Zehn Filme, von denen du nicht gedacht hättest, dass sie in Cannes liefen

Zehn Filme, von denen du nicht gedacht hättest, dass sie in Cannes liefen

Oliver Baumgarten
Oliver Baumgarten

Veröffentlicht am 16. Mai 2026

Aktualisiert am 16. Mai 2026

Die Filmfestspiele von Cannes zählen neben Venedig und Berlin zu den drei wichtigsten Filmfestivals der Welt. Seit jeher liegt Cannes’ Schwerpunkt darauf, den großen Autor:innen des Weltkinos eine Plattform zu bieten und präsentieren Jahr für Jahr eine Art „Best of Arthouse-Mainstream” – nichts zu Experimentelles, aber doch Filme, die auf visueller Ebene versuchen, auf der Grundlage des Konventionellen neue Wege zu gehen.

Als Konsequenz daraus zeigten sich die Cannes-Intendanten immer schon sehr offen für gepfeffertes Genrekino und gehobenen, publikumswirksamen Mainstream. Und so haben sich seit der ersten Cannes-Ausgabe 1946 im Laufe der Jahre zahlreiche Filme an der Croisette präsentieren können, von denen man das im Rückblick vielleicht gar nicht erwartet hätte. Die folgende Liste pickt sich zehn kuriose Titel heraus und stellt sie in rückläufiger chronologischer Reihenfolge vor.

Dass ein Film wie Bad Santa auf den Filmfestspielen von Cannes lief, legt bestes Zeugnis darüber ab, dass so ein Filmfestival nicht nur einfach der Filmkunst huldigt, sondern auch ganz andere Aufgaben erfüllt. Terry Zwigoffs Bad Santa ist, wenn man so will, ein Anarcho-Weihnachtsfilm, ein etwas zotiger Spaß, der sich mit rüdem Witz gegen viele Weihnachtsfilm-Klischees wendet. Ein potenzieller Publikumsfilm aus Hollywood also, der zu Weihnachten 2003 auch tatsächlich in den USA und Kanada in die Kinos kam – nicht allerdings in Europa. Dafür nämlich nutzte die Produktion den Mai-Termin in Cannes: als Promotion-Kickoff für den europäischen Markt. Ein A-Festival ist eben auch das: ein Marktplatz. Und ein solcher wurde Bad Santa durch ein Screening außerhalb des Wettbewerbs geboten.
Ganz anders verhält es sich mit der Programmierung von Shrek – Der tollkühne Held. Dieser legendäre und großartige erste Teil der Shrek-Filmreihe wurde 2001 für den Wettbewerb von Cannes ausgewählt – als erster Animationsfilm nach Walt Disneys Peter Pans heitere Abenteuer (1953). Eine klar künstlerische Entscheidung der Festivalleitung und als solche vollkommen nachvollziehbar. Denn der Film von Vicky Jenson und Andrew Adamson ist geprägt von wunderbar schrägen Figuren, einer spannenden Geschichte und vor allem von zahllosen herrlichen Anspielungen aus der Filmgeschichte. Zwar ging der spätere Oscarpreisträger in Cannes leer aus, konnte aber jede Menge Herzen gewinnen.
Godzilla
Godzilla

Godzilla

1998

„Size Does Matter“, lautete augenzwinkernd der Werbeslogan, als die Hollywood-Neuverfilmung des ursprünglich japanischen Stoffes in die Kinos kam. Wenig augenzwinkernd, dafür nur noch großkotzig fielen allerdings die 139 Minuten Film aus, die Disaster-Movie-Spezialist Roland Emmerich inszenierte. Nicht nur bei der Presse fiel der Film mehrheitlich durch, der nur noch oberflächliches Spektakel war – auch ein Großteil der Godzilla-Fans lehnen ihn ab und gaben dem Monster im Film den Spitznamen GINO (Godzilla In Name Only). Stars und Publicity – das wird es gewesen sein, was die Filmfestspiele sich von der Premiere „out of competition“ vermutlich erhofft und dann ja auch bekommen haben.
Desperado
Desperado

