
Wie realistisch ist „Der Teufel trägt Prada“? Diese 7 Dokus zeigen, wie die Modebranche wirklich tickt
„Millionen Mädchen würden töten für diesen Job!“ Der ikonische Satz stammt von Nigel (gespielt von Stanley Tucci) in Der Teufel trägt Prada (2006). Er richtet ihn an Andy Sachs (Anne Hathaway), die im Mode-Zirkus als Assistentin von „Runway“-Chefredakteurin Miranda Priestly (Meryl Streep) zunächst grandios scheitert. Der Ton in der Redaktion? Gnadenlos. Als sich Andys Kollegin zu erklären versucht, kontert Miranda in einer Szene eiskalt: „Die Details Ihrer Inkompetenz interessieren mich nicht.“ Autsch!
Fast 20 Jahre später kehrt die Geschichte mit Der Teufel trägt Prada 2 zurück auf die große Leinwand. Doch wie realistisch ist die Filmreihe wirklich? Diese 7 Dokus zeigen, was hinter den Fassaden der Modebranche steckt und dass nicht immer glänzt, was ein Designer-Label trägt.
An erster Stelle der Watchlist steht ganz klar September Issue. Die Doku liefert den wohl präzisesten Blick hinter die Kulissen der Entstehung der „Vogue“. Regisseur R. J. Cutler begleitet Anna Wintour, Chefredakteurin und reale Vorlage für Miranda Priestly, bei der Arbeit an der legendären September-Ausgabe - der wichtigsten und wirtschaftlich bedeutendsten Edition des Jahres.
Der Film lässt den Modevorhang fallen und zeigt die Entstehung des Magazins so, wie man sie sonst nie zu sehen bekommt: den Dauerdruck, die XXL-Budgets und Entscheidungen, die in Sekunden getroffen werden müssen. Es geht um Einfluss, Egos und darum, wer am Ende den Ton angibt. Besonders spannend ist das Zusammenspiel zwischen Anna Wintour und Kreativdirektorin Grace Coddington. Was passiert, wenn Vision auf Kontrolle trifft, Gefühl auf Kalkül und keine der beiden Frauen so leicht nachgeben will? Genau das macht die Doku so fesselnd.
Wer sehen will, wie die Chefin der „Mode-Bibel“ wirklich tickt, sollte sich September Issue auf keinen Fall entgehen lassen. Die Parallelen zu Der Teufel trägt Prada sind übrigens kein Zufall: Der Film um Meryl Streep basiert auf dem Roman von Lauren Weisberger, einer ehemaligen Assistentin von Anna Wintour höchstpersönlich.
Diese sechsteilige Dokuserie zeigt, wie die Redaktion der „Vogue“ in den 90ern nicht nur Trends abbildet, sondern sie aktiv mitgestaltet. Im Zentrum stehen wieder prägende Figuren wie Anna Wintour und Grace Coddington sowie Designer und Fotografen, die die Ära definiert haben.
Ebenfalls im Fokus: Der Aufstieg der Supermodels und der Moment, in dem Mode endgültig zur Popkultur wurde. Namen wie Naomi Campbell, Cindy Crawford, Linda Evangelista, Christy Turlington, Claudia Schiffer und Kate Moss stehen für diese Zeit, die oft als Geburtsstunde der „Big Six“ gilt. Viele von ihnen kommen in dieser Doku zu Wort und erinnern sich daran, wie sie Trends gezielt setzten und damit den Geschmack von Millionen beeinflussten.
Zufall, Schicksal oder kalkulierte Mode-Entscheidungen? Und genau hier schließt sich der Kreis zu Der Teufel trägt Prada. Wir erinnern uns an die „Azurblau-Szene“, die einem bis heute eiskalt den Rücken runterläuft: Als Andy (Hathaway) sich über eine scheinbar banale Mode-Diskussion amüsiert, stoppt Miranda Priestly (Streep) sie mit einem Blick und erklärt ihr messerscharf, dass selbst ein „einfacher“ blauer Pullover das Ergebnis unzähliger Entscheidungen, Trends und Machtstrukturen ist. Aus einer harmlosen Farbentscheidung wird plötzlich eine Lektion über Einfluss, Hierarchie und Kontrolle.
Genau dieses unsichtbare System der Einflussnahme nimmt In Vogue: The 90s auseinander und belegt, dass Mirandas Monolog keine Fiktion ist. Spannend! Oder wie Miranda Priestly sagen würde: „Das ist alles.“
Diese Doku schlägt die Brücke zwischen Mode, Kunst und globaler Inszenierung. Regisseur Andrew Rossi begleitet die achtmonatige Vorbereitung auf die Met Gala, die traditionell am ersten Montag im Mai stattfindet, daher der Titel The First Monday in May. Das Event gilt als „Super Bowl der Mode“ und der rund 90 Minuten lange Film blickt exklusiv hinter die Kulissen des Ausnahmezustands. Im Mittelpunkt steht natürlich wieder Anna Wintour, die jedes Detail kontrolliert - von der Gästeliste bis zum Sitzplan.
Interessant im Hinblick auf die Film-Fortsetzung: Eine fiktionalisierte Version der Met Gala wird auch in Der Teufel trägt Prada 2 eine zentrale Rolle spielen. Die Doku ist damit perfekt für alle, die vor dem Kinostart sehen wollen, wie der „Kriegsraum“ der „Vogue“ wirklich aussieht. So wird die Schaltzentrale, in der alle Entscheidungen fallen, intern genannt. Und warum ein falscher Platznachbar sogar eine diplomatische Krise in der Modewelt auslösen kann.
