
Alle Jack Ryan-Filme und -Serien in der richtigen Reihenfolge
Mit Tom Clancy’s Jack Ryan: Ghost War startet am 20. Mai die nächste Version des berühmten CIA-Analysten auf Prime Video, und damit ist Jack Ryan wieder überall. Das passiert jedes Mal, wenn er wieder auftaucht: Man fängt an zu googeln, man fragt sich, ob man etwas verpasst hat, und überlegt, ob man wirklich von vorn anfangen muss. Die Antwort auf die letzte Frage ist: Es kommt darauf an.
Das Jack-Ryan-Franchise bietet nämlich keinen sauberen roten Faden, sondern eher einen Knäuel, das jemand mehrmals neu aufgewickelt hat. Fünf verschiedene Schauspieler haben diese Rolle gespielt, jeder mit einem anderen Ton, einem anderen Alter und manchmal einer anderen Kontinuität. Dieser Überblick bringt die richtige Reihenfolge und erklärt, wo was zusammenhängt und wo eben nicht, damit man weiß, womit man anfangen will.
Der Kalte Krieg hat noch ein paar Monate, und irgendwo im Nordatlantik verschwindet ein sowjetisches Atom-U-Boot mit dem modernsten Antrieb der Welt. CIA-Analyst Jack Ryan, damals gespielt von Alec Baldwin, ist der Einzige, der glaubt, Kapitän Marko Ramius wolle überlaufen und nicht angreifen, und muss das in etwa 48 Stunden beweisen. Jagd auf Roter Oktober ist ein Thriller, der fast vollständig unter Wasser spielt und trotzdem nie klaustrophobisch wirkt, weil Regisseur John McTiernan das Tempo so setzt, dass man gar keine Zeit hat, Luft zu holen. Sean Connery trägt als Ramius den halben Film auf seinen Schultern, aber Baldwin hält mit einer nervösen Präzision dagegen, die man in keiner der späteren Versionen dieser Rolle wiederfindet.
Der Film gewann 1991 den Oscar für den besten Tonschnitt, ist bis heute der kritisch am besten bewertete der ganzen Reihe und der einzige, in dem Jack Ryan wie ein Mann wirkt, der eigentlich lieber im Büro geblieben wäre.
Beim Besuch in London wird Jack Ryan zufällig Zeuge eines IRA-Anschlags auf ein Mitglied des britischen Königshauses, greift ein und tötet dabei einen der Attentäter. Dessen Bruder schwört Rache, und damit beginnt etwas, das der Film nicht als Politthriller, sondern als sehr persönliche Geschichte erzählt: Ein Mann will seine Familie schützen und muss dafür zurück in einen Job, den er eigentlich hinter sich gelassen hat. Harrison Ford übernimmt hier die Rolle von Baldwin und macht aus Ryan sofort einen anderen Menschen: weniger analytisch, physischer, gereizter unter Druck.
Die Stunde der Patrioten ist der intimste Film der Reihe, weil der eigentliche Einsatz nicht geopolitisch ist, sondern auf dem Grundstück von Ryans Haus endet. Regisseur Phillip Noyce zieht die Spannung dabei über fast zwei Stunden mit einer Beharrlichkeit, die sich auszahlt, auch wenn der Film neben seinem Vorgänger manchmal etwas eng wirkt.
Was als Routineuntersuchung beginnt, wächst sich zum größten politischen Skandal aus, den Ryan je aufgedeckt hat. Die US-Küstenwache findet auf einem Schiff die ermordete Familie eines engen Freundes des Präsidenten, der Verdacht fällt auf ein kolumbianisches Drogenkartell, und Ryan, inzwischen kommissarischer CIA-Vizedirektor, gerät in eine Verschwörung, die tief in die eigene Behörde reicht. Ford spielt diesen Ryan schärfer als in Die Stunde der Patrioten, mit weniger Geduld und einem wachsenden Misstrauen gegenüber allen, die über ihm stehen.
Das Kartell ist der politisch komplexeste der frühen Filme. Er traut seinem Publikum zu, mehreren Handlungssträngen gleichzeitig zu folgen, und Regisseur Phillip Noyce hält das Gewebe zusammen, ohne je einen Faden fallen zu lassen. Willem Dafoe hat als Geheimdienstoperateur John Clark dabei einen Auftritt, der kurz ist und trotzdem länger hängen bleibt als manch eine Hauptrolle.