Desperado

1995

„Out of competition" zeigte das Festival 1995 mit Desperado auch den zweiten Film von Robert Rodriguez. Es ist die Fortsetzung des heutigen mexikanischen Low-Budget-Klassikers El Mariachi (1993) und erzählt die Geschichte des einsamen Gitarrenspielers weiter, der in einen schießwütigen Clinch mit einer Drogenbande gerät. Für diesen zweiten, erheblich höher budgetierten Film besetzte Rodriguez mit Salma Hayek und Antonio Banderas zwei Stars auf dem Sprung nach Hollywood – gemeinsam ist er ihnen dank des Filmerfolgs dann auch gelungen. Cannes hat auf Robert Rodriguez, diesen filmverrückten Self-Made-Filmemacher, gesetzt und seine Karriere mit angeschoben. Gemeinsam mit seinem Freund und Goldene-Palme-Gewinner Quentin Tarantino (1994 für Pulp Fiction), der in Desperado einen Kurzauftritt hat, arbeitete er in der Folge immer wieder zusammen.
Dem finnischen Regisseur Renny Harlin ist es mit Cliffhanger – Nur die Starken überleben gelungen, Sylvester Stallone von dessen tumben 1980er-Jahre-Actionfigur-Image zu befreien und ihm eine neue Karriererichtung zu weisen. Die in Teilen wirklich hochspannende Kletter-Action war nicht nur finanziell, sondern auch künstlerisch durchaus erfolgreich und passte damit mit seiner Out-of-Competition-Premiere außerordentlich gut nach Cannes. Und Renny Harlins Film wirkt nach: Nicht erst Tom Cruise hat sich in Mission: Impossible II (2000) sieben Jahre später mit Stallone in einer waghalsigen Free-Climbing-Szene messen wollen. Noch heute setzt der Film im Bereich der Kletter-Action Maßstäbe und dürfte zahlreichen Nachfolgern inszenatorisch als Orientierungspunkt gedient haben, zuletzt etwa dem Team der Miniserie Untamed (2025) oder Balthasar Korkmákur für Apex (2026) mit Charlize Theron als Kletter-Star.
Die Kunst des Tanzes als Bild der Verführung: Dirty Dancing ist mit dieser Prämisse zum absoluten Kultfilm geworden und steckt voller ikonischer Zitate, Songs und Tanzeinlagen. Es war ein Independentfilm ohne große Stars und dafür voller subversiver gesellschaftlicher Anspielungen, dazu als Tanzfilm ein Beitrag zu einer Welle, die längst abgeebbt war. Für Regisseur Emile Ardolini stellte Dirty Dancing zwar das Spielfilmdebüt dar, doch er selbst war Spezialist für Tanz. Sein Dokumentarfilm He Makes Me Fell Like Dancin’ (1983), das Porträt eines Tanzlehrers, gewann 1983 den Dokumentarfilm-Oscar. Mit anderen Worten: Dirty Dancing hatte keiner so richtig auf dem Schirm – auch die Programmmacher aus Cannes nicht. Aber: Ein großes Filmfestival wie Cannes wird parallel auch von einem Filmmarkt begleitet. Und genau dort wurde Dirty Dancing 1987 erstmals einem Fachpublikum gezeigt und dann auch verkauft. Offiziell also ist der Film gar nicht beim Festival gelaufen – dessen Umfeld aber ermöglichte dem kleinen Werk, zu einem der ganz großen Welthits zu werden. Auch solche Geschichten zementieren den magischen Ruf eines Filmfestivals wie Cannes.
1982, in dem Jahr, als Werner Herzog bei den Filmfestspielen von Cannes für Fitzcarraldo (1982) als Bester Regisseur ausgezeichnet wurde, lief zum Abschluss außer Konkurrenz die Weltpremiere von E.T. – Der Außerirdische. Damit endete das Filmfestival mit einer Hollywoodproduktion, die sich zum Spielfilm mit den höchsten jemals erzielten Einnahmen entwickeln sollte. Diesen Rekord konnte der Film ganze elf Jahre halten – um dann von einem weiteren Spielberg-Film abgelöst zu werden: Jurassic Park (1993). Hier darf der Intendanz ein wahrhaft gutes Näschen für einen epochalen Abschlussfilm bescheinigt werden.
Ben Hur
Ben Hur

