
Das Duell der Doppelgänger: 7 legendäre Filmzwillinge im Check
Das sogenannte „Twin Film“-Phänomen gehört zu den wiederkehrenden Mustern der Traumfabrik: Zwei Studios entwickeln nahezu zeitgleich Filme mit identischer Prämisse – und bringen sie oft im Abstand weniger Monate ins Kino. Dahinter stecken selten Zufälle, sondern strategische Dynamiken wie Script-Shopping, Personalüberschneidungen oder schlicht ein gemeinsam getroffener Nerv der Zeit. Entscheidend ist jedoch nicht die Ausgangsidee, sondern ihre Ausführung. Denn obwohl sich die Konzepte ähneln, klaffen Tonalität, Inszenierung und Qualität meist deutlich auseinander.
In einer Ära, die durch Franchise-Denken und Multiversen geprägt ist, wirkt der direkte Vergleich dieser filmischen Doppelgänger relevanter denn je. Wir nehmen sechs prominente Paare unter die Lupe – und klären, welche Filme sich durchgesetzt haben und welche zu Unrecht übersehen wurden.
Antz vs. Das große Krabbeln
Im Jahr 1998 wurde der Kinosaal zum Ameisenhaufen. Während Antz (1998) von DreamWorks eher auf ein erwachsenes Publikum schielte, lieferte Pixar mit Das große Krabbeln (1998) ein farbenfrohes Abenteuer für die ganze Familie. Antz besticht durch seinen zynischen Humor und die neurotische Hauptfigur Z, die im Original von Woody Allen gesprochen wird. Der Film stellt existenzielle Fragen über Individualismus versus Kollektivismus, was ihn deutlich düsterer und erwachsener macht als seinen Konkurrenten. Das große Krabbeln hingegen setzt auf liebenswerte Charaktere und eine technische Brillanz, die damals Maßstäbe setzte.
Wer eine tiefgründige, fast schon gesellschaftskritische Geschichte sucht, sollte zu Antz greifen. Wer jedoch Herz und klassische Heldenreisen bevorzugt, ist bei Pixar besser aufgehoben. Im Vergleich zu Armageddon (1998) und Deep Impact (1998), die im selben Jahr erschienen sind, zeigt dieses Duell exemplarisch, wie ein identischer Mikrokosmos völlig entgegengesetzte Tonalitäten hervorbringen kann. Mein klarer Favorit ist Antz von Dreamworks, weil der Film es wagt, die Sehgewohnheiten und Erwartungen des Publikums auf mutige Weise zu unterlaufen.
Armageddon vs. Deep Impact
Wenn ein Asteroid die Erde bedroht, reagiert Hollywood entweder mit Pathos oder mit Panik. Armageddon – Das jüngste Gericht (1998) ist das ultimative Action-Spektakel von Michael Bay: laut, schnell und wissenschaftlich völlig hanebüchen, aber unglaublich unterhaltsam. Bruce Willis rettet die Welt mit seinen Buddies im All, untermalt von heroischer Musik. Auf der anderen Seite steht Deep Impact (1998), der die drohende Katastrophe deutlich realistischer und emotionaler angeht. Hier geht es weniger um Action-Helden, sondern um die Frage, wie die Menschheit mit ihrem bevorstehenden Ende umgeht. Deep Impact ist ein fesselndes Drama, das den Zuschauer eher an die Nieren geht, während Armageddon vor allem auf den Adrenalinrausch setzt.
Es ist eine ähnliche Dynamik wie zwischen Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr (2013) und White House Down (2013): derselbe Ausgangspunkt, aber zwei völlig unterschiedliche Tonlagen – hier grimmiger Ernst und Fatalismus, dort eskapistisches Popcorn-Spektakel mit Augenzwinkern. Auch wenn Deep Impact das reflektiertere Werk ist, hat Armageddon den größeren kulturellen Fußabdruck hinterlassen und ein breiteres Publikum für sich gewinnen.
Prestige – Die Meister der Magie vs. The Illusionist
Das Jahr 2006 verzauberte uns mit gleich zwei Magier-Dramen. Prestige – Die Meister der Magie (2006) von Christopher Nolan ist ein verschachteltes, düsteres Meisterwerk über eine mörderische Rivalität. Der Film ist selbst wie ein Zaubertrick konstruiert und verlangt dem Zuschauer volle Aufmerksamkeit ab. Im direkten Kontrast dazu steht The Illusionist (2006), eine eher romantische, fast märchenhafte Geschichte im Wien des 19. Jahrhunderts. Während Nolan auf kühle Intellektualität und bittere Konsequenzen setzt, bietet The Illusionist eine wärmere Atmosphäre und eine zeichnet eine herzergreifende Liebesgeschichte.
Für Fans von komplexen Plots, die auch nach dem Abspann noch im Kopf nachhallen, ist Prestige ein absolutes Muss. Wer es lieber romantisch und emotional mag, wird mit dem Werk von Neil Burger glücklicher. Interessanterweise teilen beide Filme das Thema der Täuschung, doch während Prestige wie eine ernsthafte Studie über Illusionisten wirkt, bleibt The Illusionist eher an der Oberfläche – ähnlich wie der Unterschied zwischen dem philosophischen Mission to Mars (2000) und dem eher konventionellen Red Planet (2000).
