Der DiCaprio-Film, der in den USA gesperrt ist – aber in Deutschland verfügbar

Der DiCaprio-Film, der in den USA gesperrt ist – aber in Deutschland verfügbar

Veröffentlicht am02. September 2026

Aktualisiert am02. September 2026

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Die meisten Schauspieler hätten gern mehr Kontrolle über ihre Frühwerke. Leonardo DiCaprio hat sie sich genommen. Don’s Plum (2001) verschwand nicht, weil er floppte, sondern weil zwei seiner Darsteller ihn gar nicht erst erscheinen lassen wollten. DiCaprio und Tobey Maguire gingen juristisch gegen die Veröffentlichung vor, mit einem Ergebnis, das bis heute gilt: In den USA und Kanada darf der Film nicht regulär vertrieben werden. In Europa dagegen lief er. Ein deutscher Filmverleih hat also mehr von diesem Film gesehen als DiCaprios Heimatmarkt.

Gedreht wurde damals an gerade einmal sechs Tagen zwischen Juli 1995 und März 1996, kurz bevor DiCaprio auf einem sinkenden Schiff zum Weltstar wurde. Herausgekommen sind 89 Minuten, in denen im Wesentlichen geredet wird. Für ein Werk, das später jahrelange Prozesse auslöste, ist das ein bemerkenswert bescheidener Anlass.

Ein Abend im Diner, fast ohne Handlung

Die Geschichte ist schnell erklärt. Vier Freunde treffen sich wie jeden Samstag im Diner Don’s Plum in Los Angeles. Sie reden über Sex, Drogen, Frauen und vor allem über sich selbst. Für diesen Abend soll jeder eine Begleitung mitbringen. Nur Derek, gespielt von DiCaprio, taucht allein auf und verbringt den Rest der Nacht damit, die anderen zu provozieren und zu beleidigen.

Tobey Maguire spielt Ian, Kevin Connolly ist Jeremy, Scott Bloom übernimmt die Rolle von Brad. Regisseur R. D. Robb setzte auf Schwarzweiß, grobkörnige Bilder und weitgehend improvisierte Dialoge. Der Einfluss von Richard Linklater ist dabei deutlich zu spüren. Jenny Lewis von Rilo Kiley spielt Sara, ihr Bandkollege Blake Sennett steuerte die Musik bei.

Leonardo Di Caprio und Tobey Maguire in Don's Plum

Viel mehr braucht der Film auch nicht. Vier Männer, ein Diner, ein langer Abend und Gespräche, die immer unangenehmer werden. Der deutsche Verleih beschrieb DiCaprios Figur später als „Partyschreck“. Für das, was Derek im Film aufführt, ist das fast schon diplomatisch formuliert.

Der Streit begann mit der Frage, was überhaupt gedreht wurde

Der juristische Konflikt entzündete sich an einem überraschend grundlegenden Punkt. DiCaprio und Maguire erklärten, sie hätten ursprünglich nur einem Kurzfilm zugestimmt. Einen abendfüllenden Spielfilm hätten sie nie autorisiert. DiCaprio legte diese Sicht 1998 in einer rund fünfstündigen Videovernehmung ausführlich dar. Seine Argumentation: Bei einem Spielfilm gebe es normalerweise Proben, Drehbuchbesprechungen und lange Dreharbeiten. Er selbst würde nicht einfach für eine Nacht mit Freunden improvisieren und davon ausgehen, dass daraus ein Kinofilm werde.

Produzent David Stutman verklagte die beiden Schauspieler. DiCaprio und Maguire reagierten mit Gegenklagen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Miramax bereits das Interesse an dem Projekt verloren, auch geplante Sundance-Vorführungen waren abgesagt worden.

Am Ende stand ein Vergleich. Der Film durfte veröffentlicht werden, allerdings nicht in Nordamerika. Zusätzlich mussten einzelne Szenen entfernt werden. Stutman behauptete später, Maguire habe vor allem gestört, wie persönlich und entlarvend seine improvisierte Darstellung wirke.

