Klage statt Popcorn: The Rip und 7 weitere Filme und Serien, die angeblich zu nah an echten Menschen waren

Klage statt Popcorn: The Rip und 7 weitere Filme und Serien, die angeblich zu nah an echten Menschen waren

Nora Henze
Nora Henze

Veröffentlicht am 13. Mai 2026

Aktualisiert am 13. Mai 2026

Zwei Polizisten aus Miami haben im Mai 2026 eine Klage gegen die Produktionsfirma von Matt Damon und Ben Affleck eingereicht - weil The Rip angeblich zu viele Details aus einem echten Fall von 2016 enthält, um noch als reine Fiktion durchzugehen. Das klingt wie eine Kuriosität, ist aber eine Hollywood-Tradition, die mindestens bis in die 1930er Jahre zurückreicht und einen Disclaimer erfunden hat, den heute jeder kennt: „Alle Personen sind fiktiv." Dieser Satz existiert, weil er damals nicht geholfen hat. Diese Liste versammelt acht Filme, bei denen reale Menschen auf der Leinwand etwas sahen, das ihnen sehr bekannt vorkam – und dann einen Anwalt anriefen.

The Rip
The Rip

The Rip

2026

Am 29. Juni 2016 fanden Beamte der Miami-Dade-Polizei hinter einer Falschverkleidung in einem Haus in Miami Lakes mehr als 21 Millionen Dollar in orangefarbenen Fünf-Gallonen-Eimern - der größte Bargeld-Fund in der Geschichte des Departments. Sergeant Jason Smith leitete das Team, Deputy Jonathan Santana führte die Ermittlung. Knapp zehn Jahre später erschien The Rip auf Netflix: ein Thriller von Joe Carnahan, in dem Matt Damon und Ben Affleck zwei Cops spielen, die bei einem Einsatz Kartellgeld in einem Haus finden, in orangefarbenen Eimern. Smith und Santana reichten am 6. Mai 2026 Klage ein. Sie stehen nicht im Film, ihre Namen tauchen nicht auf, aber ihre Kollegen fragten sie nach dem Start des Films, wie viele Eimer sie behalten hätten. Ein Staatsanwalt kündigte an, den Fall zu prüfen. Die Produktionsfirma Artists Equity, die Damon und Affleck gemeinsam gehört, hatte einen Unterlassungsaufforderung der Anwälte im Dezember 2025 erhalten und erst nach dem Filmstart geantwortet: Die Bedenken seien unbegründet. Der Fall läuft.
Rasputin: Der Dämon Rußlands

1932

Der älteste Fall auf dieser Liste hat auch die weitreichendsten Konsequenzen hinterlassen. MGM produzierte 1932 ein opulentes Historiendrama über den Aufstieg und Fall des russischen Wundermönchs Rasputin, besetzt mit allen drei Geschwistern der legendären Barrymore-Dynastie. Prinzessin Irina Alexandrowna Romanowa, Nichte des letzten Zaren und Ehefrau von Fürst Felix Jussupow, erkannte sich in der Figur der Prinzessin Natascha wieder – und zwar in einer Szene, die andeutete, Rasputin habe sie vergewaltigt. In Wirklichkeit war das nie geschehen, und die Prinzessin klagte. MGM verlor den Prozess in London und zahlte umgerechnet fast eine Million Dollar, als alle Folgeklagen von anderen Adligen der Zeit mitgerechnet wurden. Die eigentliche Nachwirkung aber war eine andere: Hollywood führte danach den Standard-Disclaimer ein, der bis heute vor jedem Spielfilm erscheint. „Alle Personen sind fiktiv und jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen ist rein zufällig." Rasputin - Der Dämon Rosslands hat diesen Satz in die Welt gesetzt. Geholfen hat er seitdem nicht immer.
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Jerry Heller war Manager von N.W.A, dem Rap-Kollektiv, das Ende der 1980er Jahre die Musikwelt erschütterte, und er war es, der die Gruppe erst groß machte, bevor der Streit ums Geld alles zerstörte. Als Straight Outta Compton 2015 die Geschichte von N.W.A auf die Leinwand brachte, sah Heller sich als gieriger, ausbeuterischer Hintermann dargestellt, der seine Künstler systematisch betrog. Er reichte eine Klage über 110 Millionen Dollar ein und bestand darauf, dass der Film ein verzerrtes Bild seiner Rolle zeichne. Heller starb im September 2016, bevor der Fall je vor Gericht kam; die Klage wurde danach von seinen Erben fallen gelassen. Was bleibt, ist ein Film, der bis heute als eine der kraftvollsten Musikbiografien überhaupt gilt – und die Frage, wie viel von dem, was auf der Leinwand als Wahrheit präsentiert wird, tatsächlich eine ist. Straight Outta Compton hat diese Frage nie vollständig beantwortet, und das Verfahren auch nicht.
Sergeant Jeffrey Sarver behauptete, Kathryn Bigelows Oscar-prämierter Kriegsfilm über eine Bombenentschärfungseinheit im Irak basiere auf seiner Geschichte - auf seinen Methoden, seiner Persönlichkeit, sogar auf seinen Worten. Er klagte auf Schadensersatz und Anerkennung als Urheber. Das Gericht sah das anders. Nicht nur verlor Sarver den Fall vollständig, er wurde auch dazu verurteilt, die Anwaltskosten der Gegenseite zu tragen: 187.000 Dollar. Tödliches Kommando – The Hurt Locker ist damit der einzige Film auf dieser Liste, bei dem der Kläger am Ende tiefer in der Kreide stand als vorher. Bigelow und Drehbuchautor Mark Boal hatten für den Film mit mehreren Soldaten gesprochen und machten geltend, die Hauptfigur sei eine Komposition aus verschiedenen realen Vorbildern. Das Gericht folgte dieser Argumentation. Sarver hatte argumentiert, dass ein Journalist, der Boal beim Recherchieren begleitet hatte, ihn als zentrale Inspiration dokumentiert habe. Es reichte nicht.
Was Paul Greengrass über die Entführung des Containerschiffs Maersk Alabama durch somalische Piraten im Jahr 2009 erzählt, ist packend, preisgekrönt und nach Aussage der echten Besatzung in einem entscheidenden Punkt falsch. Tom Hanks spielt Kapitän Richard Phillips als besonnenen Helden, der sich für seine Crew opfert. Genau das, sagen elf Mitglieder der echten Besatzung, sei er nicht gewesen. Sie verklagten die Reederei und warfen Phillips vor, trotz Warnungen eine bekannte Piratenroute gefahren zu sein und ihre Leben unnötig in Gefahr gebracht zu haben. Captain Phillips stand nicht direkt im Mittelpunkt des Verfahrens, aber der Film hatte das Bild eines Mannes zementiert, das seine ehemaligen Kollegen für eine Lüge hielten. Phillips selbst hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Der Fall endete außergerichtlich, die Bedingungen wurden nie öffentlich gemacht, was bedeutet, dass bis heute niemand genau weiß, was hier wirklich stimmte.
Ein Toupet zu tragen ist keine Straftat. Zum Problem wurde es für Andrew Greene, weil Martin Scorsese in The Wolf of Wall Street eine Nebenfigur namens Nicky „Rugrat" Bilello eingebaut hatte - einen Broker mit schlechtem Haarersatz, einer Drogenproblematik und dem Ruf, Prostituierte aufzusuchen. Greene, ehemaliger Mitarbeiter von Jordan Belfort, behauptete, das sei eindeutig er: gleicher Spitzname in der Firma, gleiches Toupet, gleiche Position. Er klagte auf Schadensersatz wegen Verleumdung. Das Gericht wies die Klage ab, mit der Begründung, ein vernünftiger Zuschauer würde die Figur nicht zwingend mit Greene in Verbindung bringen. Greene sah das naturgemäß anders und legte Berufung ein, scheiterte aber auch dort. Was der Fall zeigt, ist die eigentliche Logik hinter allen Klagen auf dieser Liste: Wer sich erkennt, ist überzeugt, dass alle anderen das auch tun.
Hustlers
Hustlers

