
Bereitet das Ende von „The End of Oak Street“ eine Fortsetzung vor?
Ein Allosaurus tötet Greg, kurz darauf steht er trotzdem wieder vor seiner Familie, und zwei Jahre später scheint das Leben der Platts fast erschreckend normal weiterzugehen. The End of Oak Street (2026) endet damit wesentlich versöhnlicher, als man es bei einem Film erwarten würde, der eine amerikanische Vorstadt mitsamt ihren Bewohnern in die Kreidezeit schleudert. David Robert Mitchell setzt sogar einen Epilog hinter das Dino-Chaos: Denise hat ein Buch geschrieben, Audrey studiert an ihrer Wunschuniversität und die Familie sitzt wieder gemeinsam am Tisch. Nur hat der Weg zu diesem Happy End die Zeitlinie so gründlich durcheinandergebracht, dass eine Fortsetzung keineswegs bei null anfangen müsste. Offiziell angekündigt ist bislang zwar nichts, doch der Film hinterlässt gleich mehrere Türen, die sich noch einmal öffnen ließen.
Achtung, Spoiler zu „The End of Oak Street“
Greg ist zurück, aber es ist nicht derselbe Greg
Greg Platt (Ewan McGregor) überlebt das Abenteuer nicht. Nachdem ein Allosaurus ihm ein Bein abgerissen hat, opfert er sich schließlich, damit Denise Platt (Anne Hathaway), Tochter Audrey (Maisy Stella), Sohn Brian (Christian Convery) und ihre Nachbarin Jeannette (Jordan Alexa Davis) entkommen können. Als die Gruppe wenig später ein weiteres Wurmloch erreicht, führt es allerdings nicht einfach zurück in die Gegenwart. Stattdessen landen alle ungefähr zwanzig Minuten vor dem Ereignis, durch das Oak Street überhaupt erst in der Kreidezeit verschwand. Denise bekommt dadurch die Möglichkeit, die Vergangenheit zu verändern, und nutzt sie vor allem, um Greg rechtzeitig aus der Straße zu locken. Eine Pizza-Bestellung sorgt dafür, dass er nicht zu Hause ist, als die Katastrophe erneut beginnt. Damit lebt Greg am Ende zwar wieder, doch Denise kehrt nicht zu dem Mann zurück, der mit ihr gegen Dinosaurier gekämpft und für die Familie sein Leben gegeben hat. Dieser Greg ist tot, während seine frühere Version von all dem überhaupt nichts weiß.

Der Film behandelt diesen Unterschied im Epilog auffallend gelassen. Für Denise dürfte sich jedoch vieles verändert haben, denn sie hat ihre Ehe erst durch ein Erlebnis neu bewertet, das Greg nie mit ihr geteilt hat. Sollte Mitchell die Platts tatsächlich zurückbringen, müsste ein zweiter Film deshalb nicht einmal sofort das nächste Monster aus einem Wurmloch holen. Die Beziehung selbst trägt bereits eine ziemlich seltsame Zeitreise-Narbe.
Die doppelte Jeannette macht das Happy End erst richtig kompliziert
Noch deutlicher zeigt Jeannettes Geschichte, dass die Vergangenheit nicht einfach überschrieben wurde. Nachdem die Überlebenden zurückgekehrt sind, läuft sie zu ihren Eltern, während Denise versucht, ihre eigene Familie von der Oak Street fernzuhalten. Zwei Jahre später sehen wir Jeannette wieder, doch daraus folgt zwangsläufig, dass ihre frühere Version ebenfalls noch existiert. Die Zeitreisende hat ihren jüngeren Doppelgänger offenbar nicht ersetzt. Damit wird aus einem vermeintlich kleinen Detail ein wesentlich größeres Problem, denn wenn für Jeannette zwei Versionen existieren können, muss dasselbe auch für Denise, Audrey und Brian gelten. Ihre früheren Ichs befinden sich zwanzig Minuten vor dem ersten Zeitsprung noch immer in Oak Street und dürften erneut zusammen mit dem Viertel in die Kreidezeit geschleudert werden.

Dieses Mal wäre Greg allerdings nicht bei ihnen, weil Denise ihn gerade vor der Katastrophe gerettet hatte. Der Mann, der beim ersten Durchlauf entscheidend dazu beitrug, dass seine Familie überhaupt so lange überlebte, fehlt also ausgerechnet in dieser neuen Variante der Ereignisse. Was anschließend mit der zweiten Denise und ihren Kindern geschieht, lässt der Film vollständig offen. Sollte eine Fortsetzung direkt an die erste Geschichte anschließen, wäre diese verlorene Familie vermutlich der spannendste Ansatz.
Der Epilog schließt vieles ab, nur das Wurmloch nicht
Eigentlich tut The End of Oak Street einiges dafür, nach diesem Zeitreise-Knoten einen Schlussstrich zu ziehen. Zwei Jahre später hat Denise ihre Erlebnisse in einem Buch verarbeitet, das ebenfalls The End of Oak Street heißt, während Audrey inzwischen an der Cornell University studiert. Das passt zu ihrer schon zuvor etablierten Begeisterung für den Astronomen Carl Sagan, der lange an Cornell lehrte, und gibt ihrer Geschichte einen kleinen, sehr persönlichen Abschluss. Auch die Dinosaurier dienen nicht als offensichtlicher Aufhänger für eine Fortsetzung. Einige Tiere sterben, andere geraten unter die Kontrolle des Militärs und werden untersucht. Der Film endet also nicht mit einer Welt, in der Menschen plötzlich dauerhaft neben prähistorischen Arten leben.

Unerklärt bleibt allerdings das Phänomen, das all das überhaupt ausgelöst hat. Niemand weiß, weshalb das Wurmloch entstand oder warum es Oak Street mit der Kreidezeit verband. Mitchell könnte deshalb erneut auf dieselbe Idee zurückgreifen, ohne die erste Geschichte rückgängig machen zu müssen: Ein weiteres Wurmloch könnte einen anderen Ort treffen, eine völlig andere Epoche öffnen oder die Platts mit den Folgen ihrer eigenen Eingriffe in die Vergangenheit konfrontieren.
Eine Fortsetzung ist bisher nicht angekündigt
Bisher gibt es keine offizielle Ankündigung für The End of Oak Street 2, und auch nach dem Abspann wartet keine zusätzliche Szene, die bereits einen neuen Konflikt vorbereitet. Der Film kann daher problemlos als abgeschlossene Geschichte stehen bleiben.
Trotzdem erinnert die Grundidee ein wenig an Cloverfield (2008), wo unterschiedliche Geschichten über ein gemeinsames außergewöhnliches Konzept miteinander verbunden wurden. Produzent J.J. Abrams hat zwar klargestellt, dass The End of Oak Street nicht zu diesem Universum gehört, doch ein ähnliches Modell wäre durchaus denkbar.
Vielleicht kehrt deshalb niemals jemand nach Oak Street zurück. Wenn es doch passiert, müsste Mitchell allerdings keinen neuen Sequel-Haken erfinden: Zwei Jeannettes, eine womöglich noch immer in der Kreidezeit festsitzende zweite Familie Platt und ein Wurmloch ohne Erklärung liegen bereits mitten auf der Straße.













