Ist „Verity“ böse oder nicht? Ob der Film das Rätsel um Brief und Manuskript löst

Ist „Verity“ böse oder nicht? Ob der Film das Rätsel um Brief und Manuskript löst

Veröffentlicht am02. Oktober 2026

Aktualisiert am02. Oktober 2026

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Seit Jahren endet Colleen Hoovers Roman „Verity“ für viele Leser nicht auf der letzten Seite, sondern in einer Diskussion darüber, welcher von zwei Texten nicht der Wahrheit entspricht. Nun liefert Verity – Dunkle Geheimnisse (2026) neuen Stoff dafür. Der Psychothriller, der seit dem 1. Oktober im Kino läuft, schickt die erfolglose Schriftstellerin Lowen Ashleigh (Dakota Johnson) ins Haus der Bestsellerautorin Verity Crawford (Anne Hathaway). Dort soll sie deren Bücher vollenden und findet stattdessen ein Manuskript, das Verity als erschreckend grausame Mutter erscheinen lässt. Am Ende ist Verity tot, Lowen mit ihrem Mann Jeremy (Josh Hartnett) zusammen und trotzdem nichts geklärt. Ein Brief stellt fast alles infrage, was Lowen und das Publikum bis dahin geglaubt haben.

Warum Jeremy Verity tötet und Lowen ihm dabei hilft

Lowen misstraut Veritys angeblich hilflosem Zustand schon länger und stellt schließlich eine Kamera in ihrem Schlafzimmer auf. Damit bestätigt sich zumindest ein Verdacht: Verity kann sich bewegen und hat ihre Familie getäuscht. Als Jeremy das geheime Manuskript liest, in dem seine Frau behauptet, ihre Tochter Harper (Sienna Kulovitz) absichtlich ertränkt zu haben, kippt die Situation endgültig. Jeremy greift Verity an und beginnt, sie zu erwürgen. Lowen hält ihn zwar auf, doch aus einem ziemlich anderen Grund, als Verity hoffen dürfte: Würgemale könnten Fragen aufwerfen. Sie hilft Jeremy deshalb, Verity mit einem Kissen zu ersticken.

Anne Hathaway im Rollstuhl

Der Film geht anschließend noch weiter als der Roman. Jeremy bringt die Leiche zum See, also an denselben Ort, an dem Harper starb, und Veritys Tod wird als Unfall ausgegeben. Lowen und Jeremy stehen später vor der Polizei und spielen ihre gemeinsame Geschichte überzeugend genug, um davonzukommen. Das verändert Lowens Rolle plötzlich deutlich: Sie beobachtet keinen Mord, in den sie hineingerät. Sie denkt darüber nach, wie man ihn besser vertuschen kann, und lebt danach mit dem Mann weiter, mit dem sie ihn begangen hat.

Veritys Brief erzählt plötzlich eine völlig andere Geschichte

Monate später ist Lowen von Jeremy schwanger. Durch dessen Sohn Crew (Brady Wagner) stößt sie unter einer Bodendiele auf einen Brief, den Verity an Jeremy geschrieben hat. Darin behauptet Verity, dass ihr vermeintliches Geständnis überhaupt keines war. Das Manuskript sei eine Schreibübung gewesen: Sie habe reale Ereignisse aus ihrem Leben genommen und sie aus der Perspektive eines bösen Menschen neu erzählt. Auch Harpers Tod soll demnach ein Unfall gewesen sein. Noch brisanter ist Veritys Version ihres eigenen Autounfalls: Jeremy habe das Manuskript bereits vor Lowens Ankunft entdeckt, es für wahr gehalten und versucht, seine Frau mit dem Auto zu töten. Verity habe überlebt und anschließend ihre schwere Beeinträchtigung vorgetäuscht, weil sie Angst vor einem zweiten Mordversuch hatte.

Damit bekommt ihr monatelanges Schauspiel eine mögliche Erklärung, die über Manipulation hinausgeht: Vielleicht versteckte sie sich nicht vor der Welt, sondern vor ihrem eigenen Mann. Lowen sagt Jeremy nichts von dem Brief und entscheidet damit erneut, welche Wahrheit in diesem Haus weiterleben darf.

