
„The Conjuring“ oder „Insidious“: Welche Horrorreihe ist gruseliger? Ein Vergleich
Eigentlich ist die Wahl ziemlich unfair: Auf der einen Seite wartet eine Geisterwelt, in der dämonische Gestalten offenbar nichts lieber tun, als genau dann hinter einer Schulter aufzutauchen, wenn niemand mit ihnen rechnet. Auf der anderen Seite stehen Häuser, in denen man nicht einmal mehr einer halb geöffneten Tür traut. Mit Insidious: Out of the Further (2026) läuft gerade ein neuer Film aus dem Insidious-Universum im Kino. Die Geschichte von Ed und Lorraine Warren endete dagegen nach vier Conjuring-Hauptfilmen, doch das Horroruniversum wird bereits mit einem Prequel fortgesetzt.
Viel näher könnten sich zwei Horror-Franchises kaum sein: James Wan führte sowohl bei Insidious (2011) als auch bei Conjuring – Die Heimsuchung (2013) Regie, Patrick Wilson spielt in beiden eine Hauptrolle und Dämonen haben hier wie dort ein erstaunliches Talent dafür, Familien das Wohnen gründlich zu vermiesen. Trotzdem fühlt sich eine Nacht mit Insidious ganz anders an als eine Nacht mit Conjuring. Die entscheidende Frage ist also weniger, wo mehr gespukt wird, sondern welcher Horror einem danach schlechter aus dem Kopf geht.
„Insidious“ lässt dem Publikum kaum Zeit, sich zu verstecken
Josh Lambert (Patrick Wilson) sitzt im ersten Film einfach nur am Tisch, als plötzlich hinter ihm der Lipstick-Face-Demon auftaucht. Wer diese Szene kennt, erinnert sich wahrscheinlich nicht an das Gespräch davor, aber ziemlich sicher noch an dieses rote Gesicht. Insidious beherrscht solche Überfälle ausgezeichnet und hat wenig Interesse daran, dem Publikum vorab ein Warnschild hinzustellen.
Noch mehr Möglichkeiten bekommt die Reihe durch das Ewigreich, eine finstere Zwischenwelt voller verlorener Seelen, in die auch das Medium Elise Rainier (Lin Shaye) immer wieder gelangt. Dort können Gestalten wie die Bride in Black oder KeyFace aussehen, als hätte jemand einen schlechten Traum geöffnet und vergessen, ihn wieder zu schließen.

Das macht die Filme wilder als Conjuring und vor allem unberechenbarer: Ein Geist muss nicht erst zehn Minuten lang im Hintergrund herumstehen, bevor er sich bemerkbar macht. Manchmal ist er einfach plötzlich da. Wer bei Horror vor allem diesen kurzen Moment liebt, in dem der ganze Körper schneller reagiert als der Kopf, bekommt bei Insidious mehr davon.
„Conjuring“ verdirbt einem dafür Dinge, die man zu Hause ebenfalls besitzt
Bei Ed (Patrick Wilson) und Lorraine Warren (Vera Farmiga) ist das Grauen oft deutlich geduldiger. Die beiden kommen in Häuser, in denen es zunächst nach den üblichen Problemen eines Spukfilms aussieht: Geräusche, Türen, seltsame Bewegungen am Rand des Blickfelds. Nur werden diese Kleinigkeiten so unangenehm, dass ein normaler Raum plötzlich vollkommen ausreicht.

In Conjuring – Die Heimsuchung steht Carolyn Perron (Lili Taylor) im Dunkeln an der Kellertreppe, als hinter ihr zwei Hände auftauchen und klatschen. Die Szene ist beinahe lächerlich einfach und gerade deshalb so wirksam. Man braucht keinen riesigen Dämon, wenn zwei Hände reichen, um einen Keller für die nächsten Jahre zu ruinieren. Conjuring erschreckt deshalb vielleicht seltener aus dem Nichts, lässt seine Bilder aber länger in den vertrauten Räumen des eigenen Zuhauses nachwirken.
Valak schlägt den Lipstick-Face-Demon knapp
Auch bei den Gegenspielern wird es eng. Insidious besitzt einige enorm einprägsame Monster, doch nicht alle bekommen genug Persönlichkeit, um über ihren jeweiligen Film hinaus wirklich bedrohlich zu bleiben. Bei Conjuring wirken die großen Gegenspieler stärker über ihre einzelnen Auftritte hinaus. Bathsheba aus dem ersten Film ist eng mit dem Haus und seiner Vergangenheit verbunden, während Valak spätestens seit Conjuring 2 (2016) zu einem der bekanntesten Horrorschurken der vergangenen Jahre geworden ist. Dazu kommt Annabelle, eine Puppe, die selbst dann unangenehm aussieht, wenn sie bloß still in einer Vitrine sitzt.

Beim Bodycount und beim Gore liegen die Reihen dagegen erstaunlich dicht beieinander. Beide erzählen zwar von Dämonen, die Menschen töten oder in den Tod treiben können, aber weder Insidious noch Conjuring setzt auf einen möglichst hohen Bodycount. Blutige Bilder gibt es, doch viel häufiger entsteht die Bedrohung durch Besessenheit, Angriffe aus dem Nichts oder schlicht durch die Ahnung, dass etwas Übernatürliches gerade die Kontrolle übernimmt.
Tatsächliche Tödlichkeit und gefühlte Gefahr sind hier ohnehin zwei verschiedene Dinge: Gerade Conjuring kann ausgesprochen bedrohlich wirken, ohne ständig Leichen zu produzieren. Wer Horror vor allem nach der Menge an Blut bemisst, findet bei Saw (2004) oder Terrifier (2018) deutlich drastischere Filme.
Der knappe Sieg geht an den Horror, der mit nach Hause kommt
Insidious erschreckt schneller. Seine Monster sind schräger, das Ewigreich erlaubt ihm mehr Wahnsinn und wenn es nur darum ginge, welcher Film einen häufiger überraschend aus dem Sitz hebt, wäre die Sache ziemlich schnell entschieden. Das Problem für Insidious beginnt erst nach dem Abspann, denn viele seiner Schrecken gehören eindeutig in diese bizarre andere Welt. Ein Lipstick-Face-Demon sieht nun einmal nicht aus wie etwas, dem man normalerweise morgens auf dem Weg zur Kaffeemaschine begegnet.

Conjuring arbeitet mit genau dem Gegenteil: Das Böse wartet im Kinderzimmer, hinter einer Tür oder irgendwo im dunklen Flur, also an Orten, die wenige Stunden später leider wieder sehr real vor einem liegen.
Damit gewinnt Conjuring dieses Duell knapp. Nicht, weil dort mehr Menschen sterben, und auch nicht, weil Valak automatisch gruseliger wäre als alles, was im Ewigreich herumläuft. Insidious kann für den heftigeren Moment sorgen, doch Conjuring schafft etwas Gemeineres: Die Filme nehmen einem für eine Weile das Vertrauen in ganz normale Räume. Und wenn nachts irgendwo in der Wohnung etwas knackt, hilft die Erinnerung daran, dass Annabelle eigentlich nur eine Puppe ist, erstaunlich wenig.


























































