
Die zehn stärksten Filme, die in Deutschland spielen
Viele internationale Filme wurden schon in Deutschland gedreht, jedoch ohne, dass die Handlung auch in Deutschland verortet wäre – sei es Wes Andersons Grand Budapest Hotel (2014) oder Die Tribute von Panem – Mockinjay (2014). Ein Umstand, der nicht unwesentlich mit der deutschen Filmförderung verknüpft ist.
In der folgenden Liste jedoch geht es um internationale Produktionen, deren Handlung zumindest zu großen Teilen in Deutschland spielt – um verfilmte Geschichten also, die verknüpft sind mit Motiven und Spielorten in Deutschland. Und natürlich dominieren da vor allem drei Themenfelder: der Nationalsozialismus bzw. der Zweite Weltkrieg, der Kalte Krieg sowie Berlin als modern-urbaner Backdrop. Die chronologisch sortierte Liste umfasst dabei populäre Klassiker oder Filme beliebter Reihen aus 80 Jahren Filmgeschichte und deckt bewusst eine sehr große Bandbreite an filmischen Ausdrucksformen ab.
Der italienische Filmemacher Roberto Rossellini hat diese Bestandsaufnahme der deutschen Gesellschaft nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1947 in den Trümmern Berlins gedreht. Im Mittelpunkt steht ein Junge, der für sich und seine Familie einen Platz in der düsteren Nachkriegswelt finden muss. Entstanden ist der Film im halbdokumentarischen Stil des Neorealismus, was ihm neben dem künstlerischen auch einen hohen zeitgeschichtlichen Wert beschert. Ähnlich wie Wolfgang Staudte und andere deutsche Regisseure, die nach dem Ende der Nazidiktatur von der Gegenwart jener Jahre erzählen, thematisiert auch Rossellini moralische Verwirrung und Neuorientierung der Menschen – allerdings mit einem fast bitteren Blick von außen. Zunächst in Deutschland verschmäht, zählt der 74-minütige Film heute zum anerkannten filmhistorischen Kanon.
James Cagney trifft Liselotte Pulver. Billy Wilders berühmte Ost-West-Farce ist eine wahre Rarität: Sie vereint Spielorte und Gesichter des bundesdeutschen Nachkriegskinos mit Hollywoods Komödienhandwerk der obersten Schublade – eine irre Mischung, die aber ganz hervorragend funktioniert. Die Geschichte rund um den Direktor der Westberliner Coca-Cola-Filiale, dessen Intrigen bis nach Ostberlin reichen, gilt bis heute als Ost-West-Klassiker – und das auch deswegen, weil mitten in den Dreharbeiten die Mauer gebaut wurde und die Wirklichkeit damit die Fiktion im Eiltempo überholte. Der Spritzigkeit des Films hat das nicht geschadet – im Gegenteil: Die 108 Minuten stecken voller zeitgeschichtlicher Anspielungen und ironischen Gags. Die Hollywoodproduktion wurde komplett in der BRD gedreht, neben Berlin auch in München, wo mit großem Aufwand ein Nachbau des Brandenburger Tors entstand.
Auch Martin Ritts Verfilmung des berühmten John Le Carré-Romans ist im geteilten Berlin angesiedelt und steht exemplarisch für ein ganzes Subgenre an Kalter-Krieg-Filmen. Bis heute gilt die englische Produktion als einer der wenigen Filme (ebenso wie der zugrundeliegende Roman), die den Alltag der Spionage im Kalten Krieg zwischen Ost und West recht realistisch darstellen. Fern des von den James Bond-Filmen angetriebenen Eurospy-Genres, in dem Agenten in schicken Anzügen, schnellen Autos und umgeben von attraktiven Frauen ein Bilderbuchleben des kapitalistischen Helden vorgaukeln, erleben wir in Der Spion, der aus der Kälte kam die Spionage als schmutziges, düsteres und trostloses Geschäft, das zudem moralisch mehr als zweifelhaft ist. Ein bis heute atmosphärisch großartiges Drama.
Bob Fosses Cabaret zählt bis heute zu den bedeutendsten Filmmusicals Hollywoods und hat insgesamt acht Oscars gewonnen. Das Musical führt ins (na klar) Berlin des Jahres 1931 und damit in ein Deutschland, das kurz vor der Machtergreifung der Nazi steht. Im Kern erzählt das Musical, das vornehmlich in und um den Nachtclub Kit Kat Club spielt, die Liebesgeschichte einer Tänzerin (Liza Minnelli) und eines Schriftstellers (Michael York). Ähnlich wie in Eins, zwei, drei treffen hier zwei Welten aufeinander: das uramerikanische Genre des Musicals und bundesdeutsche Produktionswirklichkeit. Alle Innenaufnahmen etwa entstanden in den Münchner Bavaria Studios, wo die Szenenbildner Rolf Zehetbauer, Hans Jürgen Kiebach und Herbert Strabel u.a. den Nachtclub gestalteten – und dafür mit dem Oscar reichlich belohnt wurden. Fesselnde 124 Minuten, insbesondere für alle, die dem klassischen Musical zugetan sind.
Jenseits all der Berlin-Filme und historischen Stoffe, die in Deutschland spielen, bewegt sich dieser Film, der zu Dario Argentos sicher berühmtesten Arbeiten zählt. In dem 94-minütigen Horrorfilm deckt eine amerikanische Tänzerin, die für ein Ballettstudium nach Freiburg gezogen ist, eine mörderische satanische Sekte auf. Wie so oft bei Argento entwickelt sich eine dichte mythisch-mystische Gruselatmosphäre, mit satten Farben und dynamischer Kamera erzählt. Das beschauliche deutsche Freiburg (in Teilen durch Bilder aus München ersetzt) unterstreicht das Märchenhafte des Films, das deutsche Setting wird zum Symbol des Unheimlichen, das sich mit dem Soundtrack der italienischen Band Goblin zum perfekten atmosphärischen Hintergrund verbindet.
