
Wie lang ist „Spider-Man: Brand New Day“? So schlägt er sich gegen alle Spidey-Filme
Zwei Stunden und 25 Minuten. So lange sitzt man in Spider-Man: Brand New Day (2026), wenn man den Abspann mitzählt – was man bei Marvel bekanntlich tun sollte. Die britische Prüfstelle BBFC führt den Film mit 145 Minuten. Das klingt nach viel und wirft eine naheliegende Frage auf: Braucht ein Spider-Man-Film wirklich so lange?
Die überraschende Antwort: Zum Rekordhalter reicht es trotzdem nicht. Ein anderer Spidey war länger, wenn auch nur um Haaresbreite. Und Regisseur Destin Daniel Cretton hatte ursprünglich sogar eine deutlich längere Fassung auf dem Tisch. Wir haben alle elf Kinofilme nach ihrer Laufzeit sortiert, von der kompaktesten Runde bis zum Schwergewicht. Ganz nebenbei zeigt die Liste, wie die Spider-Man-Filme über zwei Jahrzehnte immer länger geworden sind.
Die kürzesten Spider-Man-Filme
Der kürzeste Spidey ist ausgerechnet ein gezeichneter. Spider-Man: A New Universe (2018) kommt mit 116 Minuten aus und packt in diese knapp zwei Stunden gleich ein halbes Dutzend Spider-Helden. Danach folgt der Film, der alles ins Rollen brachte: Spider-Man (2002) von Sam Raimi mit 121 Minuten, eine Ursprungsgeschichte ohne Umwege. Sein Nachfolger Spider-Man 2 (2004) legt sechs Minuten drauf und landet bei 127, was für viele bis heute die ideale Länge für diese Figur ist. Den Abschluss dieser Gruppe macht Spider-Man: Far From Home (2019) mit 129 Minuten.

Bemerkenswert ist, wie viel diese Filme trotzdem unterbringen. A New Universe führt gleich mehrere Spider-Helden ein, Far From Home trägt bereits einiges an MCU-Gepäck mit sich, und Raimis Filme erzählen Peter Parkers Geschichte noch weitgehend für sich allein. Keiner von ihnen braucht dafür mehr als 129 Minuten. Man merkt: Es geht auch knapper, ohne dass sich einer dieser vier gehetzt anfühlt.
Das breite Mittelfeld
Zwischen 133 und 142 Minuten drängt sich der Großteil der Reihe. Spider-Man: Homecoming (2017) eröffnet mit 133 Minuten, dicht gefolgt von The Amazing Spider-Man (2012) mit 136. Bei Spider-Man 3 (2007) sind es 139 Minuten – und dem Film merkt man seine Überfrachtung an: drei Schurken, ein Symbiont, eine Tanzeinlage. Spider-Man: Across the Spider-Verse (2023) braucht 140 Minuten und endet trotzdem mitten im Satz, weil ein dritter Teil folgen soll. The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro (2014) schließt das Feld mit rund 142 Minuten.

Je größer das Figurenaufgebot, desto länger werden tendenziell auch die Filme. Das dürfte kaum Zufall sein: Mehrere Schurken, Liebesgeschichten und immer größere Universen brauchen ihren Platz. Aus dem vergleichsweise geradlinigen Superheldenfilm der frühen Jahre ist längst ein deutlich volleres Paket geworden.
Der längste Spider-Man-Film ist nicht Brand New Day
Und damit zur Überraschung. Mit 145 Minuten ist Brand New Day zwar der zweitlängste Solo-Auftritt der Figur, aber eben nur der zweitlängste. Den Titel hält weiterhin Spider-Man: No Way Home (2021) mit 148 Minuten. Drei Minuten Unterschied – weniger als so mancher Trailer und damit denkbar knapp. Wer es ganz genau nimmt, muss ohnehin unterscheiden: Die später veröffentlichte „More Fun Stuff Version“ von No Way Home brachte es sogar auf 157 Minuten und zieht damit deutlich davon.