Ben Hur

1959

Auch das klassische Hollywood war bis in die frühen 1960er Jahre hinein regelmäßiger Gast bei den Filmfestspielen von Cannes. Die Außer-Konkurrenz-Teilnahme von William Wylers Ben Hur ist hier nur ein Beispiel – dafür erneut eines, das für ein gutes Händchen bei der Filmauswahl spricht. Denn vielleicht mag Ben Hur kein solcher Rekordhalter an der Kinokasse gewesen sein wie E.T. – Der Außerirdische – dafür hält er bis heute einen anderen Superlativ: Ben Hur hat 1960 elf Oscars gewonnen, ein Rekord, der jeweils erst 1998 durch Titanic (1997) und 2004 durch Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs (2003) eingestellt wurde. Als der Film 1960 in Cannes außer Konkurrenz lief, war er in den USA längst ein großer Erfolg, man nutzte den Auftritt an der Croisette, um ihn für Europa zu promoten.
Tatsächlich lief 1957 der zweite Teil der Sissi-Trilogie im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes. Gerade wenn man bedenkt, wie nostalgisch rückwärtsgewandt die Sissi-Filme sind und wie stark sie sich stilistisch, dramaturgisch und visuell am bekannten alten UFA-Strickmuster orientieren, verwundert das aus heutiger Sicht. Andererseits sind ihre Bilder von jeher opulent, der Kitsch zelebriert sich als Selbstverständnis, der alte k.u.k.-Flair faszinierte damals noch immer (oder mehr denn je), zudem wusste Regisseur Ernst Marischka sehr genau, wie er die richtigen emotionalen Hebel umlegen musste. Und dann war da noch die Hauptdarstellerin: Romy Schneider, die 1957 erstmals in Paris drehte, und das französische Kino – da bahnte sich früh eine sehr besondere Beziehung an. Und nimmt man dann die bereits beschriebene Lust des Festivals an Strömungen des Mainstreams, verwundert es auch wieder gar nicht, dass nur ein Jahr später ebenfalls Teil drei, Sissi, Schicksalsjahre einer Kaiserin (1958), Österreich im Wettbewerb von Cannes repräsentierte.
Vom österreichischen zum bundesdeutschen Nachkriegskino: So schlecht dessen Ruf auch sein mag, hatte es mit Leuten wie Wolfgang Staudte, Helmut Käutner oder Kurt Hoffmann doch einige spannende Regisseure zu bieten. Eben jener Kurt Hoffmann etwa, Komödienspezialist mit großer Lust an ironischer Sozialkritik, präsentierte 1958 mit Das Wirtshaus im Spessart einen wahrhaft eigenwilligen Mix aus Musical, Kostümfilm, Räuberpistole und Groteske, in dessen Zentrum eine flotte Cross-Dressing-Geschichte steht, die sich, wie der gesamte Film, nicht allzu ernst nimmt. Das Bunte und im Ton Lockere hebt den Film vom Durchschnitt bundesdeutscher Arbeiten jener Jahre auf interessante Weise ab – und repräsentierte sie damit gleichsam im Cannes-Wettbewerb von 1958.

Über diese Liste

Titel

10

Gesamtkosten fürs Ansehen

25,92 €

Gesamtlaufzeit

19h 31min

Genres

Action & Abenteuer, Drama, Komödien

Wo kann ich die Titel von dieser Liste online anschauen?

Finde heraus, welcher Streamingdienst die meisten Titel von dieser Liste anbietet.

Auf dieser Liste befinden sich 10 Titel und du kannst 3 von ihnen auf RTL+ Max Amazon Channel anschauen. 20 weitere Streamingdienste haben aktuell ebenfalls einige der Titel im Angebot.

  1. 3 Titel RTL+ Max Amazon Channel
  2. 3 Titel Magenta TV+
  3. 3 Titel WOW
  4. 3 Titel Sky Go
  5. 3 Titel Wow Fiction Amazon Channel