
Zum Kinostart von “Der Astronaut”: Die 8 besten Weltraumfilme seit “Interstellar”
Es gibt im Weltraumkino diese besondere Art von Spannung, die nicht aus Lärm entsteht, sondern aus Stille. Seit Interstellar rücken genau solche Filme stärker in den Mittelpunkt. Das All erscheint darin nicht mehr bloß als Ort für große Schauwerte, sondern als radikal leerer Raum, in dem jede Entscheidung schwerer wiegt.
Menschen sind dort nicht einfach unterwegs, sie sind auf sich selbst zurückgeworfen. Genau das macht diese neueren Filme so intensiv. Sie interessieren sich weniger für das Staunen über das Universum als für den Moment, in dem Orientierung kippt und aus Größe plötzlich Einsamkeit wird. Mit Der Astronaut – Project Hail Mary kommt jetzt ein Film ins Kino, der diesen Zugriff weiterführt und die Perspektive noch enger an seine Hauptfigur bindet. Diese acht Filme zeigen, wie stark Science-Fiction werden kann, wenn sie den Weltraum nicht nur groß aussehen lässt, sondern existenziell.
Ein Mann wacht allein auf einem Raumschiff auf und weiß zunächst weder, warum er dort ist, noch was genau seine Mission verlangt. Genau aus diesem Kontrollverlust zieht Der Astronaut seine Spannung, und zwar ohne hektisch zu werden oder permanent Antworten hinterherzuwerfen. Stattdessen setzt der Film auf eine Perspektive, die eng, direkt und fast schon unangenehm nah an ihrer Hauptfigur bleibt. Mit jeder neuen Information wird die Lage klarer und gleichzeitig beunruhigender, weil nichts daran den Druck wirklich mindert. Das All wirkt hier nicht wie eine Einladung zum Staunen, sondern wie ein Ort, an dem Denken, Erinnern und Durchhalten zur eigentlichen Überlebensfrage werden. Gerade diese Mischung aus technischer Präzision, wachsender Unsicherheit und sehr menschlicher Überforderung gibt dem Film seine besondere Energie. Er bleibt konzentriert, lässt Luft für Spannung und vertraut darauf, dass kleine Verschiebungen oft wirkungsvoller sind als der ganz große Knall.
Mark Watney wird nach einem Sturm auf dem Mars für tot gehalten und von seiner Crew zurückgelassen. In Wahrheit lebt er noch und muss nun allein auf dem Planeten überleben, mit einem Habitat, ein paar Vorräten und sehr viel Improvisationsdruck. Der Marsianer – Rettet Mark Watney macht aus dieser Lage zum Glück kein einziges langes Leidensgesicht, sondern einen mitreißenden Überlebensfilm, der ständig in Bewegung bleibt. Watney jammert nicht viel, sondern denkt, rechnet, baut um und macht weiter, selbst wenn sofort das nächste Problem um die Ecke kommt. Genau das macht ihn so sympathisch. Aus Kartoffeln, Klebeband und wissenschaftlicher Hartnäckigkeit wird hier echtes Drama, aber eins, das nie bleischwer wird. Der Film hat Witz, Tempo und eine wunderbar klare Erzählweise. Man versteht jederzeit, worum es geht, und fiebert gerade deshalb so stark mit, weil jeder kleine Fortschritt sich sofort verdient anfühlt.
Roy McBride wird auf eine Mission geschickt, die ihn weit hinaus ins Sonnensystem führt, weil sein verschollener Vater mit einer bedrohlichen Entwicklung in Verbindung gebracht wird. Klingt nach großem Abenteuer, fühlt sich in Ad Astra – Zu den Sternen aber bewusst ganz anders an. James Gray erzählt diese Reise viel stiller, kühler und kontrollierter, als man es von einem Blockbuster mit Brad Pitt erst einmal erwarten würde. Genau darin liegt der Reiz. Roy bewegt sich durch riesige Räume und wirkt dabei trotzdem wie jemand, der kaum Luft an sich heranlässt. Alles sitzt, alles ist geregelt, bis man merkt, wie viel unter dieser Oberfläche arbeitet. Das All gibt ihm keine Antworten, sondern verstärkt nur die Leere, die ohnehin schon da ist. Viele Szenen bleiben eher hängen als dass sie sich laut in den Vordergrund spielen. So entsteht ein Film, der nicht dröhnt, sondern nachhallt.
Kurz nach dem Start einer Marsmission wird klar, dass eine Person zu viel an Bord ist. Ein blinder Passagier, versehentlich mitgeschleppt, bringt ein System ins Wanken, das ohnehin auf knapper Rechnung basiert. Mehr braucht Stowaway eigentlich gar nicht, um unangenehm spannend zu werden. Von da an zieht sich durch den Film dieses fiese Gefühl, dass es keine Lösung gibt, bei der man sich entspannt zurücklehnen könnte. Sauerstoff, Energie und Zeit werden plötzlich zu brutalen Rechengrößen, nicht zu abstrakten Fachbegriffen. Die Crew versucht ruhig zu bleiben, professionell zu handeln und trotzdem menschlich zu reagieren, was die Lage nur noch bitterer macht. Gerade weil hier niemand künstlich hysterisch wird, wirkt alles umso härter. Der Film bleibt sachlich, fast nüchtern, und genau daraus entsteht seine Spannung. Das ist kein lauter Weltraumthriller, sondern einer, der sich langsam festbeißt und nicht mehr loslässt.
