
„The Boys“: Die brutalsten Tode in Staffel 5
Karl Urban von der ersten Minute an viele Tote versprochen. Und dieses Versprechen hat er definitiv eingehalten. The Boys (2019–2026) verabschiedet sich nach 8 Folgen mit einem Leichenberg, der selbst für diese Serie beachtlich ist, und bleibt seinem Prinzip treu: Die meisten Abgänge sind so explizit, dass man kurz wegsehen will.
Über fünf Staffeln hat sich The Boys einen Ruf als brutalste Superhelden-Satire des Fernsehens erarbeitet, und das Finale legt noch einmal nach: explodierende Köpfe, ein Tentakel durch den Schädel, ein Brecheisen im Oval Office. Doch nicht jeder Tod setzt auf Splatter; manche treffen gerade durch ihre Stille.
Wir haben die wichtigsten Todesfälle der finalen Staffel sortiert, vom blutigsten Spektakel bis zum leisesten Abschied. Wer von wem, wie und warum stirbt: Hier die Rangliste nach reiner Brutalität.

1. Oh Father – der Kopf, der von innen platzt
Daveed Diggs’ evangelikaler Vought-Prediger stirbt im Finale auf die wohl spektakulärste Art der Staffel. Als Oh Father seinen Schallschrei aktiviert, presst ihm Mother’s Milk (Laz Alonso) einen Titan-Knebel in den Mund – ein Geschenk seiner Frau Ashley aus derselben Folge.
Die Energie findet keinen Ausgang, der Kopf zerplatzt von innen. Reine The Boys-Mechanik: eine Superkraft, die sich gegen ihren Träger wendet. Diggs spielt die Figur selbstgerecht genug, dass der groteske Abgang fast wie eine Strafe für die Heuchelei wirkt. Einziger Haken: Die Szene rast so schnell vorbei, dass die Knebel-Logik kaum Zeit zum Wirken bekommt. Der Schallschrei ist übrigens eine Serienerfindung und steht so in keinem Comic. Lauter geht ein Tod in dieser Staffel nicht, und passender könnte er kaum sein: Ein Prediger, der seine Stimme zur Waffe machte, erstickt an genau dieser Stimme.
2. The Deep – abserviert von den eigenen Geschöpfen
The Deep (Chace Crawford) trifft im Finale am Strand auf Starlight (Erin Moriarty), die ihn ins Meer schleudert – ausgerechnet dorthin, wo er sich sonst sicher fühlt. Statt Rettung warten die Tiere, die er sein Leben lang missbraucht hat. Eine riesige Tintenfisch-Tentakel stößt ihm durch den Kopf. Die Pointe schreibt sich von selbst: Der selbst ernannte König der Meere wird von genau jenen Kreaturen hingerichtet, die er als Statussymbol behandelt hat.

Schon Folge 6 hatte den Boden bereitet, als Black Noir II eine Pipeline sabotierte und 1,4 Milliarden Fische tötete. Karma, in dieser Serie selten subtil, schlägt hier mit einem Tentakel zurück. Crawford spielt das Entsetzen der letzten Sekunden groß aus. Es ist der grafisch expliziteste Abgang der Staffel, ein blutiges Echo auf den Übergriff aus der allerersten Folge der Serie.
3. Mister Marathon – zerquetscht beim Promi-Poker
Folge 5 inszeniert ein Wiedersehen der drei Supernatural-Stars und lässt zwei davon brutal sterben. Mister Marathon (Jared Padalecki), einst aus der Seven gedrängt, um Platz für A-Train zu machen, lockt Soldier Boy (Jensen Ackles) und Homelander in eine Falle. Als der Plan auffliegt, bringt Soldier Boy den Speedster mit dessen eigenem Körperöl zu Fall und überlässt ihn Homelander, der ihm den Kopf zerquetscht. Wie im Comic endet Marathon mit zerschmettertem Schädel, nur unter gänzlich anderen Vorzeichen.