Hustlers

2019

Der New-Yorker-Artikel, auf dem Hustlers basiert, war bereits ein Skandal, bevor der Film überhaupt gedreht wurde. Lorene Scafaria verfilmte die Geschichte einer Gruppe von Stripperinnen, die nach der Finanzkrise ihre Wall-Street-Kunden mit K.O.-Tropfen betäubten und ausraubten - und eine der realen Frauen hinter dieser Geschichte, Samantha Barbash, weigerte sich, die Rechte an ihrer Geschichte zu verkaufen. Sie bekam auch kein Geld. Trotzdem erkannte sie sich in der von Jennifer Lopez gespielten Figur der Ramona Vega wieder und klagte auf Schadensersatz, weil sie ohne Erlaubnis dargestellt worden sei. Das Gericht wies die Klage ab. Lopez gewann für ihre Rolle eine Golden-Globe-Nominierung und beinahe eine Oscar-Nominierung. Barbash gewann nichts. Dass ausgerechnet ein Film über Frauen, die das System zu ihren Gunsten drehen, am Ende eine der realen Frauen dahinter leer ausgehen ließ, ist eine Pointe, die das Drehbuch selbst nicht hätte besser schreiben können.
In der fünften Episode der Netflix-Miniserie Das Damengambit sagt ein Kommentator, die fiktive Schachspielerin Beth Harmon sei die erste Frau, die an einem bestimmten Turnier teilnehme  und fügt hinzu, dass die sowjetischen Großmeister nie gegen eine Frau gespielt hätten. Nona Gaprindashvili, echte georgische Schachlegende und tatsächliche Weltmeisterin der 1960er und 70er Jahre, hatte zu diesem Zeitpunkt bereits gegen mehr als fünfzig Männer auf diesem Niveau gespielt. Sie klagte gegen Netflix wegen dieser einen Zeile und hatte damit zunächst Erfolg. Ein Bundesgericht in Los Angeles ließ die Klage zu. Netflix argumentierte, es handle sich um eine fiktive Serie, in der fiktive Fakten selbstverständlich seien. Gaprindashvili argumentierte, dass ihr realer Name in einer fiktiven Aussage verwendet wurde, die nachweislich falsch ist. Der Fall endete 2022 mit einem außergerichtlichen Vergleich. Worum es dabei ging, was Netflix zahlte oder ob überhaupt: unbekannt.

Über diese Liste

Titel

8

Gesamtkosten fürs Ansehen

16,95 €

Gesamtlaufzeit

22h 8min

Genres

Drama, Krimi, Mystery & Thriller

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Auf dieser Liste befinden sich 8 Titel und du kannst 2 von ihnen auf Netflix anschauen. 7 weitere Streamingdienste haben aktuell ebenfalls einige der Titel im Angebot.

  1. 2 Titel Netflix
  2. 2 Titel Netflix Standard with Ads
  3. 2 Titel BATTLEZONE Amazon Channel
  4. 1 Titel Filmtastic Amazon Channel
  5. 1 Titel Arte