
Dieser Comicfilm-Reboot findet bei Prime Video gerade ein neues Publikum
Dass das Original aus dem Jahr 1994 längst als Klassiker und popkulturelles Phänomen gilt, ist etabliert. Für den Reboot aus dem Jahr 2024 mit Bill Skarsgård und FKA twigs ist das weniger zu behaupten. Doch jetzt findet „The Crow“ ein ganz neues Publikum.
Im Kino floppte The Crow (2024) so spektakulär, dass selbst Original-Regisseur Alex Proyas öffentlich nachtrat: „Ich dachte, das Remake sei eine zynische Geldmacherei. Sieht aus, als gäbe es nicht viel Geld zu machen.“ Nun aber ist die Skarsgård-Variante in den deutschen Streaming-Charts auf Amazon Prime Video unerwartet nach oben geklettert. Ein Muster, das man in den vergangenen Jahren immer wieder beobachten kann: Filme, die im Kino aus verschiedenen Gründen gescheitert sind, finden ihr Publikum erst im Streaming.
Rupert Sanders, der zuvor Snow White and the Huntsman (2012) und Ghost in the Shell (2017) inszeniert hatte, brachte seine Crow-Neuverfilmung im August 2024 in die Kinos. Mit Bill Skarsgård als Eric und FKA Twigs als Shelly. Danny Huston spielt den Antagonisten Vincent Roeg, das Drehbuch stammt von Zach Baylin und William Schneider.
Sanders hatte vorab betont, sein Film sei kein Remake der 94er-Verfilmung, sondern eine eigenständige Adaption von James O'Barrs Comic aus dem Jahr 1989. Mit 22 Prozent auf Rotten Tomatoes und einem Einspielergebnis weit unter dem Budget war der Film ein klarer Kassenflop.
Für viele Fans des Ur-Films waren schon die Fortsetzungen eine Art Frevel: Wie soll man ein Meisterwerk mit einem so tragischen Hintergrund noch toppen? Schließlich überschattet der Tod von Brandon Lee die Geschichte des Originals bis heute. Viele blieben dem Kino schon allein deshalb fern. Und so richtig happy waren offenbar auch nicht alle Mitwirkenden. Bill Skarsgård deutete selbst an, dass er nicht hundertprozentig glücklich mit dem Film war – vor allem das Ende habe ihm nicht gefallen.
In den USA war The Crow Anfang 2025 die Nummer eins im Pay-TV, in Deutschland läuft er aktuell auf Amazon Prime Video und steht in den Streaming-Charts deutlich höher, als seine Kinoperformanz vermuten lassen würde.
Der Grund ist keine plötzliche Neubewertung. Es ist ein Mechanismus, der seit Jahren zu beobachten ist: Filme, die im Kino keine Anziehungskraft entwickeln, weil sie sich nicht eindeutig als Event-Kino verkaufen lassen, finden im Streaming ein Publikum, das anders entscheidet. Nicht viele zahlen 15 Euro Eintritt für einen Film, den die Kritik zerrissen hat. Aber wer ein Abo hat, klickt gern auf den Titel, von dem viele vor Jahren gesprochen haben.
Die deutlich bessere Zuschauerbewertung gegenüber den Kritiken deutet zudem an, dass das Publikum den Film weniger streng beurteilt.
Hope Lost, ein italienischer Thriller von David Petrucci mit Mischa Barton, Michael Madsen und Danny Trejo, ist ein anderes Beispiel für einen Film, der lange unter dem Radar lag und gerade wieder hochgestiegen ist.
Der Streifen erzählt die Geschichte einer jungen Rumänin, die unter dem Vorwand einer Filmrolle nach Rom gelockt und dort zur Prostitution gezwungen wird. Schwerer Stoff, der bei seinem Kinostart kaum Aufmerksamkeit fand und jetzt durch Streaming neue Zuschauer findet.
The Fall Guy von David Leitch mit Ryan Gosling und Emily Blunt wurde von der Kritik gefeiert, im Kino aber nur halbherzig angenommen und schloss als Verlustgeschäft ab.
Im Streaming läuft der Film seitdem konstant in den oberen Chart-Regionen.
Kaum ein Film auf dieser Liste steht so exemplarisch für dieses Phänomen wie Blade Runner 2049. Denis Villeneuves Fortsetzung von Ridley Scotts Klassiker aus dem Jahr 1982 erntete von der Kritik Bestnoten, gewann zwei Oscars (Beste Kamera für Roger Deakins, Beste visuelle Effekte) – und floppte im Kino so deutlich, dass Branchenmedien von einem Verlust in zweistelliger Millionenhöhe für das Studio sprachen. Im Streaming hat sich der Film seitdem zu einer Referenz für Sci-Fi-Liebhaber entwickelt, deutlich vor dem Original.
Encanto (2021) dürfte der extremste Fall auf dieser Liste sein. Der Disney-Animationsfilm von Byron Howard und Jared Bush startete im Kino unter den Erwartungen – und das hatte sicherlich auch mit der Pandemie zu tun.
Erst nach dem Streaming-Start, als der Lin-Manuel-Miranda-Song We Don't Talk About Bruno via TikTok zum globalen Viral-Hit wurde, kippte auch die Wahrnehmung. Der Song erreichte Platz 1 der Billboard Hot 100, der Film wurde doch zum Hit. Heute gilt Encanto als einer der wichtigsten Disney-Filme der 2020er.
















