Das Buch gibt mehr Gründe, Veritys Manuskript zu glauben

Hier beginnt seit Erscheinen des Romans der Streit, denn ein häufiges Argument gegen den Brief lautet: Wenn das Manuskript wirklich nur eine Schreibübung war, warum gibt es darin keinen Hinweis darauf? Leser fragen sich außerdem, weshalb Veritys Lektorin Lowen nie von dieser angeblichen Methode erzählt und warum Jeremy auf das Manuskript so reagiert, als lese er die Vorwürfe zum ersten Mal. Auch Crews Verhalten beim Gespräch über den Bootsunfall und Veritys Aufforderung, nur er solle die Luft anhalten, werden immer wieder als Hinweise gegen sie gelesen. Andere Leser misstrauen dagegen Jeremy. Wenn Veritys Brief stimmt, hat er bereits einmal versucht, seine Frau zu töten. Dass er sie später tatsächlich umbringt, macht diese Behauptung zumindest weniger leicht abzutun. Und Lowen ist keine neutrale Beobachterin: Sie liebt Jeremy, möchte Veritys Platz einnehmen und vernichtet im Roman den einzigen Text, der dieses neue Leben bedrohen könnte.

verity

Der Film verschiebt dieses ohnehin wackelige Gleichgewicht noch einmal. Im Buch haben Verity und Jeremy drei Kinder. Neben Harper und Crew gibt es Harpers Zwillingsschwester Chastin, die bereits zuvor gestorben ist. Außerdem beschreibt das Manuskript einen brutalen Versuch Veritys, ihre Schwangerschaft mit den Zwillingen zu beenden. Der Film streicht Chastin und diese Szene, und damit fehlt ein Teil jenes Materials, das viele Leser als besonders belastend für Verity ansehen.

Selbst Colleen Hoover ist sich nach dem Film weniger sicher

Michael Showalters Verfilmung löst Hoovers Rätsel also nicht auf, obwohl sie an einigen Stellen anders gewichtet ist. Das scheint sogar bei der Autorin selbst funktioniert zu haben, denn Hoover erzählte nach dem Film, sie habe beim Schreiben lange eine klare Vorstellung davon gehabt, wer in dieser Geschichte der bösere Mensch sei. Nachdem sie aber die drei Perspektiven auf der Leinwand gesehen hatte, entwickelte sie mehr Mitgefühl für die Person, die sie zuvor wesentlich eindeutiger verurteilt hatte.

Der Film verändert den Streit um Veritys Schuld damit weniger, als dass er den Blick stärker auf Lowen und Jeremy lenkt. Auf der Seite lässt sich lange darüber diskutieren, ob Veritys Manuskript oder ihr Brief glaubwürdiger klingt. Im Film sehen wir zusätzlich, was Jeremy und Lowen tun, nachdem sie ihre Entscheidung getroffen haben: Sie töten Verity, beseitigen ihre Leiche und erzählen der Polizei gemeinsam eine Lüge. Ob Verity in ihrem Manuskript oder in ihrem Brief die Wahrheit sagt, bleibt offen. Bei Lowen und Jeremy ist die Lage weniger bequem: Was sie nach Veritys Tod tun, lässt sich nicht mehr als bloße Reaktion auf ihre Geschichte erklären.

Die erfolglose Schriftstellerin Lowen Ashleigh zieht auf das abgelegene Anwesen der Crawfords, um dort als Ghostwriterin für Verity Crawford zu arbeiten. Nachdem Lowen auf scheinbar erschreckende autobiografische Aufzeichnungen von Verity stößt, ringt sie mit den verstörenden und verstörenden Geständnissen über Veritys Ehemann Jeremy und findet es schwer, Fiktion von Realität, Manipulation von Anziehung und Gelegenheit von Besessenheit zu unterscheiden.

Über diese Liste

Titel

1

Gesamtkosten fürs Ansehen

14,99 €

Gesamtlaufzeit

1h 54min

Genres

Drama, Krimi, Mystery & Thriller

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