Diese aberwitzige Spoof-Comedy von Zucker-Abrahams-Zucker, den späteren Schöpfern von Die nackte Kanone (1988), spielt überwiegend in der DDR. Es ist – grob gesagt – die Geschichte eines US-Rockstars, der ein Konzert in Ostdeutschland spielen soll und dort in einen Ost-West-Spionage-Plot gerät. Tatsächlich aber besteht der Film aus zahllosen Gags und Parodien auf Agenten- und Zweiter-Weltkriegsfilme. Zu den abstrus-absurden Momenten gehört in Top Secret vor allem die Darstellung der DDR, die natürlich in keiner Weise auf Recherchen beruht, sondern ausschließlich darauf, möglichst viele geschmacklose Gags zu platzieren. Das Ergebnis ist ein durchgeknalltes Bild eines Deutschland, das es natürlich nie so gegeben hat, das aber eine ganze Menge darüber erzählt, wie es vor allem in den USA Mitte der 1980er gesehen wurde. Aus dieser Perspektive betrachtet bietet der ohnehin schon knallvolle Film nochmal 90 Minuten lang eine ganz neue Seherfahrung. Versprochen!
Die Filmreihe um den ehemaligen Auftragskiller der CIA, Jason Bourne, war vom ersten Teil an mit Deutschland verbunden – und zwar durch die von Franka Potente gespielte Marie, die sich in Jason Bourne, gespielt von Matt Damon, verliebt. Im zweiten Teil, Die Bourne Verschwörung, zieht es den Dissidenten dann für längere Zeit nach Deutschland – erst nach München und schließlich nach Berlin. Ein Markenzeichen der Filmreihe, die maßgeblich von Regisseur Paul Greengrass geprägt wurde, besteht aus den ausgeklügelt inszenierten und aufwändig geschnittenen Kämpfen und Verfolgungsjagden. Im Gegensatz zu vielen Martial-Arts-Filmen, die Kämpfe zu Hochglanz stilisieren, wirken Bourne-Actionsequenzen erstaunlich authentisch und irgendwie wie Handarbeit. Gerade Berlin hat sich als Kulisse dafür äußerst gut gemacht!
Steven Spielberg inszeniert ein Buch von den Coen-Brüdern: Eine hochkarätige, aber irgendwie irre klingende Prämisse, die in einem spannenden 142-Minuten-Film mündet. Zentrum der Handlung ist die Etablierung der sogenannten „Agentenbrücke” in Berlin, der Glienicker Brücke zwischen Potsdam und Westberlin, die im Kalten Krieg für den Austausch von Spionen und politischen Gefangenen genutzt wurde. Nicht nur spielt ein großer Teil des Films im Berlin der frühen 1960er Jahre. Die meisten Szenen wurden auch in Berlin und im Studio Babelsberg gedreht. Insbesondere der zentrale Drehort, die Glienicker Brücke, wurde mit großem Aufwand optisch angepasst und für mehrere Tage für den Dreh gesperrt. Bridge of Spies ist ein Hochglanz-Beispiel für die Agentenfilme, die den Kalten Krieg in Deutschland thematisieren. Er ist historisch ganz sicher sehr akkurat, aber – im Gegensatz zum Klassiker Der Spion, der aus der Kälte kam – nicht gänzlich frei von Pathos.
Zu den interessanteren Elementen des Marvel-Universums gehört seit jeher die Einbindung dieser phantastischen Superheldenlogik in unsere reale Welt. Völlig selbstverständlich fliegen da Figuren mit Superkräften durch die Gegend und bewerfen sich im Kampf mit PKWs. Besonders gut funktioniert dieser befremdlich-amüsante Effekt, wenn einem die Spielorte vertraut sind – was dann auch der Grund dafür ist, dass immer wieder Franchises an möglichst vielen Orten spielen. Man denke zum Beispiel an James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie (1997), in dem der Titelheld in seinem fernsteuerbaren BMW eine wilde Verfolgungsfahrt durch Hamburg anstellt. In The First Avenger: Civil War ist es natürlich noch krasser, denn hier zum Beispiel bieten sich die Superhelden auf dem Leipziger Flughafen eine wahrlich epische Schlacht, und selbstverständlich finden sie in der Laufzeit von 148 Minuten auch Zeit, in Berlin vorbeizuschauen.
Ähnlich dem Bourne-Franchise macht auch die Action-Filmreihe um den Auftragskiller John Wick Station in Berlin. Weitaus düsterer und stylisher konzipiert, erschaffen die John-Wick-Filme stets eine ganz eigene, hochstilisierte Welt. Gerade aus dem Blickwinkel heraus betrachtet, ist es extrem spannend zu sehen, welches Bild John Wick: Kapitel 4 von Berlin zeichnet. Neben den Außenaufnahmen sind insbesondere einige Sets von Innenräumen interessant, die on location in Berlin gebaut wurden. So etwa wird das sowieso schon ungewöhnliche Berliner ICC-Gebäude nochmal extrem kühl und hochmodern umdesignt zu einem japanischen Hotel, und im Berliner Kraftwerk entstand ein hipper Nachtclub. Berlin wurde also in den John-Wick-Look umgestylt und wird dadurch zur passenden Kulisse für die harte Action, für die John Wick seit 2015 steht.


















