Olympus Has Fallen vs. White House Down
Stirb Langsam im Weißen Haus – das war das Motto des Jahres 2013. Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr (2013) schlug einen sehr harten, fast schon grimmigen Ton an und präsentierte Gerard Butler als kompromisslosen Retter. Der Film ist ein klassisches R-Rated-Actionfeuerwerk, das keine Gefangenen macht. Nur wenige Monate später folgte White House Down (2013) von Roland Emmerich. Dieser Film ist das exakte Gegenteil: ein bunter, witziger Buddy-Actionfilm mit Channing Tatum und Jamie Foxx, der sich selbst zu keinem Zeitpunkt ernst nimmt.
Während Olympus Has Fallen ein Zielpublikum bedient, das nach roher Action dürstet, ist White House Down für Fans von unterhaltsamen Blockbustern mit Augenzwinkern gedacht. Beide Streifen eint der klare US-Patriotismus, der jedoch unterschiedlich tonal verarbeitet wird. Für mich setzt sich White House Down in diesem Duell durch, weil er den „Fun-Faktor“ konsequent ausspielt und zudem die stärkeren visuellen Effekte bietet, während der Konkurrent stellenweise etwas zu bemüht und verbissen wirkt.
Dante’s Peak vs. Volcano
Vulkane waren 1997 die Stars am Katastrophen-Himmel. Dante’s Peak (1997) versucht sich an einem etwas bodenständigeren Ansatz und lässt einen Experten (Pierce Brosnan) in einer Kleinstadt gegen die Naturgewalt ankämpfen. Der Film nimmt sich Zeit für den Aufbau der Bedrohung und wirkt dadurch fast wie ein klassischer Thriller. Volcano (1997) hingegen verlegt den Ausbruch mitten in das Herz von Los Angeles. Hier fließt Lava durch die U-Bahn-Schächte, und Tommy Lee Jones versucht mit Betonbarrieren, die Stadt zu retten. Volcano ist laut, absurd und wunderbar trashig – ein echtes Kind seiner Zeit.
Wer Realismus (im Rahmen eines Katastrophenfilms) sucht, sollte zu Dante’s Peak greifen, der deutlich besser gealtert ist. Wer jedoch sehen möchte, wie Hollywood eine Metropole auf die absurdeste Weise zerstört, wird mit Volcano mehr Spaß haben. Das Duell erinnert an Armageddon gegen Deep Impact: Einer will uns die Gefahr glaubhaft machen, der andere möchte einfach nur unsere Sinne bombardieren.
Mission to Mars vs. Red Planet
Der Mars rief im Jahr 2000 gleich zweimal – doch leider waren beide Expeditionen an den Kinokassen wenig erfolgreich. Mission to Mars (2000) unter der Regie von Brian De Palma ist ein fast schon spiritueller Science-Fiction-Film, der die Ursprünge der Menschheit erforscht. Er ist langsam, bildgewaltig und ambitioniert, auch wenn er manchmal ins Kitschige abdriftet. Red Planet (2000) hingegen ist ein klassischer SciFi-Thriller, in dem ein Team von Astronauten gegen einen defekten Roboter-Hund und die unwirtliche Umgebung kämpfen muss.
Während Mission to Mars ein Publikum anspricht, das über den Kosmos philosophieren möchte, ist Red Planet eher etwas für Fans von geradliniger Action. Zwar wirken beide Filme heute etwas angestaubt, doch Mission to Mars bleibt aufgrund seiner mutigen Vision das deutlich interessantere Werk. Allerdings sollte man die Erwartungen etwas dämpfen: Keiner der beiden Filme ist ein echtes Highlight. Der Reiz für Filmbegeisterte liegt vielmehr im direkten Vergleich zweier Umsetzungen derselben Prämisse – einmal durch eine etablierte Regie-Ikone, einmal durch einen deutlich weniger bekannten Filmemacher.
American Werewolf vs. Das Tier
Das Jahr 1981 war das ultimative Jahr der Lykanthropie, als mit American Werewolf (1981) und Das Tier (1981) – im Original The Howling – zwei Meilensteine des Genres fast zeitgleich die Leinwände stürmten. Während John Landis mit American Werewolf in London eine perfekte Balance zwischen scharfsinnigen Humor und visuellem Grauen fand, setzte Joe Dante bei Das Tier eher auf klassischen Horror. Das Herzstück beider Filme sind die revolutionären praktischen Effekte: Rick Bakers Transformation in American Werewolf setzte neue Maßstäbe, wobei Rob Bottins Arbeit in Das Tier ebenfalls ziemlich beeindruckend war.
Für Fans von oscarprämierten Effekten und einer Prise Ironie ist Landis' Werk das absolute Nonplusultra, da er die Tragik des Fluchs viel greifbarer macht. Er erlaubt sich absurde, fast slapstickartige Momente, um die Stimmung aufzulockern und die Zuschauer aus der Reserve locken. Das Tier ist solide inszeniert, bleibt in Sachen Spannung und kreativer Durchschlagskraft aber klar hinter American Werewolf zurück.
































































