
Zeigt der Trailer schon das finale „Clayface”- Gesicht?
In Hollywood wollen alle ein neues Gesicht. Matt Hagen bekommt tatsächlich eines, und dann hört es nicht mehr auf, sich zu verändern. Clayface (2026) schickt keinen klassischen Superheldenfilm ins Kino, sondern einen Body-Horror über einen Schauspieler, dem erst das Gesicht und dann der ganze Körper entgleitet. Wie das fertige Monster aussieht, hält Regisseur James Watkins bislang zurück. Umso auffälliger ist eine Einstellung im neuen Trailer.

Matt Hagen (Tom Rhys Harries), der spätere Clayface, steht auf einem Rummelplatz in Gotham (Minute 1:39), über ihm leuchtet „Twisted Memories“. Dahinter türmt sich etwas auf, das verdächtig nach der Gestalt aussieht, die der Film eigentlich noch verbergen will.
Vom Mann mit der Maske zum Mann aus Ton
Angefangen hat das alles im Juni 1940 in „Detective Comics“ Nummer 40. Basil Karlo ist dort ein abgehalfterter Horrordarsteller, der erfährt, dass sein größter Film ohne ihn neu verfilmt wird. Er zieht sich das Kostüm des Bösewichts an, den er einst gespielt hat, und bringt reihum die Beteiligten um. Kräfte hat dieser erste Clayface keine: Er ist ein wütender Mann in einer Maske, und schon damals dreht sich seine Geschichte um Ruhm, Ersetzbarkeit und ein Gesicht, das nicht mehr gefragt ist. Im Dezember 1961 tauchte in „Detective Comics“ Nummer 298 dann Matt Hagen auf, ein Schatzsucher, der in einer Höhle in ein Becken mit radioaktivem Protoplasma steigt und daraus mit einem formbaren Körper wieder herauskommt. Er kann jede Gestalt annehmen, allerdings nur für Stunden, danach muss er nachtanken. Das ist die Version, die den Kräften ihre bis heute gültige Form gegeben hat. In den späten Siebzigern kam mit Preston Payne noch ein Wissenschaftler dazu, der sich bei dem Versuch, eine Krankheit zu heilen, selbst in eine Tonmasse verwandelt.
Zusammengeführt hat das alles die Zeichentrickserie Batman: The Animated Series (1992). In der Doppelfolge, die im September 1992 lief, ist Matt Hagen kein Schatzsucher mehr, sondern ein Schauspieler, dessen Gesicht bei einem Unfall zerstört wurde. Ein korrupter Unternehmer versorgt ihn mit einer experimentellen Hautcreme, die ihm sein altes Aussehen zurückgibt und ihn abhängig macht. Am Ende schütten ihm dessen Leute das Zeug in Mengen ein, und was aufsteht, ist keine Person mehr. Drehbuchautor Mike Flanagan hat inzwischen bestätigt, dass genau diese Folge ein großer Einfluss auf den Kinofilm war. Zuletzt war Clayface in der Zeichentrickserie Creature Commandos (2024) zu sehen.
Das Monster darf niemand vorher sehen
Für die Vermarktung hat sich Watkins ein berühmtes Vorbild genommen. „You don't want to show the shark“, sagte er gegenüber Entertainment Weekly, also: Man will den Hai nicht zeigen. Gemeint ist Der weiße Hai (1975), in dem Steven Spielberg das Tier fast den ganzen Film über verbirgt. Zu sehen sind eine Rückenflosse und die Reaktionen der Menschen, mehr nicht, und genau das machte den Film so wirkungsvoll. Nach demselben Prinzip bleibt die fertige Clayface-Gestalt aus sämtlichem Werbematerial heraus. Sie kommt im Film vor, aber vorher bekommt sie niemand zu sehen.
Beschrieben hat Entertainment Weekly diese Gestalt trotzdem. Die Rede ist von einer aufragenden Form mit einem klaffenden Maul und tiefen, höhlenartigen Augen. Peter Safran von DC Studios hat außerdem bestätigt, dass es sich um denselben Clayface handelt, der in Creature Commandos auftaucht, und der Kinofilm zeitlich davor spielt. Wer wissen will, wo die Reise hingeht, hat also durchaus Anhaltspunkte, nur eben kein Bild.
Zeigt der „Clayface“-Trailer das finale Gesicht
New Brighton bei Liverpool besitzt ein Vergnügungsgelände namens Adventureland, und genau dieser Schriftzug ist im Trailer zu lesen. Berichten von den Dreharbeiten zufolge hat die Produktion den Ort in Gothams Amusement Mile verwandelt, eine heruntergekommene Vergnügungsmeile am Wasser, in der sich in den Batman-Comics seit Jahrzehnten die Verbrecher der Stadt einnisten. Bekannt ist sie vor allem aus dem Comic „Batman: The Killing Joke“, in dem der Joker den verlassenen Park als Folterkammer benutzt. Im neuen Trailer wirkt die Meile deutlich lebendiger, die Buden sind offen, es gibt Frittiertes und eine Spielhalle.

