
Warum Anne Hathaway bei „Verity“ auf diese Bettszene bestand
An diesem Möbelstück kommt die Verfilmung kaum vorbei: Im Schlafzimmer der Crawfords trägt das hölzerne Kopfteil eines Bettes deutlich sichtbare Bissspuren. Für Leser:innen von Colleen Hoovers Roman Verity gehören sie zu den Stellen, die im Gedächtnis bleiben. Anne Hathaway wollte jedenfalls sicherstellen, dass dieses Detail in Verity – Dunkle Geheimnisse (2026) nicht untergeht. Die Schauspielerin übernahm nicht nur die Titelrolle, sondern war auch als Produzentin beteiligt. Über vieles ließ sich bei der Adaption reden. Über die Bettszene nicht.
Was es mit dem Kopfteil auf sich hat
Die älteren Spuren im Holz stammen von Verity Crawford. Seit einem Unfall liegt die Bestsellerautorin regungslos im Obergeschoss ihres Hauses. Dort zieht Lowen Ashleigh ein, um ihre erfolgreiche Buchreihe fortzusetzen. Dakota Johnson spielt die Schriftstellerin, die ihrem Gastgeber Jeremy Crawford bald auch persönlich näherkommt. Veritys Ehemann wird von Josh Hartnett verkörpert.

Während einer intimen Begegnung mit Jeremy beißt Lowen im Roman selbst in das Holz, um einen Laut zu unterdrücken. Dabei will sie die Spuren ihrer Vorgängerin nicht einfach ergänzen: Ihre eigenen sollen tiefer sein als die von Verity. Das macht die Szene so unangenehm. Lowen teilt nicht bloß das Bett mit Veritys Mann, sondern beginnt einen Wettstreit mit einer Frau, die sich nicht mehr äußern kann. Das Kopfteil hält fest, was zwischen den beiden steht.

Warum Hathaway darauf bestand
In einem gemeinsamen Interview mit Johnson und Hartnett für „E! News“ unterschied Hathaway zwischen Freiheiten, die sich eine Buchverfilmung nehmen könne, und Details, bei denen sie genau bleiben müsse. Die Haarfarbe gehöre zur ersten Kategorie: Im Roman ist Verity blond, im Film trägt Hathaway dunkles Haar. Die Sache mit dem Kopfteil dagegen dürfe man nicht vermasseln.
Für Hathaway liegt das an der Eigenart der Szene. Sie sei so ungewöhnlich und konkret, dass man sie bei einer Verfilmung richtig umsetzen müsse. Wer Hoovers Buch kennt, dürfte auf diesen Moment besonders achten. Eine andere Haarfarbe verändert wenig an der Geschichte. Die Bissspuren wegzulassen, hieße dagegen, eines ihrer einprägsamsten Bilder zu streichen.
Wie man einen Biss probt
Bis dieses Bild vor der Kamera funktionierte, brauchte es einige Versuche. Hathaway berichtete von regelrechten Stuntproben und umfangreichen Tests. Dabei war ihr die Szene keineswegs geheuer. Gegenüber „Mamamia“ räumte sie ein, das Kopfteil habe sie ziemlich nervös gemacht. Sie könne nicht nachvollziehen, warum jemand ausgerechnet in Holz beißen sollte, wenn doch andere Dinge zur Verfügung stünden.
Auch die Frage, wie man diesen Impuls glaubwürdig spielt, beschäftigte das Team. Im Podcast „Spill“ erzählte Hathaway von mehreren Besprechungen dazu. Schließlich sollten sie und Regisseur Michael Showalter jeweils einen eigenen Vorschlag mitbringen.
Für die Umsetzung kam Balsaholz zum Einsatz. Hartnett erinnerte sich an einen Requisitentisch, auf dem sich Kopfteilstücke mit unterschiedlichen Bissspuren sammelten. Seine Kolleginnen müssten eine ganze Weile damit beschäftigt gewesen sein, scherzte er. Hathaway nahm es ähnlich trocken: Dass sie beruflich einmal vor einer Kamera in ein Kopfteil beißen würde, hätte sie nicht erwartet. Am Ende sei es eben ein ganz normaler Dienstag gewesen.
Was es nicht in den Film geschafft hat
An anderer Stelle kürzte die Verfilmung deutlich. Lowens Schlafwandeln spielt im Film kaum noch eine Rolle. Johnson, die auch als ausführende Produzentin mitwirkte, begründete das gegenüber „E! News“ pragmatisch: Einer schlafwandelnden Person zuzusehen, sei nicht zwangsläufig spannend.
Die beiden Entscheidungen zeigen, wie unterschiedlich sich Romanmotive auf die Leinwand übertragen lassen. Was beim Lesen Unbehagen erzeugt, muss als gespielte Szene noch lange nicht dieselbe Wirkung entfalten. Die Spuren im Bett brauchen dagegen wenig Erklärung: Veritys Anwesenheit ist in das Holz eingeschrieben, selbst wenn Lowen gerade mit Jeremy allein ist. Dass sie dort ihre eigenen Spuren hinterlassen will, macht aus dem Kopfteil mehr als eine provokante Requisite.












