
Heftiger Gegenwind für Disneys „Vaiana“: 7 Gründe, warum sich der Film trotzdem lohnt
Der Ozean ruft. Die Begeisterung vieler Kritiker hält sich in Grenzen. Zehn Jahre nach dem Animationsfilm schickt Disney Vaiana (2026) erneut auf Reise – dieses Mal mit echten Darstellern, echten Stränden und trotzdem noch erstaunlich viel Computeranimation. Bei Rotten Tomatoes erreicht die Realverfilmung derzeit nur 33 Prozent positive Rezensionen. Das Hauptproblem vieler Kritiker ist dabei allerdings nicht die Geschichte selbst. Stattdessen werfen sie Regisseur Thomas Kail vor, dem Original Vaiana (2016) so eng zu folgen, dass die Neuverfilmung kaum eine eigene Daseinsberechtigung entwickelt.
Wer nicht erwartet, dass die Realverfilmung den Animationsklassiker ersetzt, kann mit Vaiana durchaus viel Spaß haben. Hier sind sieben Gründe, warum sich die Reise nach Motunui lohnt.
1. Catherine Laga’aia ist eine echte Entdeckung
Selbst viele negativ eingestellte Kritiker machen bei Vaiana (Catherine Laga’aia) eine klare Ausnahme. Die australische Newcomerin spielt keine unnahbare Disney-Prinzessin, sondern eine junge Frau, die neugierig, eigensinnig und manchmal noch unsicher ist. Gerade diese Bodenständigkeit verleiht der Figur Charme und sorgt dafür, dass die Realverfilmung mehr ist als eine bloße technische Kopie des Originals.

Laga’aia setzte sich in einem weltweiten Casting durch. Auch Auliʻi Cravalho, die Vaiana in den Animationsfilmen ihre Stimme leiht und bei der Realverfilmung als ausführende Produzentin beteiligt ist, lobte ihre Mischung aus Mut, Freundlichkeit und Authentizität. Mehrere Kritiken heben Laga’aias Darstellung ausdrücklich als größte Stärke des Films hervor.
2. Die Songs verlieren ihre Wirkung nicht
Der größte Trumpf der Realverfilmung ist der gleiche wie 2016: die Musik. Songs wie „Ich bin bereit“, „Voll gerne“ und „Wir kennen den Weg“ gehören noch immer zu den größten Stärken von Vaiana. Die Lieder von Lin-Manuel Miranda, Opetaia Foaʻi und Mark Mancina gehören weiterhin zu den stärksten Disney-Soundtracks der vergangenen Jahre.
Auch skeptische Rezensenten räumen ein, dass die vertrauten Melodien nichts von ihrer Wirkung verloren haben. Manche zählen den Soundtrack sogar zu den größten Stärken der Neuverfilmung. Neu hinzugekommen ist „Along the Way“, das Catherine Laga’aia, Auliʻi Cravalho und Dwayne Johnson gemeinsam eingesungen haben. Auf dem deutschen Soundtrack ist außerdem „Auf deinem Weg“ von Lina Larissa Strahl enthalten. So ergänzt die Realverfilmung die beliebten Lieder des Animationsfilms um neue Akzente, statt sie lediglich zu wiederholen.
3. Vaianas Abenteuer bleibt ungewöhnlich stark
Vaiana muss weder einen Prinzen finden noch beweisen, dass sie heimlich zur Herrscherin taugt. Als die Natur ihrer Heimatinsel Motunui aus dem Gleichgewicht gerät, segelt sie über das verbotene Riff, sucht den Halbgott Maui und möchte das gestohlene Herz der Göttin Te Fiti zurückbringen.

Es geht um Verantwortung, Herkunft und den Mut, eine Grenze zu überschreiten, die alle anderen längst akzeptiert haben. Der Film erzählt diese Reise fast genauso wie das Original. Für Kenner ist das sein größtes Problem, wer die Geschichte jedoch zum ersten Mal sieht oder sie seit Jahren nicht mehr angeschaut hat, bekommt weiterhin eines der zugänglichsten und zugleich klügsten modernen Disney-Abenteuer.