Durch diese Kulisse läuft Matt Hagen, ein aufstrebender Schauspieler, dem ein Gangster das Gesicht zerschnitten hat. Die Wissenschaftlerin Dr. Caitlyn Corr (Naomi Ackie) bietet ihm daraufhin eine experimentelle Behandlung an, die ihm sein altes Aussehen zurückgibt und seinen Körper nebenbei in formbaren Ton verwandelt. Über ihm werben rote Glühbirnen für „Twisted Memories“. Direkt hinter Hagen erhebt sich im roten Dunst eine breite, unförmige Silhouette. Rechts neben dem Leuchtschild ragen mehrere dicke, stumpfe Formen auf, die wie die Finger einer riesigen Hand wirken; ein Kopf ist hinter Schriftzug und Rauch jedoch nicht auszumachen.
Ein Ort, an dem Gesichter zur Ware werden
Die Ausstattung der Meile spricht dafür, dass dort nichts zufällig steht. Auf Setfotos aus Liverpool und im neuen Trailer stapeln sich Anspielungen auf Gothams Personal. Ein Plakat wirbt für einen Freakshow-Auftritt namens „Penguin Man“, also für die Jahrmarktvariante des Pinguins. Ein anderes bewirbt die Flying Graysons, jene Trapezkünstlerfamilie, aus der später der erste Robin hervorgeht. Später leuchtet das Schild des Club Vesuvius – in den Comics die Bühne der Magierin Zatanna.

Aufschlussreicher als das Namedropping ist allerdings, womit diese Attraktionen werben. Ein Flyer kündigt eine Ausstellung mit einem „incredibly realistic level of detail“ an, also mit unglaublich realistischem Detailgrad, und führt Roger Elliot zwischen Marie Antoinette und Jack the Ripper auf. Beschrieben wird damit eine Wachsfigurenschau, deren gesamtes Geschäftsmodell darin besteht, menschliche Gesichter perfekt nachzubilden.
Ein paar Meter weiter verkauft eine Freakshow ein entstelltes Gesicht als Sensation. Die Amusement Mile ist in diesem Film kein beliebiger Schauplatz, sondern ein Ort, an dem Gesichter ausgestellt, nachgeformt und an der Kasse verrechnet werden. Dasselbe widerfährt Matt Hagen, nur ohne Eintrittskarte.
Wie viel davon ist Wunschdenken?
Beweisen lässt sich die Sache nicht. Was hinter Matt Hagen aufragt, verschwindet im Trailerbild hinter dem Schriftzug und im Nebel, und Jahrmarktsfassaden sehen von Berufs wegen nach zerlaufenen Monstern aus. Auch die Reihenfolge im Film ist unbekannt. Ob Hagen hier vor oder nach seiner Verwandlung durch den Rummel läuft, geht aus dem Trailer nicht hervor. Auffällig bleibt trotzdem, wie gut die Beschreibung aus Entertainment Weekly zu einer klassischen Geisterbahnfassade passt. Eine aufragende Gestalt, ein klaffendes Maul und tiefe, höhlenartige Augen gehören zu genau jener Art von Monsterportal, durch das Besucher in die Attraktion hineinfahren. Und Clayface ist ein Gestaltwandler, dessen Kräfte in fast jeder Version darin bestehen, fremde Gestalten anzunehmen. Ein Mann, der jede Form annehmen kann, steht unter einem Schild namens Twisted Memories vor einer riesigen Fratze, kurz bevor er selbst eine wird. Das wäre schon ein sehr hübscher Zufall.
Am 22. Oktober startet Clayface in den deutschen Kinos, und der Vergleich mit dem Fahrgeschäft dauert dann ungefähr drei Sekunden. Sollte die Form passen, hat sich hier jemand einen ziemlich frechen Spaß erlaubt.






