The Testaments und 9 weitere Spin-offs, die mit dem Original mithalten können

The Testaments und 9 weitere Spin-offs, die mit dem Original mithalten können

Nora Henze
Nora Henze

Veröffentlicht am 09. Mai 2026

Aktualisiert am 09. Mai 2026

Es gibt Serienwelten, die nach ihrem Ende nicht einfach leise aus dem Raum gehen. Sie bleiben da, weil ihr Ton, ihre Figuren oder ihre ganze Atmosphäre noch zu viel Restspannung haben, um sie einfach abzuschließen. Genau deshalb ist ein Spin-off immer ein riskantes Spiel. Es kann wie ein Nachklapp wirken, wie ein nervöses „noch mal dasselbe“, oder plötzlich zeigen, dass in dieser Welt sehr wohl noch eine andere, eigene Geschichte steckt. 

The Testaments ist gerade das beste Beispiel dafür, weil die Serie nicht nur an The Handmaid’s Tale andockt, sondern dessen Blickwinkel verschiebt. Solche Glücksfälle sind seltener, als man im Franchise-Zeitalter gern behauptet. Ein Ableger muss nicht bloß vertraut sein. Er muss sich das eigene Gewicht erst verdienen. Wenn das gelingt, passiert etwas Schönes: Dann fühlt sich ein Spin-off nicht wie Verwertung an, sondern wie die seltene zweite Chance, die eine Serienwelt wirklich verdient hat.

Jahre nach The Handmaid’s Tale richtet The Testaments den Blick auf eine jüngere Generation in Gilead und auf Frauen, die sich demselben System aus sehr verschiedenen Richtungen nähern. Das ist klug, weil die Serie gar nicht erst so tut, als könnte sie noch einmal exakt dieselbe Wucht herstellen wie die Mutterserie in ihren stärksten Momenten. Stattdessen wird der Ton etwas beweglicher, manchmal sogar unruhiger, weil hier mehr in Fluss gerät. Das Beklemmende bleibt, aber es sitzt anders. The Handmaid’s Tale arbeitete oft mit Erstarrung, mit dem Gefühl, dass schon der nächste Atemzug kontrolliert wird. The Testaments lebt stärker von Reibung, von heimlichen Verschiebungen, von jungen Frauen, die lernen, wie Macht überhaupt aussieht, bevor sie beginnen, sie zu unterlaufen. Gerade dadurch wirkt das Spin-off nicht wie ein müder Nachsatz, sondern wie eine eigenständige Fortsetzung mit frischerem Puls.

02

Better Call Saul
Am Anfang ist Jimmy McGill nur ein Anwalt, der sich irgendwie nach oben kämpfen will und dabei ständig so aussieht, als würde er sich selbst im letzten Moment noch austricksen. Genau darin liegt der Sog von Better Call Saul. Die Serie nimmt einen Charakter aus Breaking Bad, der dort oft wie ein schillernder Trickser wirkte, und macht aus ihr eine der traurigsten Abwärtsspiralen des modernen Fernsehens. Das Beeindruckende daran ist die Geduld. Hier knallt nicht in jeder Folge alles auseinander. Stattdessen schaut man jemandem dabei zu, wie er sich Zentimeter für Zentimeter von dem Menschen entfernt, der er einmal gern gewesen wäre. Breaking Bad hatte etwas Kaltes, Explosives, fast schon Katastrophisches. Better Call Saul ist leiser und tut gerade deshalb oft mehr weh. Es beobachtet genauer, hört besser hin und lässt moralische Erosion nicht wie Plot, sondern wie Charakter wirken. Das ist kein kleiner Unterschied, sondern der Grund, warum diese Serie so groß ist.

03

Generation V
An der Godolkin University sollen junge Superheldinnen und Superhelden zu den nächsten Stars geformt werden. Natürlich geht es auch hier um Macht, Vermarktung und monströse Entgleisungen, schließlich kommt Generation V direkt aus der Welt von The Boys. Nur fühlt sich das Ganze enger an, klebriger, körperlicher. Wo The Boys oft mit dem großen satirischen Flammenwerfer durchs System geht, hat dieses Spin-off mehr Lust auf die unschöne Nahaufnahme. Das ist ein echter Gewinn, weil die Grausamkeit hier nicht bloß Schlagzeile oder Pointe ist, sondern in Freundschaften, Konkurrenz und Scham hineinkriecht. Die Uni-Idee klingt erst einmal nach einem kleineren Ableger, fast nach Nebenbühne. In Wahrheit macht sie die Serie konzentrierter. Gen V muss nicht dauernd die ganze Welt abreißen, um Druck zu erzeugen. Es reicht schon ein Hörsaal, ein Wohnheimzimmer oder ein Labor, in dem langsam klar wird, wie wenig Kontrolle diese Charaktere über das haben, was aus ihnen gemacht wurde.