Ein Passagierschiff ist auf dem Weg zum Mars, als es vom Kurs abkommt und immer weiter in die Leere treibt. Was zunächst noch wie ein technisches Problem aussieht, wird in Aniara langsam zu etwas viel Grundsätzlicherem. Hier gibt es keinen heroischen Rettungsmodus, keine schnelle Lösung, kein beruhigendes Gefühl, dass schon irgendwer einen Plan hat. Stattdessen beobachtet der Film, wie Menschen auf schleichende Aussichtslosigkeit reagieren. Routinen entstehen, Trostsysteme werden gebaut, Hoffnung wird verwaltet und irgendwann nur noch simuliert. Gerade dieses langsame Wegkippen macht den Film so stark. Nichts daran ist laut, aber vieles ist verstörend, weil es so konsequent erzählt wird. Das All bleibt leer, gleichgültig und vollkommen unbeeindruckt von allem, was an Bord passiert. Genau dadurch bekommt Aniara eine Beklemmung, die sich nicht über Schockmomente erzeugt, sondern über Zeit, Wiederholung und das allmähliche Verständnis, dass niemand mehr irgendwo ankommen wird.
Auf einer Raumstation entdeckt ein internationales Forschungsteam eine außerirdische Lebensform, die zunächst wie eine wissenschaftliche Sensation aussieht. Dann wird ziemlich schnell klar, dass dieses Wesen nicht nur faszinierend, sondern auch brandgefährlich ist. Life nimmt dieses Setup und macht daraus einen sehr effizienten, sehr fiesen Weltraumthriller, der genau weiß, wann er anziehen muss. Die Raumstation wird mit jeder Szene enger, die Fluchtwege kleiner und die Fehler teurer. Besonders stark ist, dass die Eskalation nicht aus alberner Dummheit entsteht, sondern aus einer Situation, die sich schlicht immer weniger kontrollieren lässt. Dadurch bleibt die Spannung glaubwürdig und wächst fast automatisch. Der Film interessiert sich weniger für große philosophische Fragen als für den blanken Überlebensstress, und genau das funktioniert hervorragend. Wer nervöse Sci-Fi mag, bei der man ständig das Gefühl hat, dass gleich wieder etwas schiefläuft, ist hier sehr richtig.
Jim Preston hat noch fast 90 Jahre Flug vor sich, als seine Schlafkapsel plötzlich aufgeht. Eigentlich hätte er davon nichts mitbekommen sollen. Stattdessen läuft er jetzt allein durch ein riesiges Raumschiff, in dem alles auf tausende Menschen ausgelegt ist, nur eben nicht auf einen. Am Anfang hat das fast etwas Absurdes: Man probiert Dinge aus, genießt den Komfort, redet sich ein, dass man das schon irgendwie durchsteht. Passengers lässt sich dafür Zeit und schaut ziemlich genau hin, wie dieses „irgendwie“ langsam bröckelt. Tage werden gleichförmig, Gespräche fehlen, selbst die schönsten Ausblicke verlieren irgendwann ihren Reiz. Und dann kommt dieser Punkt, an dem Jim eine Entscheidung trifft, die man versteht, obwohl man sie eigentlich ablehnen will. Genau da wird der Film interessant, weil er sich nicht rausredet, sondern diesen Moment einfach stehen lässt.
Augustine sitzt allein in einer Forschungsstation in der Arktis, während die Erde längst nicht mehr so funktioniert wie vorher. Gleichzeitig ist ein Raumschiff unterwegs zurück, ohne zu wissen, was es dort erwartet. The Midnight Sky verbindet diese beiden Ebenen und erzählt eine Geschichte, die sich weniger für Action interessiert als für das, was übrig bleibt, wenn alles andere wegbricht. Die Crew im All wirkt zunächst wie die letzte Verbindung nach draußen, ruhig, konzentriert, fast routiniert, während am Boden längst klar ist, dass es kein Zurück in ein normales Leben geben wird. Genau aus dieser Verschiebung entsteht die eigentliche Spannung. Viel passiert nicht im klassischen Sinne, aber die Stimmung verändert sich ständig. Alles wirkt stiller, leerer, endgültiger. Der Film nimmt sich Zeit für diese Entwicklung und bleibt dabei konsequent ruhig. Gerade dadurch bekommt er eine Schwere, die nicht laut ist, sondern langsam nachwirkt.




















