Warum der Film ausgerechnet in Europa erscheinen durfte

Dass der Film überhaupt regulär veröffentlicht werden konnte, lag an einer ungewöhnlichen Produktionskonstellation. An Don’s Plum war unter anderem Zentropa beteiligt, die dänische Produktionsfirma von Lars von Trier. Deshalb wird der Film trotz seines Schauplatzes in Los Angeles als dänisch-schwedische Koproduktion geführt.

Dons Plum Leonardo Dicaprio und Maguire

Der Vergleich mit DiCaprio und Maguire erlaubte eine Veröffentlichung außerhalb Nordamerikas. Am 10. Februar 2001 feierte Don’s Plum seine Premiere bei der Berlinale. Im August folgte der Kinostart in Dänemark, außerdem wurde der Film in Japan gezeigt. Groß wurde der Erfolg trotzdem nicht. Insgesamt spielte die Produktion lediglich 6.297 Euro ein. Nach Angaben der Beteiligten floss das Geld ohnehin in die juristischen Kosten. In Deutschland erschien später eine DVD inklusive Synchronfassung.

Eine weitere Kuriosität: Don’s Plum ist der mittlere von insgesamt drei Filmen, in denen DiCaprio und Maguire gemeinsam zu sehen waren. 1993 standen sie bereits zusammen in einem Nachkriegsdrama vor der Kamera, 2013 folgte eine gemeinsame Literaturverfilmung. Nur der Film dazwischen durfte in den USA nie offiziell erscheinen.

Im Netz tauchte der Film trotzdem wieder auf

Ganz verschwunden ist Don’s Plum nie. Produzent Dale Wheatley stellte den Film 2014 kostenlos ins Internet und veröffentlichte dazu einen offenen Brief an DiCaprio. Darin warf er dem Schauspieler vor, seine Macht genutzt zu haben, um die Veröffentlichung zu blockieren. 2016 wurde diese Fassung nach einer Intervention der Schauspieler wieder von einer Plattform entfernt. Inzwischen ist der Film erneut online auffindbar. Ein reguläres deutsches Streamingangebot gibt es dagegen bis heute nicht. Wer ihn hierzulande legal besitzen will, ist weiterhin auf die DVD angewiesen.

Damit bleibt die Geschichte fast absurder als der Film selbst. Drei Jahrzehnte juristischer Auseinandersetzungen haben nicht verhindert, dass Don’s Plum gesehen werden kann. Sie haben vor allem dafür gesorgt, dass kaum jemand von seiner Existenz weiß.

Gemessen am Aufwand, der betrieben wurde, um den Film vom nordamerikanischen Markt fernzuhalten, ist das fast schon die eigentliche Pointe. Eines steht fest: Die Blockade hat den Film nicht unsichtbar gemacht. Sie hat nur dafür gesorgt, dass er nie wirklich Teil von DiCaprios Karriereerzählung wurde.

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Don's Plum
Don's Plum

Don's Plum

2002

Wie jeden Samstagabend treffen sich vier Kumpels im Diner "Don's Plum", um bei Snack und Softdroge Weltbewegendes wie z.B. den Sex in all seinen Spielarten zu erörtern. Heute abend sollte zur Abwechslung mal jeder ein Mädel mitbringen, was bis auf Derek (Leonardo DiCaprio) auch allen gelungen ist. Prompt entwickelt sich Derek zum Partyschreck, beleidigt alles und jeden, um schließlich doch noch mit einer der anwesenden Damen anzubandeln. R. D. Robbs grobkörniges und in schwarz-weiß gedrehtes Werk aus der frühen Filmstudentenzeit orientiert sich stark am Stil von Richard Linklater. Es wurde vor allem deshalb (nicht) berühmt, weil Ko-Hauptdarsteller DiCaprio den Film in den USA als "imageschädigend" aus dem Verkehr ziehen ließ. Ebenfalls mit von der Partie: Der 1995 noch ziemlich unbekannte Tobey Maguire.

Über diese Liste

Titel

1

Gesamtkosten fürs Ansehen

3,49 €

Gesamtlaufzeit

1h 48min

Genres

Drama, Komödien

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