
Was wäre, wenn „Gravity Falls“ in „Widow’s Bay“ spielen würde? „Die Doomies“ haben die Antwort
Ouimper sieht zunächst wie ein Ort aus, an dem man den Sommer mit Crêpes, Meerblick und möglichst wenig Aufregung verbringen könnte. Bobby (Max Mittelman) und seine beste Freundin Romy (Madison Calderon) haben allerdings längst den Verdacht, dass in ihrer französischen Heimatstadt etwas nicht stimmt. In Die Doomies (2026) bekommen sie schneller recht, als ihnen lieb sein kann: Bei einer Monsterjagd öffnen sie versehentlich ein Portal nach Subterra, Bobby wird verflucht und Ouimper entwickelt sich zum Treffpunkt für alles, was eigentlich nicht existieren sollte. Wer dabei sofort an Willkommen in Gravity Falls (2012) denkt, liegt nicht falsch. Doch Disneys neue Animationsserie wirkt fast so, als hätte jemand die Grundidee der Kultserie genommen und ihre Kleinstadt an die düstere Küste von Widow’s Bay (2026) versetzt.
Ouimper ist „Gravity Falls“ am Meer
In Willkommen in Gravity Falls verbringen die Zwillinge Dipper (Jason Ritter) und Mabel Pines (Kristen Schaal) ihre Ferien bei ihrem Großonkel Stan (Alex Hirsch) in einer Kleinstadt in Oregon. Schon bald entdecken sie, dass hinter den merkwürdigen Bewohnern und touristischen Kuriositäten echte übernatürliche Geheimnisse stecken. Bobby und Romy starten an einem ähnlichen Punkt. Auch sie sind jung, neugierig und überzeugt davon, dass ihre Umgebung etwas verbirgt, während die Erwachsenen mit dem sonderbaren Alltag wesentlich gelassener umgehen. Selbst die Struktur erinnert an Disneys früheren Mystery-Hit: Einzelne Folgen schicken die Freunde auf neue Monsterjagden, doch dahinter wächst ein größeres Rätsel weiter. Die Parallele ist so offensichtlich, dass selbst die Macher sie nicht abstreiten. Co-Schöpfer Henry Gifford formulierte es ziemlich treffend: Gravity Falls habe den Weg bereitet, auf dem Die Doomies nun laufen könne.

Der überraschendere Verwandte heißt „Widow’s Bay“
Noch interessanter wird Die Doomies, wenn man statt auf die jungen Monsterjäger auf ihre Heimat schaut. Widow’s Bay spielt auf einer abgelegenen Insel vor Neuengland, deren Bürgermeister Tom Loftis (Matthew Rhys) dringend Touristen anlocken möchte. Die älteren Einwohner halten dagegen an Geschichten über Flüche und übernatürliche Gefahren fest. Tom hält das zunächst für Aberglauben, dann beginnen die alten Legenden jedoch tatsächlich wahr zu werden. Ouimper könnte beinahe die französische, animierte Verwandtschaft dieses Ortes sein - beide Serien machen eine Küstenstadt selbst zum zentralen Bestandteil des Horrors. Es gibt alte Geschichten, eigenwillige Einheimische und das Gefühl, dass unter der scheinbar gemütlichen Oberfläche schon seit langer Zeit etwas wartet. Sogar der Leuchtturm bekommt in Die Doomies besondere Bedeutung: Ein mysteriöser Leuchtturmwärter hat Kim (Noel Gibson), die sogenannte Auserwählte, mit einem Zauber nach Ouimper gerufen.
Jede Woche ein neues Monster, aber nur ein großes Geheimnis
Das Konzept funktioniert deshalb nicht nur optisch. Die erste Staffel besteht aus 22 Folgen und lässt immer neue Varianten des Übernatürlichen auf Ouimper los. Ein Werwolfbiss bringt unterdrückte Gefühle hervor, Meerwesen ruinieren eine Party, Hexen sorgen für Ärger und sogar Dougs (Jon Bailey) Auto wird vom Bösen übernommen. Die Schöpfer haben dieses Prinzip bewusst angelegt: Andrés Fernandez erklärte, dass sie klassische Monster wie Vampire, Zombies und Werwölfe mit Wesen aus bretonischen Mythen verbinden wollten. Jede Bedrohung sollte zugleich etwas mit den persönlichen Problemen der jungen Menschen erzählen. Während diese einzelnen Abenteuer abgeschlossen werden, bleiben Bobbys Fluch, Subterra und die Frage nach dem Ursprung des Bösen als roter Faden bestehen. Das ist das alte Monster-der-Woche-Prinzip, aber mit einer Staffelgeschichte darunter.
Trotzdem will „Die Doomies“ nicht das nächste „Gravity Falls“ sein
Der offizielle Trailer spielt offen mit dieser Mischung aus hübscher Küstenkulisse, albernem Chaos und erstaunlich bedrohlichen Monstern. Trotzdem wäre es unfair, Die Doomies lediglich als Ersatz für eine ein Jahrzehnt zuvor beendete Disney-Serie zu behandeln. Fernandez nennt als ursprüngliche Inspirationen vor allem Ghostbusters (1984), Gremlins (1984) und Die Goonies (1985); sein Ziel sei im Grunde ein kindertauglicher Tanz der Teufel (1982) gewesen. Damit erklärt sich auch, warum die Serie stärker in Richtung Horror drängt als Gravity Falls. Der schönste Vergleich führt daher vielleicht über einen kleinen Umweg: Die Doomies besitzt Dipper-und-Mabel-Energie, steckt sie aber in einen Ort, der auch Tom Loftis aus Widow’s Bay sofort misstrauisch machen sollte. Und sobald in Ouimper der Leuchtturm auftaucht, wäre sein nächster Urlaub vermutlich ohnehin gestrichen.

















