Zu heftig! Diese Comic-Szenen schafften es nicht in „The Boys“

Zu heftig! Diese Comic-Szenen schafften es nicht in „The Boys“

Markus Brandstetter
Markus Brandstetter

Veröffentlicht am 20. Mai 2026

Aktualisiert am 21. Mai 2026

The Boys gilt seit der ersten Staffel als eine der brutalsten Superheldenserien, die je produziert wurden. Die Serie zeigt aufplatzende Körper, Gewalt, abgetrennte Gliedmaßen und mehr Blut, als andere Serien in 10 Staffeln verbrauchen. Und trotzdem wirkt sie an manchen Stellen fast zurückhaltend, wenn man die Comicvorlage von Garth Ennis und Darick Robertson kennt. 

Amazon Prime Video hat bei der Adaption nicht aus Feigheit gezügelt, sondern weil einige Momente auf dem Bildschirm kaum noch wie Satire gewirkt hätten, sondern nur noch wie Provokation um der Provokation willen. Ein Blick darauf, was die Serie bewusst weggelassen hat und warum das manchmal die klügere Entscheidung war.

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Black Noir: Der Twist, der Homelander überflüssig gemacht hätte

In der Serie ist Black Noir eine eigenständige Person mit eigener Geschichte. Im Comic ist er etwas grundlegend Anderes: ein Klon von Homelander, den Vought als Absicherung erschaffen hat, um Homelander notfalls töten zu können. Da er diesen Zweck nie erfüllen darf, beginnt Noir, im Kostüm seines Originals Gräueltaten zu begehen – darunter die Vergewaltigung von Becca Butcher und der Mord an einem Baby – nur damit Vought irgendwann die Genehmigung erteilt, Homelander auszuschalten. Showrunner Eric Kripke hat öffentlich erklärt, dass dieser Twist Homelander als Figur deutlich schwächer gemacht hätte, und damit hat er recht. Ein Großteil dessen, was Antony Starr in der Serie so fesselnd macht, wäre mit dieser Comicauflösung nicht möglich gewesen. Die Serie hat hier nicht etwas ausgelassen, weil etwas zu brutal war, sondern weil die Geschichte ohne diesen Twist schlicht stärker ist.

Mother’s Milk: Einer der größten Schwachpunkte der Comics

Ennis ist ein Autor, dem man für vieles Respekt zollen kann. Beim Schreiben schwarzer Figuren zeigt The Boys allerdings deutliche Schwächen. Mother’s Milk ist im Comic der einzige schwarze Mann unter den Boys, und sein Privatleben liest sich stellenweise wie ein besonders grobes Klischee: eine drogenabhängige Ex-Frau, die ihre gemeinsame Tochter Janine in sexuelle Ausbeutung hineinzieht. Was Ennis vermutlich als Kritik an sozialen Missständen gedacht hat, wiederholt in der Praxis genau die Zerrbilder, gegen die der Comic eigentlich antritt, und das ohne jede erzählerische Notwendigkeit. Die Serie hat MM stattdessen als Sozialarbeiter eingeführt, mit einer belasteten, aber glaubwürdigen Beziehung zu Monique und einer emotionalen Tiefe, die weit über seine Funktion als Stimme der Vernunft im Team hinausgeht. Hier hat Amazon nicht nur aus Rücksicht auf das Publikum umgeschrieben, sondern weil die Vorlage an dieser Stelle einfach nicht gut genug war.

Billy Butcher tötet die Boys – und die Comics ziehen es durch

Der härteste Bruch zwischen Comic und Serie betrifft das Finale. Im Comic gewinnen die Boys. Vought ist zerstört, Homelander ist tot, der Plan, Supes in den nationalen Verteidigungsapparat einzugliedern, ist gescheitert. Aber Butcher will mehr: Er will alle Supes ausrotten, auf Kosten ungezählter ziviler Opfer, weil Compound V sich längst in die Umwelt gefressen hat. Als Mother’s Milk, Frenchie und Kimiko ihn aufhalten wollen, tötet er alle drei. Hughie bleibt als Einziger übrig, um ihn zu stoppen. Die Serie hat diesen Weg nie eingeschlagen, und das ist nachvollziehbar: Eine Produktion, die über mehrere Staffeln Bindung an diese Menschen aufgebaut hat, kann einen derart nihilistischen Schluss kaum glaubwürdig durchziehen. Aber genau darin liegt auch die Stärke von Ennis’ Version. Butcher war nie der Held. Die Serie hat das immer angedeutet. Die Comics haben es tatsächlich durchgezogen.

Warum die größten Änderungen der Serie oft die besten waren

Es wäre einfach, die Unterschiede zwischen Vorlage und Adaption als Weichspülen abzutun –  und das wäre außerdem unfair. The Boys als Serie ist in vielerlei Hinsicht präziser als die Comics: pointierter in der politischen Satire und konsequenter in der Entwicklung der zentralen Figuren. Die Serie hat die Vorlage nicht verraten. Sie hat entschieden, was davon wirklich etwas zu sagen hat, und was nur Provokation ohne Ziel ist. Das ist manchmal eine mutige Entscheidung. Und manchmal, wie im Fall von Butchers finalem Verrat an seinen eigenen Leuten, ist es die Entscheidung, die sich einfacher anfühlt – auch wenn die unbequemere die ehrlichere gewesen wäre.

The Boys
The Boys

The Boys

2019

Eine ehrfurchtslose Interpretation dessen, was passiert, wenn Superhelden, die berühmt sind wie Stars, einflussreich sind wie Politiker und verehrt werden wie Götter, ihre Superkräfte missbrauchen, anstatt Gutes zu tun. Die Machtlosen stellen sich gegen die Übermächtigen, als The Boys versuchen, die Wahrheit über "The Seven" und Vought dahinter ans Licht zu bringen.

Über diese Liste

Titel

1

Gesamtkosten fürs Ansehen

8,99 €

Gesamtlaufzeit

41h 20min

Genres

Action & Abenteuer, Drama, Komödien

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