Bemerkenswert ist auch, was fast passiert wäre. Cretton hat berichtet, dass der erste Zusammenschnitt von Brand New Day rund 170 Minuten lang war und damit einen neuen Spidey-Rekord aufgestellt hätte. Gewollt habe er diese Länge allerdings nie. Die 145 Minuten der Kinofassung sind also kein Zufall, sondern das Ergebnis einer bewussten Kürzung. Womit wir bei der eigentlich interessanten Frage wären.
Und wie fühlen sich die 145 Minuten an?
Ehrlich gesagt: Man spürt die 145 Minuten. Nicht durchgehend, aber im Mittelteil verliert der Film an Tempo, wenn Peter Parker zwischen Selbstfindung, neuen Kräften und einem halben Dutzend Nebenfiguren pendelt. Zehn Minuten weniger hätten dort niemandem wehgetan. Die Forderung nach einer halben Stunde weniger, wie sie etwa Variety erhebt, geht allerdings deutlich zu weit.
Denn was diesen Film ausmacht, sind gerade seine ruhigen Passagen: ein Mann, den niemand kennt, in einer Stadt voller Menschen. Wer Peter vier Jahre lang allein leben lässt, muss diese Einsamkeit zeigen dürfen und nicht nur behaupten. Kürzte man genau dort, bliebe ein schnellerer, aber deutlich leererer Film übrig. Und ausgerechnet die Szene, über die nach dem Abspann alle reden, ist eine der stillsten des ganzen Films.
Nicht die Länge ist das Problem
Der entscheidende Unterschied liegt darin, wofür ein Film seine Minuten ausgibt. Spider-Man: No Way Home hatte drei Spider-Men, fünf zurückgeholte Schurken und ein Multiversum zu bedienen und brauchte dafür drei Minuten mehr. Brand New Day hat zwar ebenfalls prominente Gäste, bleibt im Kern aber eine Geschichte: ein Held, eine Gegnerin, eine Stadt. Dass am Ende fast dieselbe Zahl steht, liegt also weniger am Umfang der Handlung als an der Entscheidung, dieser Figur Raum zu geben.
Dazu kommt eine Besonderheit, die man erst nach dem Abspann bemerkt: Der Film hört nicht dort auf, wo der letzte Kampf endet, sondern nimmt sich danach noch mehrere ruhige Minuten. Dieser Ausklang funktioniert gerade deshalb, weil der Film sich zuvor die Zeit genommen hat, Peters Einsamkeit nicht nur zu behaupten, sondern zu erzählen. Insofern sind die 145 Minuten keine Nachlässigkeit, sondern eine Setzung – eine, über die man streiten kann, aber eben eine bewusste.
Was die Kritik dazu sagt
Ganz einig ist sich die Kritik bei der Laufzeit nicht. Common Sense Media nennt das Tempo trotz der üppigen 145 Minuten ausgewogen, während andere gerade hier eine Schwäche sehen. Am schärfsten fällt das Urteil bei Variety aus: Dort wird der Film als anstrengend und eine halbe Stunde zu lang beschrieben. Cretton selbst hat die Frage vorweggenommen: Seinen deutlich längeren Rohschnitt habe er nie als endgültige Fassung betrachtet, die Kinoversion halte er für die richtige Länge.
Bei aktuell 90 Prozent auf dem Tomatometer ist allerdings klar, dass die Laufzeit den insgesamt sehr positiven Eindruck kaum trübt. Sie gehört zu den Punkten, an denen sich die Geister scheiden – und vielleicht ist genau das bei 145 Minuten unvermeidlich. Wer sich unsicher ist, sollte jedenfalls einplanen, dass zu dieser Laufzeit auch der Abspann gehört. Und bei Marvel bleibt man bekanntlich bis zum Ende sitzen.


















































