
Das Ende der Netflix-Doku „Der Witwer“ erklärt: Wo ist Thomas Randolph heute?
Sechs Ehen, vier tote Ehefrauen und ein Fall, der sich über 15 Jahre zog: Die Geschichte von Thomas Randolph hat alles, was einen außergewöhnlichen True-Crime-Fall ausmacht. Selbst ein Todesurteil setzte ihr kein Ende. Randolph ließ seine erste Verurteilung erfolgreich anfechten, stand Jahre später erneut vor Gericht – und kämpfte noch 2026 gegen seinen Schuldspruch.
Die Netflix-Doku Der Witwer: Bis dass der Tod uns scheidet (2026) zeichnet das jahrelange Katz-und-Maus-Spiel zwischen Randolph und den Ermittlern nach.
Der Todesfall, der die Doku beschäftigt
Zwei Menschen kamen am 8. Mai 2008 im Haus der Randolphs ums Leben: Sharon Causse, Randolphs sechste Ehefrau, und Michael Miller. Der Handwerker hatte zuvor für das Paar gearbeitet. Randolph erklärte die Ereignisse mit einem Einbruch. Nach Darstellung der Anklage war der Überfall dagegen inszeniert. Randolph habe Miller beauftragt, Sharon zu töten, und anschließend den beauftragten Täter selbst erschossen. Damit hätte er den einzigen Zeugen beseitigt. Als Motiv sah die Staatsanwaltschaft unter anderem eine Lebensversicherung über mehr als 300.000 Dollar.
Im Januar 2009 nahmen die Ermittler Randolph fest. Bis eine Jury über die Vorwürfe entschied, sollten allerdings noch Jahre vergehen. Dabei ist wichtig, die Verurteilung von der größeren Geschichte zu trennen, die Randolph den Beinamen „Schwarzer Witwer“ einbrachte. Vier seiner sechs Ehefrauen sind verstorben – das bedeutet jedoch nicht, dass ihm vier Morde nachgewiesen wurden. Seine frühere Ehefrau Leona Stapleton starb 2006 an Krebs. Im Fall seiner zweiten Ehefrau Becky Gault, die 1986 durch einen Schuss starb, wurde Randolph angeklagt, aber freigesprochen. Verurteilt wurde er schließlich für die Todesfälle von Sharon Causse und Michael Miller.
Wie Randolph seinen Fall 15 Jahre lang offenhielt
Randolph wechselte wiederholt seine Verteidiger. Er engagierte Anwälte und trennte sich vor Prozessbeginn wieder von ihnen, was das Verfahren mehrfach verzögerte. Erst acht Jahre nach seiner Festnahme kam es zum ersten Prozess. Im Juni 2017 befand ihn die Jury des zweifachen Mordes ersten Grades und der Verschwörung für schuldig. Randolph erhielt die Todesstrafe.
Doch im Dezember 2020 hob der Oberste Gerichtshof von Nevada sowohl den Schuldspruch als auch das Todesurteil auf. Ausschlaggebend war unter anderem, was die Geschworenen über einen früheren Todesfall erfahren hatten. Randolphs zweite Ehefrau Becky Gault war 1986 in Utah gestorben. Zunächst galt ihr Tod als Suizid. Später wurde Randolph angeklagt, 1989 jedoch freigesprochen. Im Prozess um Sharon Causse und Michael Miller hatte das Gericht trotzdem Beweise zu diesem früheren Fall zugelassen.
Nach Auffassung des Obersten Gerichtshofs hätten bestimmte Beweise zu Gaults Tod der Jury nicht vorgelegt werden dürfen. Die Aufhebung bedeutete allerdings keinen Freispruch für die Taten von 2008. Sie machte einen neuen Prozess nötig.
Das Ende von „Der Witwer“ erklärt: Was passiert mit Randolph?
Genau auf diesen zweiten Prozess läuft die Geschichte der Netflix-Doku hinaus. 2023 musste sich Randolph erneut vor Gericht verantworten. Diesmal konzentrierte sich das Verfahren auf die Todesfälle von Sharon Causse und Michael Miller. Auch Randolphs Kinder sagten gegen ihn aus.
Die neue Jury kam zum selben Ergebnis wie die erste: schuldig. Anders fiel anschließend die Strafe aus. Im April 2024 verhängte ein Richter eine Haftstrafe von 60 Jahren bis lebenslänglich. Ein zweites Todesurteil gab es nicht. Randolph blieb bei seiner Darstellung und bestritt weiterhin, Sharon getötet zu haben. Damit endet die Doku zwar mit seiner erneuten Verurteilung – sein juristischer Kampf war damit aber noch nicht vorbei.
Gegen den zweiten Schuldspruch legte Randolph Berufung ein. Unter anderem argumentierte seine Verteidigung, die lange Dauer des Verfahrens habe sein Recht auf einen zügigen Prozess verletzt. Auch Aussagen bei einem gefilmten Rundgang durch den Tatort wollte die Verteidigung nicht gegen ihn verwendet sehen. Der Versuch scheiterte. Am 31. August 2026 bestätigte der Oberste Gerichtshof von Nevada die Verurteilung.
Wo ist Thomas Randolph heute?
Thomas Randolph ist heute 71 Jahre alt und sitzt im Lovelock Correctional Center im US-Bundesstaat Nevada. Kontakt zur Außenwelt hat er weiterhin. „Dateline“-Produzent Dan Slepian, der den Fall seit vielen Jahren begleitet und auch in der Dokumentation eine wichtige Rolle spielt, steht noch immer mit Randolph in Verbindung. Noch im September 2026 sprach er nach eigenen Angaben mit ihm. Die beiden tauschen E-Mails aus und telefonieren miteinander.
Auch nach der gescheiterten Berufung hat Randolph seine Haltung nicht geändert: Gegenüber Slepian beteuere er weiterhin seine Unschuld.
Was das Urteil für seine Zukunft bedeutet
Die Todesstrafe ist vom Tisch. Eine Rückkehr in Freiheit ist angesichts seines Alters und der Haftstrafe von 60 Jahren bis lebenslänglich dennoch kaum absehbar. Bereits nach dem zweiten Urteil äußerte ein Experte gegenüber Fox News die Einschätzung, Randolph werde voraussichtlich im Gefängnis sterben.