4. Motunui fühlt sich anders an als im Animationsfilm
Die Realverfilmung erreicht zwar nicht immer die leuchtenden Farben und die grenzenlose Beweglichkeit der Animation. Dafür gewinnen Motunui, seine Boote und seine Bewohner an Greifbarkeit. Gedreht wurde unter anderem an der Westküste der hawaiianischen Insel Oʻahu, etwa in der Pokai Bay.
Das Meer ist hier nicht bloß eine strahlend blaue Kulisse, sondern wirkt gewaltig, schwer und mitunter bedrohlich. Dazu kommt eine weitgehend pazifische Besetzung: Vaianas Vater Chief Tui (John Tui), ihre Mutter Sina (Frankie Adams) und ihre Großmutter Tala (Rena Owen) wirken nie wie bloßes Beiwerk. Besonders Rena Owen verleiht Tala in den ruhigeren Szenen Wärme und emotionale Tiefe.
5. Maui und Tamatoa sorgen weiterhin für Spaß
Nicht alle Kritiker sind von Johnsons Rückkehr als Maui überzeugt. In der Animation konnte der Halbgott seine Gesichtszüge und seinen Körper schließlich in jede denkbare Richtung verbiegen. Als realer Mensch wirkt er zwangsläufig schwerfälliger.
Zwischen Johnson und Laga’aia entwickelt sich dennoch eine sympathische Dynamik, sobald Maui seine übergroße Selbstsicherheit gegen Vaianas Hartnäckigkeit verteidigen muss. Sogar der ausgesprochen kritische Guardian gesteht den beiden eine funktionierende Chemie und einige gelungene komische Momente zu. Auch die riesige, glitzernde Krabbe Tamatoa (Jemaine Clement) ist wieder dabei. Clement sprach ihn bereits im Original und weiß noch immer sehr genau, wie viel Eitelkeit in eine einzige Krabbenschere passt.
6. Rena Owen bietet die stärksten emotionalen Momente
Bei all den Liedern, Monstern und digitalen Meereswellen sind es ausgerechnet die stilleren Szenen, in denen die Realverfilmung einen eigenen Vorteil findet. Tala (Rena Owen) ist nicht nur Vaianas liebevolle Großmutter, sondern auch diejenige, die ihr den Mut gibt, dem Ruf des Ozeans zu folgen. Owen spielt sie mit Wärme, verschmitztem Humor und einer Ruhe, die selbst vertrauten Momenten neues Gewicht verleiht.
In den ersten Kritiken wird ihre Leistung mehrfach als einer der emotionalen Höhepunkte hervorgehoben. Gerade die Beziehung zwischen Tala und Vaiana profitiert davon, dass zwei Darstellerinnen einander tatsächlich gegenüberstehen. Einige Szenen berühren dadurch anders als im Animationsfilm, ohne ihn zwanghaft übertreffen zu wollen.
7. Beim Publikum kommt Vaiana deutlich besser an
Zwischen Kritikern und Kinobesuchern liegt bei Vaiana ein bemerkenswerter Ozean. Während nur 33 Prozent der erfassten Rezensionen positiv ausfallen, erreicht der Film beim verifizierten Publikum auf Rotten Tomatoes derzeit 90 Prozent. Viele Zuschauer scheinen sich weniger daran zu stören, dass die Handlung bekannt ist. Sie wollen die Songs, die Inselwelt und das Zusammenspiel von Vaiana und Maui noch einmal auf der großen Leinwand erleben.
Ganz allein steht das Publikum damit nicht: Variety bezeichnet die Neuauflage als die erste Disney-Realverfilmung, die vollständig funktioniere, und sieht sie deutlich über vielen anderen Remakes. Auch andere positive Kritiken heben den Unterhaltungswert, die aufrichtige Inszenierung und die attraktive Optik hervor.
Der Animationsfilm bleibt lebendiger, mutiger und vermutlich auch länger im Gedächtnis. Wer im Kino vor allem Laga’aia, die bekannten Lieder und ein großes Familienabenteuer sehen möchte, dürfte sich an der fehlenden Neuerfindung aber weniger stören als die Kritiker. Zwei Stunden mit Vaiana und einem ziemlich selbstverliebten Halbgott können überraschend schnell vorbeigehen.



