04

Young Sheldon
Der Trick von Young Sheldon ist, dass die Serie sehr schnell begreift, was sie gerade nicht sein sollte. Statt einfach nur eine Kinderversion von The Big Bang Theory zu basteln, erzählt sie vom Leben einer texanischen Familie, in die dieser hochbegabte, sozial komplett querstehende Junge hineingeworfen ist. Dadurch wird Sheldon plötzlich nicht nur zur Gagmaschine, sondern zum Teil eines echten Haushalts mit Streit, Überforderung, Stolz, Eifersucht und sehr viel Liebe, die nicht immer geschniegelt daherkommt. Das tut dieser Figur enorm gut. The Big Bang Theory lebte vom Rhythmus, von schnellen Pointen und von einem Ensemble, das sich permanent gegenseitig hochschaukelte. Young Sheldon lässt seine Szenen häufiger atmen und entdeckt genau dort seine Stärke. Die Serie ist wärmer, manchmal trauriger, oft klüger, als man auf den ersten Blick denkt. Und sie versteht, dass kleine familiäre Kränkungen manchmal mehr nachhallen als der lauteste Lacher im Studio.

05

Xena
Xena

Xena

1995

Xena tauchte zuerst in Hercules auf, aber schon dort hatte die Figur etwas, das sich nicht mit einem Gastauftritt zufriedengeben wollte. In ihrer eigenen Serie wird daraus dann eine dieser seltenen TV-Figuren, die gleichzeitig pulpig, witzig, düster und emotional aufgeladen sein können. Xena ist großartig darin, Abenteuerlust mit innerer Zerrissenheit zu verbinden. Da läuft eine Frau durch eine mythologische Welt, schlägt Dämonen, Kriegsherren und Göttern die Zähne ein und trägt trotzdem ununterbrochen ihre Schuldgeschichte mit sich herum. Genau das macht sie stärker als Hercules, das oft leichter, glatter und klassischer gebaut war. Xena hat mehr Reibung, mehr Pathos im besten Sinn, mehr Lust auf moralischen Schmutz. Die Serie ist wild, manchmal herrlich überdreht und zugleich viel ernster, wenn es um Reue, Bindung und Selbstbild geht. Gerade diese Mischung hat sie bis heute überleben lassen.
Die Serie erzählt, wie die junge Charlotte an den Hof kommt, George heiratet und in ein System gerät, das sie zugleich bewundert und verschlingt. Dass Queen Charlotte: Eine Bridgerton-Geschichte ausgerechnet aus Bridgerton hervorgeht, ist ein Glücksfall, weil das Spin-off den dekorativen Reiz der Mutterserie behält, aber emotional sehr viel tiefer sticht. Hier geht es nicht nur um Funkenflug und höfische Spiele, sondern um zwei Menschen, die in einer großen, glitzernden Maschine landen und dort irgendwie eine echte Beziehung retten müssen. Das gibt der Serie eine Schwere, die Bridgerton oft bewusst umschifft. Sie ist romantisch, ja, aber nicht geschniegelt. Schmerz, Pflicht und Sehnsucht haben hier mehr Gewicht, und gerade deshalb wirkt die Liebe nicht wie hübsche Behauptung, sondern wie etwas, das wirklich errungen werden muss. Dass der Stoff dabei trotzdem opulent bleibt, macht ihn nur umso besser.
Schon lange vor den Ereignissen von Game of Thrones beginnt in House of the Dragon der Machtkampf innerhalb der Familie Targaryen. Im Zentrum steht keine weit verzweigte Welt, sondern ein enges Geflecht aus Beziehungen, in dem jede persönliche Kränkung früher oder später politisch wird. Der Streit um die Nachfolge des Königs zieht sich über Jahre, weil ein Anspruch nie vollständig anerkannt wird und jede scheinbar ruhige Phase den nächsten Konflikt bereits vorbereitet. Während Game of Thrones seine Wucht oft aus der Größe seiner Welt und der Vielzahl gleichzeitiger Konflikte bezieht, konzentriert sich dieses Spin-off auf wenige zentrale Beziehungen und lässt deren Entscheidungen stärker nachwirken. Viele sehen die Serie nicht auf einer Stufe mit den stärksten Jahren von Game of Thrones, und genau diese Diskussion gehört zu ihr dazu. Gleichzeitig lässt sich kaum übersehen, dass sie nicht wie ein bloßer Nachzügler wirkt, sondern einen eigenen Rhythmus entwickelt und den Konflikt so lange verdichtet, bis aus persönlichen Verletzungen politische Bruchlinien werden.

