War Lizzie Borden schuldig oder unschuldig? Das sollte man vor „Monster“ wissen

War Lizzie Borden schuldig oder unschuldig? Das sollte man vor „Monster“ wissen

Veröffentlicht am18. September 2026

Aktualisiert am18. September 2026

Add us on

Lizzie Borden brauchte nie einen Schuldspruch, um als Mörderin berühmt zu werden. Mehr als 130 Jahre nach dem Tod ihres Vaters und ihrer Stiefmutter kennt man in den USA noch immer den Kinderreim über Lizzie, die angeblich zur Axt griff und ihre Eltern erschlug. Aus einer Angeklagten wurde mit der Zeit beinahe eine überführte Täterin. Die neue Staffel Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden (2026) greift diesen berüchtigten Fall nun auf, mit Lizzie Borden (Ella Beatty), Andrew Borden (Charlie Hunnam), Abby Borden (Rebecca Hall), Emma Borden (Billie Lourd) und Bridget Sullivan (Vicky Krieps). 

Der echte Fall ist unübersichtlicher. Lizzie wurde wegen der beiden Morde angeklagt und stand 1893 vor Gericht, die Jury sprach sie jedoch frei. Niemand anderes musste sich später für die Taten verantworten. Seitdem konzentriert sich fast jede Debatte wieder auf dieselbe Frage: War Lizzie eine Mörderin, die davongekommen ist, oder wurde aus einem Verdacht über Jahrzehnte eine vermeintliche Gewissheit? Wer den Morgen des 4. August 1892 genauer ansieht, versteht schnell, warum sie überhaupt ins Visier geriet. Ebenso schnell merkt man aber auch, warum der Fall nie sauber geschlossen werden konnte.

Was passierte am Morgen der Morde?

Der 4. August 1892 beginnt im Haus der Bordens mit einer ungewöhnlich kleinen Besetzung. Lizzies Schwester Emma ist verreist, ihr Onkel John Morse (Joey Pollari) verlässt das Haus gegen 8.45 Uhr, wenig später geht auch Andrew in die Stadt. Im Haus bleiben Abby, Lizzie und die Hausangestellte Bridget Sullivan. Bridget arbeitet zeitweise draußen an den Fenstern, während Abby sich im Gästezimmer im Obergeschoss aufhält. Dort wird sie mit zahlreichen Hieben auf den Kopf getötet. Andrew kommt später zurück und wird von Bridget ins Haus gelassen. Lizzie erzählt ihm, Abby habe eine Nachricht bekommen und sei zu einer kranken Bekannten gegangen. Andrew legt sich im Wohnzimmer auf das Sofa, Bridget zieht sich in ihr Zimmer unter dem Dach zurück. Lizzie will in dieser Zeit in der Scheune gewesen sein, weil sie nach Blei für Angelgewichte gesucht habe. Als sie wieder ins Haus kommt, liegt Andrew tot auf dem Sofa. Auch er wurde mit einer scharfen Waffe erschlagen.

Zwischen den beiden Morden lag offenbar eine längere Pause. Genau das macht die Vorstellung eines fremden Täters schwierig. Wer Abby getötet hatte, musste danach entweder im Haus bleiben, sich irgendwo in der Nähe verstecken oder später noch einmal zurückkehren. Währenddessen gingen Menschen ein und aus, Andrew kam heim, Bridget bewegte sich im Haus, und trotzdem will niemand eine fremde Person bemerkt haben. Lizzie war dagegen während beider Tatzeiträume dort. Damit war sie noch lange nicht überführt, aber für die Ermittler lag es nahe, ihre Geschichte besonders genau zu prüfen.

Warum geriet Lizzie so schnell in den Mittelpunkt?