Nach acht Jahren Pause übernimmt Ben Affleck die Rolle des jüngeren Ryans, der gerade erst in die CIA eingestiegen ist und den Direktor William Cabot bei der Einschätzung des neuen russischen Präsidenten berät. Das Drehbuch umgeht die Vorgängerfilme dabei so konsequent, dass man Der Anschlag getrost als eigenständigen Neustart lesen kann. Die Story: Als in Baltimore eine Atombombe explodiert und die USA und Russland auf Konfrontationskurs gehen, ist Ryan der Einzige, der glaubt, die Wahrheit sei komplizierter.
Der Film hat unter den Clancy-Verfilmungen den schlechtesten Ruf, und er ist tatsächlich der schwerste Einstieg: zu viel Plot, zu wenig Raum für Affleck, der die Rolle sichtlich ernst nimmt, aber nie wirklich die Kontrolle über den Film bekommt. Als Zeitdokument eines der Nachwirkungen des 11. Septembers 2001 ist er trotzdem interessanter, als sein Ruf vermuten lässt.
Zwölf Jahre später versucht das Franchise einen weiteren Neustart, dieses Mal mit Chris Pine als Ryan, der nach einem Hubschrauberabsturz in Afghanistan seine Militärkarriere beendet hat und als verdeckter CIA-Analyst auf der Wall Street landet. Was er dort findet, ist ein russischer Finanzplan zur Destabilisierung des Dollars, und bevor er auch nur Zeit hat, das seinem Vorgesetzten Thomas Harper zu erklären, steckt er mitten in einem Moskau-Einsatz, für den er nicht ausgebildet ist.
Jack Ryan: Shadow Recruit ist der glatteste und modernste der Kinofilme. Kenneth Branagh führt Regie und spielt gleichzeitig den Bösewicht, und Pine gibt diesem Ryan eine jugendliche Überzeugungskraft, die den Film trägt, auch wenn das Drehbuch nie ganz so klug ist, wie es gerne wäre. An den Kinokassen lief er enttäuschend, eine geplante Fortsetzung kam nie, und das Franchise wechselte danach das Medium.
Amazon holte das Franchise 2018 ins Streaming und wagte dabei den bis dahin radikalsten Neustart: John Krasinski, damals vor allem als Jim Halpert aus The Office bekannt, übernimmt einen Ryan, der jünger ist als Ford, bodenständiger als Pine und deutlich schlechter darauf vorbereitet, ein Held zu sein. Über vier Staffeln und 30 Folgen jagt er eine dschihadistische Terrorzelle in Syrien, dann einen venezolanischen Präsidenten auf Kriegskurs, dann eine globale Verschwörung, die bis in das Oval Office reicht, und schließlich einen nuklearen Bedrohungsplot quer durch Europa.
Jack Ryan ist die einzige Version des Charakters, die genug Zeit hat, um ihn wirklich wachsen zu lassen, und Krasinski nutzt diese Zeit mit einer stillen Intensität, die überzeugender ist als jeder große Moment. Wendell Pierce als James Greer, Ryans Chef und Gegenpol, ist dabei so gut, dass die Serie ohne ihn eine andere wäre.
Drei Jahre nach dem Ende der Serie kehrt Krasinski zurück, dieses Mal nicht als Serie, sondern als Spielfilm auf Prime Video. Die Story: Ryan ist eigentlich raus, aber eine entgleiste Verdecktoperation zieht ihn zurück ins Spiel. Eine Spezialeinheit, die niemand offiziell kennt, ist von der Leine, und die Spur führt durch New York, London und Dubai.
Greer ist wieder dabei, Mike November auch, neu hinzu kommt MI6-Agentin Emma Marlowe, gespielt von Sienna Miller. Jack Ryan: Ghost War ist ein großer Spionagethriller mit echtem Blockbuster-Anspruch, diesmal aber mit einer Figur, die man über dreißig Stunden Fernsehen kennen und schätzen gelernt hat. Krasinski hat das Drehbuch mitgeschrieben und produziert, und das allein macht klar, dass das hier kein Pflichtprogramm werden soll.













