08

The Originals
Aus Vampire Diaries kannte man die Mikaelsons schon als charismatische Problemverursacher mit Hang zur Katastrophe. The Originals nimmt diese Familie und setzt sie in New Orleans in ein Machtgefüge, das sofort schwerer, älter und giftiger wirkt als der Teen-Drama-Puls der Mutterserie. Das tut dem Stoff enorm gut. Klaus, Elijah und Rebekah funktionieren hier nicht mehr nur als aufregende Chaosgeneratoren, sondern als Figuren, die an Jahrhunderten von Kränkung, Liebe und toxischer Loyalität schleppen. Die Serie hat mehr Dunkelheit, aber auch mehr Gravitas. Vampire Diaries konnte wahnsinnig unterhaltsam sein, keine Frage, nur war dort vieles in ständiger Bewegung. The Originals gräbt tiefer, bleibt länger in Verletzungen stehen und lässt Familienbande wie etwas zugleich Heiliges und Verheerendes wirken. Genau diese Mischung aus Oper, Gift und Geschwisterkrieg macht das Spin-off so stark. Man schaut nicht bloß wegen der Intrigen weiter, sondern weil diese Familie ein einziger offener Nerv ist.
Angel verlässt Buffy – Im Bann der Dämonen und landet in Los Angeles, wo er fortan versucht, den Hilflosen zu helfen und dabei seine eigene Vergangenheit irgendwie mit sich auszuhalten. Das ist die nüchterne Fassung. Die bessere lautet: Angel nimmt eine Figur, die in Buffy stark mit Sehnsucht und Romantik aufgeladen war, und wirft sie in eine Serie, die viel erwachsener über Schuld spricht. Los Angeles ist hier nicht bloß Kulisse, sondern ein Moloch aus Verführung, Geschäft, Oberflächen und moralischer Verwahrlosung. Das passt perfekt zu einer Figur, die ständig damit ringt, ob Erlösung überhaupt mehr sein kann als ein hübscher Gedanke. Buffy war klug, witzig und emotional enorm beweglich. Angel ist rauer, trauriger und in seinen besten Momenten fast existenziell. Gerade dadurch gewinnt die Serie ihren eigenen Ton. Sie wirkt nicht wie ein kleiner Bruder, sondern wie die Nachtseite derselben Welt.

10

The Mandalorian
Ein Kopfgeldjäger nimmt einen Auftrag an und entscheidet sich im falschen Moment dagegen, ihn zu Ende zu bringen. Damit verschiebt sich in The Mandalorian alles. Aus einer klaren Mission wird eine Reise, die von Begegnungen, Umwegen und Entscheidungen lebt, die nicht geplant waren. Die Serie bewegt sich innerhalb des Star Wars-Universums, löst sich aber früh von dessen großen Konfliktlinien und konzentriert sich auf kleinere, abgeschlossene Geschichten, die sich langsam zu etwas Größerem verbinden. Din Djarin ist kein Held, der sich entwickeln will, sondern jemand, der sich über Regeln definiert und erst nach und nach merkt, dass diese Regeln nicht ausreichen, um jede Situation zu lösen. Während die Hauptreihe von Star Wars oft auf Schicksal, Blutlinien und große Schlachten setzt, arbeitet dieses Spin-off mit Nähe, mit einzelnen Begegnungen und mit Momenten, in denen sich Loyalität erst beweisen muss. Nicht alle sehen darin eine „bessere“ Version von Star Wars, aber viele empfinden gerade diese Reduktion als Stärke.

Über diese Liste

Titel

10

Gesamtkosten fürs Ansehen

72,88 €

Gesamtlaufzeit

409h 29min

Genres

Drama, Science-Fiction, Action & Abenteuer

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Auf dieser Liste befinden sich 10 Titel und du kannst 4 von ihnen auf Disney Plus anschauen. 12 weitere Streamingdienste haben aktuell ebenfalls einige der Titel im Angebot.

  1. 4 Titel Disney Plus
  2. 3 Titel Netflix
  3. 3 Titel Netflix Standard with Ads
  4. 3 Titel HBO Max
  5. 3 Titel HBO Max Amazon Channel