Ihre eigene Anwesenheit war nur ein Teil des Problems. Niemand konnte bestätigen, wo Lizzie sich in den entscheidenden Minuten wirklich aufgehalten hatte, und ihre Aussagen halfen nicht dabei, daraus ein klares Bild zu machen. Besonders merkwürdig blieb die Geschichte über Abby. Lizzie erklärte, ihre Stiefmutter sei wegen einer kranken Bekannten fortgegangen. Eine solche Nachricht wurde nie gefunden, und später meldete sich auch niemand, der Abby an diesem Morgen zu sich gerufen haben wollte. Das wurde brisant, weil Abby zu diesem Zeitpunkt bereits tot im Gästezimmer lag. Sollte Lizzie davon gewusst haben, hätte ihre Erklärung einen praktischen Effekt gehabt: Solange alle davon ausgingen, Abby sei außer Haus, bestand zunächst kein Grund, im Obergeschoss nach ihr zu suchen. Andererseits ist auch denkbar, dass Lizzie tatsächlich glaubte, ihre Stiefmutter sei fortgegangen und nur weitergab, was sie für wahr hielt. Der Satz über die Nachricht ist deshalb einer der Punkte, die bis heute so viel Raum für Spekulation lassen. Er passt gut zu einem Verdacht, verrät aber nicht, was Lizzie zu diesem Zeitpunkt wirklich wusste.

Warum reden bis heute alle über das Kleid und die Blausäure?

Einen Tag vor den Morden soll Lizzie in einer Apotheke versucht haben, Blausäure zu kaufen. Der Apotheker erinnerte sich später daran und behauptete, sie habe erklärt, sie brauche das Gift zur Reinigung eines Pelzes. Lizzie bestritt den Vorfall. Wäre diese Aussage vor Gericht voll gegen sie verwendbar gewesen, hätte sie der Staatsanwaltschaft geholfen, weil sich damit ein verdächtiger Vorgang unmittelbar vor den Morden erzählen ließ. Für den Prozess spielte die Geschichte am Ende aber eine geringere Rolle als erhofft. Viel länger hielt sich das verbrannte Kleid. Drei Tage nach den Morden beobachtete Lizzies Freundin Alice Russell, wie sie ein blaues Kleid im Küchenofen verbrannte. Lizzie erklärte, es sei mit Farbe beschmutzt und nicht mehr zu gebrauchen gewesen. Der Zeitpunkt ist schwer zu ignorieren, zumal sie zu diesem Zeitpunkt bereits unter Beobachtung stand. Nur lässt sich daraus nicht ableiten, dass es sich um das Kleid vom Mordmorgen handelte. Blut wurde darauf ebenfalls nicht dokumentiert.

Bei beiden Episoden funktioniert der Fall fast zu gut als Kriminalgeschichte. Gift am Vortag, verbrannte Kleidung kurz danach: Das klingt sofort nach Vorbereitung und Spurenvernichtung. Historisch bleibt es trotzdem bei zwei auffälligen Vorgängen, zwischen denen sich keine direkte Verbindung zu den Morden nachweisen ließ.

Ging es bei den Morden um Geld?

Innerhalb der Familie gab es genug Spannungen, damit Geld als Motiv früh interessant wurde. Andrew Borden war wohlhabend, lebte jedoch ausgesprochen sparsam. Lizzie und Emma waren offenbar mit einigen seiner Entscheidungen unzufrieden, besonders wenn Vermögen an Verwandte ihrer Stiefmutter Abby ging. Zwischen den Schwestern und Abby herrschte kein besonders herzliches Verhältnis, und nach Andrews Tod würden Lizzie und Emma einen beträchtlichen Teil seines Besitzes erben. Das reicht aus, um Misstrauen zu erklären, aber weniger gut, um den Ablauf der Morde zu erklären. Wenn Abby wegen Geld und Familienkonflikten zum Ziel geworden sein sollte, bleibt Andrews Tod ebenfalls erklärungsbedürftig. Er war nicht nur das zweite Opfer, sondern auch derjenige, dessen Vermögen nach seinem Tod an seine Töchter überging. Damit lässt sich zwar ein finanzieller Gedanke konstruieren, doch daraus entsteht noch kein überzeugender Beweis dafür, dass Lizzie beide Morde plante und ausführte.

Warum konnte die Staatsanwaltschaft Lizzie nicht überführen?