Während die anderen Dokus die Macht der Modemedien zeigen, blickt diese direkt in das schlagende Herz eines Modehauses. Regisseur Frédéric Tcheng begleitet Designer Raf Simons bei einer beinahe unmöglichen Aufgabe: In nur acht Wochen muss er seine erste Haute-Couture-Kollektion für Dior entwerfen.
Der Film gewährt Einblicke in den enormen Druck hinter den Kulissen. Man sieht seine schlaflosen Nächte und Änderungen in letzter Sekunde. Besonders eindrücklich sind die Momente der Unsicherheit, in denen selbst ein gefeierter Designer mit den Erwartungen ringt. Wer die Szene aus Der Teufel trägt Prada kennt, in der James Holt zitternd vor Miranda Priestly steht, während sie seine Kollektion beurteilt, erkennt diese Dynamik hier sofort wieder. Zwar steht keine einzelne Chefredakteurin im Mittelpunkt, doch der Blick der Mode-Elite, von Einkäufern bis hin zu einflussreichen Machern wie Anna Wintour, ist allgegenwärtig. Dior und ich offenbart: Selbst die größten Talente sind auf die Anerkennung der wichtigsten Entscheider angewiesen. Außer Karl. Und das bringt uns direkt zur nächsten Doku.
In diesem Film geht es um eine Legende, die keinen Nachnamen braucht, um erkannt und anerkannt zu werden.
Regisseur Rodolphe Marconi begleitet Karl Lagerfeld über Monate hinweg und zeigt ihn so nahbar wie selten. Statt nur die Ikone zu inszenieren, sieht man den Designer in seinem privaten Kosmos: zwischen Bücherstapeln, beim Skizzieren, ständig arbeitend. Im perfekt organisierten Chaos. Lagerfeld denkt, arbeitet und lebt Mode. Stillstand existiert für ihn nicht. Ähnlich wie Anna Wintour, genauso wie Miranda Priestly. Lagerfeld erwartet Perfektion und duldet keine Schwächen. Und obwohl er zu diesem Zeitpunkt schon so viel erreicht hat, will er sich und anderen beweisen, dass er die Bezeichnung „King Karl“ verdient hat. Oder vielleicht ist ihm das auch völlig egal. Man weiß es nicht.
Wer aber verstehen will, woher die Looks entstehen, die später im „Kriegsraum“ der „Vogue“ diskutiert werden, sollte Lagerfeld Confidential sehen. Ein faszinierendes Porträt eines Mannes, dessen Legende auch nach seinem Tod 2019 weiterlebt.
Die Modebranche ist elitär. Doch was passiert, wenn ein Quereinsteiger sie aufmischt? Das zeigt Alexander McQueen - Der Film. Eine Hommage an ein Ausnahmetalent, das als Arbeiterkind aus London zum Gegenentwurf der perfekt kontrollierten „Vogue“-Ästhetik wurde.
Der Designer lieferte seine Visionen roh, kompromisslos, manchmal verstörend. Der Film erschien 8 Jahre nach seinem tragischen Tod und legt offen, dass Mode und Kunst bei einem Mann wie McQueen nicht voneinander zu trennen sind. Und manchmal auch zu Selbstzerstörung führen können. Freunde und Wegbegleiter beschreiben, wie der Brite sich durch Ruhm, massiven Druck der Modeindustrie und Drogenkonsum von einem lebensfrohen Jungen in eine paranoide, tief deprimierte Person verwandelte.
Vom Gefühl her erinnert Alexander McQueen – Der Film dabei weniger an eine klassische Mode-Doku, sondern eher an Filme wie Black Swan (2010) oder Amy (2015). Alles Geschichten über außergewöhnliches Talent, enormen Druck und die Schattenseiten des Erfolgs.
Diese Doku beleuchtet eine weitere unbequeme und ungeschönte Kehrseite der Modebranche. The True Cost - Der Preis der Mode richtet den Blick auf den menschlichen und ökologischen Preis unseres Konsums. Regisseur Andrew Morgan schaut also dorthin, wo die Modemacher oft lieber wegschauen: in die Fabriken und Lieferketten der Fast-Fashion-Industrie.
Hier schließt sich auch der Kreis zu Mirandas berühmter Standpauke in Der Teufel trägt Prada. Während sie erklärt, wie die Farbe, über die sie heute entscheidet, morgen in die Läden kommt, zeigt The True Cost - Der Preis der Mode, unter welchen Bedingungen diese Massenkleidung produziert wird.
Der Film ist eine knallharte Abrechnung. Er macht deutlich, dass das „unsichtbare System der Einflussnahme“ nicht nur unseren Geschmack und Kassenzettel prägt, sondern auch die Lebensrealität von Millionen Menschen bestimmt – etwa bei Katastrophen wie dem Einsturz des Rana Plaza 2013 in Bangladesch. Dieses Unglück gilt als die schlimmste Katastrophe in der Geschichte der globalen Textilindustrie. Über 1000 Menschen kamen ums Leben, mehr als 2500 weitere wurden verletzt. Damit bricht die Doku bewusst mit der Idee von Mode als reiner Kunstform und rückt sie als globale, oft auch problematische Industrie in den Fokus. Ein bitterer, aber unverzichtbarer Blick hinter die glänzende Fassade.








































