspar schläft am falschen Ort
Während Hansen und Kaya Grubers Geldspur verfolgen, bekommt Jo ein Problem, das nur in Rosenheim gleichzeitig völlig unwichtig und erstaunlich lästig sein kann. Ein Immobilienmagazin möchte von ihm wissen, wie es sich in einem Tiny House schläft – dumm nur, dass Jo dazu wenig sagen kann, weil er nachts gar nicht dort war. Nun soll er glaubwürdig von einer Erfahrung berichten, die er kaum gemacht hat, und versucht, sich irgendwie durch die Situation zu manövrieren. Der Nebenstrang ist klein, aber sehr typisch für die Serie: Zwischen Mordverdacht und Erpressung muss sich Jo mit einer banalen Alltagskrise herumschlagen, die ihm persönlich vollkommen reicht. Christian K. Schaeffer wird die Serie im Laufe der Staffel verlassen. Mit Jo verschwindet später auch das „Times Square“ in seiner bisherigen Form. Yasmin Rabe (Maya Haddad) übernimmt als neues Gesicht der Rosenheimer Gastronomie und führt künftig die Tagesbar „Das Rosi“.
Miriam Stockl ist noch da – aber nicht mehr lange
Noch größer wird die Veränderung im Kommissariat. Marisa Burger gehört seit der ersten Episode im Januar 2002 zu Die Rosenheim-Cops und hat Miriam Stockl fast 25 Jahre lang gespielt. Ihr „Es gabat a Leich“ gehört längst zu den bekanntesten Sätzen der Serie. In den ersten Folgen der neuen Staffel sitzt Stockl noch an ihrem Platz, telefoniert, organisiert und hält den Laden zusammen, doch ihr Abschied ist bereits vorbereitet. Sie verliebt sich in einen Headhunter und bekommt zugleich eine berufliche Perspektive, die ihr ein Leben außerhalb des Kommissariats eröffnet.
Am 24. November folgt mit „Es gabat an Abschied“ ihre letzte Episode. Danach übernimmt Christin Lange (Sarah Thonig), die bislang am Empfang gearbeitet hat, ihren Platz im Polizeisekretariat. Auch Hildegard Stadler (Isabel Mergl) verlässt die Serie. Zum Staffelstart ist davon im Alltag der Menschen in Rosenheim noch wenig zu merken. Stockl sitzt an ihrem Schreibtisch, Jo kämpft mit seinem missglückten Tiny-House-Abenteuer und Hansen und Kaya bearbeiten den nächsten Mord. Einige dieser vertrauten Bilder wird es allerdings schon bald nicht mehr geben.






