Dass Soldier Boy sich am Ende doch für seinen Sohn entscheidet, besiegelt Marathons Schicksal. Padalecki und Ackles teilen sich nach Jahren wieder eine Szene – bevor die eine Figur die andere dem Tod überlässt. Fan-Service ohne jeden Rabatt auf die Brutalität. Dass die Serie zwei geliebte Gaststars im selben Atemzug verheizt, in dem sie diese feiert, ist typisch für ihren Zynismus.
4. Firecracker – aufgespießt auf dem Adler
Valorie Currys Figur stirbt ebenfalls in Folge 5, und ihr Tod ist der bitterste Kommentar der Staffel. Nachdem Soldier Boy ihre intimen Gespräche an Homelander verraten hat, stellt dieser sie zur Rede: „Du glaubst nicht an mich.“ Firecracker schwört ihrer alten Kirche ab, erklärt Homelander zu ihrem einzigen Gott, fleht um ihren Platz. Es nützt nichts: Er rammt ihren Kopf in die Flügel einer Adlerstatue und lässt sie dort hängen. Die lauteste Patriotin der Serie stirbt auf dem Wappentier ihres eigenen Mythos.
Curry ringt der Rolle, über Staffeln hinweg als hetzerisch angelegt, in ihren letzten Minuten fast so etwas wie Mitgefühl ab. Ein Lehrstück darüber, dass Unterwerfung niemanden rettet, sobald Homelander Zweifel gewittert hat. Der Tod ist zugleich ein Paradebeispiel für seinen wachsenden Größenwahn: Wer ihn anbetet, ist nur eine Predigt davon entfernt, selbst zum Opfer zu werden.
5. A-Train – das Genick nach dem letzten Lauf
Schon die Auftaktfolge fordert ihr erstes prominentes Opfer. A-Train (Jessie T. Usher), über fünf Staffeln vom arroganten Speedster zum widerwilligen Helden gereift, rettet die Boys aus einem von Voughts Freedom Camps und zieht Homelanders Zorn auf sich. Während der ihn mit Laserstrahlen jagt, weicht A-Train einer Passantin aus, statt sie wie einst Hughies Freundin Robin zu überfahren, und crasht. Homelander holt ihn ein und bricht ihm das Genick.
Der Gegenentwurf zur Pilotfolge: Damals tötete A-Train einen Menschen im Volllauf, diesmal stirbt er, weil er einen verschont. Usher gibt der Figur einen Abgang, der jede frühere Arroganz vergessen lässt. Dass die Serie ihren ersten großen Tod gleich in die Premiere legt, ist eine Ansage: Wiedergutmachung schützt hier so wenig wie Schuld.
6. Black Noir II – abgestochen vom eigenen Kollegen
Der zweite Träger des Noir-Kostüms (Nathan Mitchell) stirbt in Folge 6 durch die Hand seines Vought-Kollegen. Nachdem Black Noir II eine Ölpipeline durchbohrt und damit 1,4 Milliarden Fische getötet hat, eskaliert der längst schwelende Konkurrenzkampf mit The Deep, der ihm eine Klinge in den Hals rammt. Der Tod spiegelt eine alte Vought-Intrige: So wie Soldier Boy einst den ursprünglichen Black Noir aus Neid sabotierte, wiederholt sich das Muster eine Generation später.
Mitchell, der über fünf Staffeln mehrere Noir-Inkarnationen verkörpert hat, bekommt einen Abgang, der mehr über den Täter verrät als über das Opfer. Bei Vought ist Eifersucht tödlicher als jeder äußere Feind, und niemand stirbt unschuldig. Dass The Deep ausgerechnet seinen stummen Kollegen zum Schweigen bringt, ist eine Pointe, die sich die Serie nicht entgehen ließ.
7. Frenchie – der erste Riss in den eigenen Reihen
In Folge 7 fällt mit Frenchie (Tomer Capone) erstmals ein Kernmitglied der Boys. Um Kimiko die Fähigkeit zu verschaffen, Supes zu entmachten, setzt er sich tödlicher Uranstrahlung aus; im Showdown schlitzt Homelander ihn zusätzlich auf. Frenchie stirbt blutend in Kimikos Armen, mit den letzten Worten „Je t'aime. Von Anfang an.“