Bei einem so blutigen Verbrechen hätte man Spuren am Täter erwartet. Andrew und Abby waren mit großer Gewalt erschlagen worden, doch Menschen, die Lizzie kurz nach Andrews Tod sahen, bemerkten kein Blut an ihrer Kleidung, ihren Händen oder ihrem Gesicht. Auch ihre Schuhe und Strümpfe lieferten nichts, was sie direkt mit den beiden Toten verband. Bei der Tatwaffe sah es kaum besser aus. Im Haus wurden mehrere Äxte und Beile untersucht, doch keines ließ sich sicher den Morden zuordnen. Vor Gericht wurde die Lage zusätzlich schwieriger. Einige Aussagen, die Lizzie bei einer frühen Untersuchung gemacht hatte, durften nicht gegen sie verwendet werden. Auch der angebliche Kaufversuch der Blausäure verlor an Gewicht. Das verbrannte Kleid blieb im Raum, ohne dass jemand belegen konnte, dass es Blutspuren trug oder am Morgen der Morde getragen worden war.

Problematisch blieb auch der Mord an Andrew. Falls Lizzie ihn erschlagen hatte, musste sie sich innerhalb kurzer Zeit säubern, die Tatwaffe verschwinden lassen und danach so auftreten, dass Bridget und andere nichts Auffälliges bemerkten. Das ist denkbar. Der Anklage fehlte allerdings die Möglichkeit zu zeigen, wie es tatsächlich geschehen sein soll. Für einen Verdacht reicht eine plausible Möglichkeit. Für eine Verurteilung braucht es mehr.

War Lizzie Borden also schuldig?

Dass Lizzie bis heute die wichtigste Verdächtige geblieben ist, kommt nicht aus dem Nichts. Sie war am Haus, ihre Aufenthaltsorte ließen sich nicht vollständig überprüfen, die Geschichte mit Abbys Nachricht bleibt sonderbar und das verbrannte Kleid hilft ihrer Sache kaum. Wer stattdessen einen fremden Täter annimmt, muss erklären, wie jemand Abby töten, unbemerkt bleiben und später auch Andrew erschlagen konnte, ohne dass Lizzie oder Bridget etwas bemerkten. Trotzdem fehlt das Stück, das aus dieser Vermutung Gewissheit machen würde. Niemand sah Lizzie bei einer der Taten. Es gab kein Geständnis, keine eindeutig bestimmte Mordwaffe und keine Blutspur an ihr, die sich mit Andrew oder Abby verbinden ließ. Dazu kamen Ermittlungen, bei denen nach heutigen Maßstäben leicht Spuren verloren gehen oder übersehen werden konnten.

Am 20. Juni 1893 sprach die Jury Lizzie Borden frei. Damit war nur geklärt, dass die Anklage ihre Schuld nicht beweisen konnte. Wer die bekannten Indizien heute betrachtet, kann sie für die wahrscheinlichste Täterin halten und trotzdem bei der Antwort auf die eigentliche Frage hängen bleiben. Ob sie Andrew und Abby Borden tatsächlich ermordet hat, wissen wir bis heute nicht. Genau mit dieser Unsicherheit geht Monster nun an eine Geschichte heran, die längst viel eindeutiger weitererzählt wird, als sie je gewesen ist.

Trapped in a cruel Victorian-era household, Lizzie Borden kills her parents in a gory ax murder that shocks the nation.

Über diese Liste

Titel

1

Gesamtkosten fürs Ansehen

6,99 €

Gesamtlaufzeit

6h 32min

Genres

Drama

Wo kann ich die Titel von dieser Liste online anschauen?

Finde heraus, welcher Streamingdienst die meisten Titel von dieser Liste anbietet.

Es gibt 1 Titel in dieser Liste und du kannst ihn auf Netflix ansehen. Ein weiterer Streamingdienst hat heute ebenfalls Titel zum Streamen verfügbar.

  1. 1 TitelNetflix
  2. 1 TitelNetflix Standard with Ads

JustWatch Shorts