Showrunner Eric Kripke nannte Frenchie und Kimiko gegenüber dem Hollywood Reporter das emotionale Herz der Serie – und genau das spielt der Tod aus. Kein Spektakel, nur ein langsames Verlöschen, das selbst Butcher aus der Ferne berührt. Ohne dieses Opfer hätte die Gruppe gegen Homelander keine Chance gehabt. Der erste Beweis, dass dieses Mal wirklich niemand sicher ist. Anders als die Splatter-Tode der Staffel lebt dieser Abgang von seiner Stille, und genau das macht ihn schwerer zu ertragen als jeden explodierenden Kopf.
8. Homelander – der lauteste Charakter geht (relativ) leise
Der zentrale Tod der Serie fällt überraschend schlicht aus. Nachdem Kimiko (Karen Fukuhara) ihn mit ihrem Strahlungsblast sterblich gemacht hat, fleht Homelander (Antony Starr) weinend um sein Leben. Butcher (Karl Urban) hört zu, greift zum Brecheisen und treibt es ihm durch den Kopf – jenes Werkzeug, mit dem im Comic Black Noirs Schädel geöffnet wird.

Kein explodierender Kopf, keine groteske Pointe, nur die Wucht von Eisen auf Knochen. Genau diese Nüchternheit macht den Moment endgültig. Starr spielt die letzten Sekunden nicht als Tyrann, sondern als verschrecktes Kind, was den Tod auf unheroische Art tragisch macht. Der Mann, der die Welt mit einer Live-Ansprache umbauen wollte, stirbt auf dem Boden des Weißen Hauses. Ausgerechnet der lauteste Charakter der Serie geht damit erstaunlich leise, fast schon antiklimaktisch – und genau das ist der Punkt.
9. Billy Butcher – gestoppt vom engsten Verbündeten
Nach Homelanders Tod kippt Butcher endgültig: Mit dem gestohlenen Godolkin-Virus will er sämtliche Supes auslöschen, Annie und Kimiko eingeschlossen. Hughie (Jack Quaid) folgt ihm, es kommt zur Schlägerei. Im letzten Moment sieht Butcher in Hughies Gesicht seinen toten Bruder Lenny und hält inne – doch Hughie sieht das nicht und schießt ihm in den Bauch. Butcher stirbt in Hughies Armen und vergibt ihm.

Der Tod spiegelt das Comic-Schicksal der Figur, dort allerdings durch einen Zaunpfahl. Brutal ist hier weniger das Blut als die Konsequenz: Der Mann, der die ganze Serie lang gegen die Supes kämpfte, wird selbst zur Gefahr und muss von seinem nächsten Verbündeten gestoppt werden. Urban schenkt Butcher einen versöhnlichen letzten Moment, der die Härte der Figur kurz auflöst.
10. Terror – der leiseste Tod trifft am härtesten
Am Ende der Skala steht kein Supe, sondern ein Hund. Terror, Butchers Bulldogge und treuer Begleiter über fünf Staffeln, stirbt im Finale eines natürlichen Todes. Kein Blut, keine Gewalt, kein Spektakel – und ausgerechnet dieser leiseste Tod der Folge trifft am härtesten. Zugleich ist er der Auslöser, der Butcher endgültig kippen lässt.

Dass eine Serie, die ihre Figuren sonst auf die grafisch brutalste Weise verabschiedet, ihren emotionalsten Moment einem alten Hund schenkt, der einfach nicht mehr aufwacht, ist vielleicht die ehrlichste Entscheidung des Finales. Brutal ist dieser Tod nicht körperlich, sondern emotional: Er nimmt Butcher das Letzte, was ihn an seine Menschlichkeit band. Wer 5 Staffeln lang jeden Splatter weggesteckt hat, stößt ausgerechnet hier an seine Grenze. Manchmal ist das Stillste das Brutalste.











