
„The Boys“ Staffel 5: Diesen Cameo hast du wahrscheinlich verpasst
Es gibt Witze, die nur dann funktionieren, wenn man die Originalstimme hört. Episode 7 der finalen Staffel von The Boys (2019–2026) enthält genau so einen Witz. The Deep (Chace Crawford) ist nach seinem Rauswurf aus den Seven am Tiefpunkt seiner Karriere und steht am Strand. Sein alter Freund Xander, ein Hammerhai, taucht auf. Xander redet. Und Xander klingt so seltsam vertraut im Original. Schließlich leiht ihm einer der größten Filmstars unserer Zeit seine Stimme! Samuel L. Jackson, der hier in einem der überraschendsten Cameos der Serie sein berühmtes Vokabular auf einen Knorpelfisch verlegt. Was man in der deutschen Synchronfassung davon mitkriegt: leider gar nichts.
Was in der Originalfassung von „The Boys“ passiert
Aufmerksame Zuschauer kennen Xander schon aus der ersten Episode der Staffel, in der The Deep auf ihm reitet, um A-Train zu suchen. In Episode 7 dreht sich die Sache. Xander steht für die kollektive Wut aller Meeresbewohner, die unter The Deep im Dienst von Vought leiden mussten. „If you step one foot, one fucking stupid-ass simian toe in the water anywhere – an ocean, a stream, a fucking puddle – oh God son, you're dead. We're going to kill you“, hört man im Original aus dem Off. Samuel L. Jackson liefert die Szene natürlich mit jener legendären Mischung aus Bedrohung und sarkastischem Witz, die seit Pulp Fiction (1994) sein Markenzeichen ist. Eine doppelte filmhistorische Pointe gibt’s obendrein: Ende der 1990er-Jahre wurde Jackson in Deep Blue Sea (1999) von einem genmanipulierten Hai mitten in einem Monolog gefressen. 27 Jahre später ist er selbst der Hai. Eric Kripke, Showrunner von The Boys, hat im „Polygon“-Magazin verraten, der Cameo sei über Seth Rogen und Evan Goldberg eingefädelt worden, die seit Staffel 1 als Produzenten fungieren und persönliche Kontakte zu Jackson haben.

Was die deutsche Synchronfassung daraus macht
Hier wird es interessant. Wer Episode 7 auf Deutsch geschaut hat, hört Xander zwar reden, aber er hört nicht das, was er hören müsste, um die Pointe zu erkennen: die deutsche Stimme von Samuel L. Jackson. Die gehört nämlich seit 1995 fest Engelbert von Nordhausen, einem 1948 in Schmölln geborenen Berliner Schauspieler, der Jackson erstmals in Stirb langsam: Jetzt erst recht (1995) sprach und seitdem seit über zwei Jahrzehnten dessen feste deutsche Stimme ist - von Pulp Fiction über die Tarantino-Filme bis zu Nick Fury in jedem einzelnen MCU-Auftritt. Wer Jackson auf Deutsch kennt, kennt von Nordhausens markantes, knurriges Timbre. In Episode 7 von The Boys spricht jedoch nicht von Nordhausen, sondern ein anderer Sprecher. Welcher genau, hat die deutsche Synchronkartei bisher nicht öffentlich aufgelistet. Klar ist: Die akustische Wiedererkennung, die im Original den Cameo erst zum Cameo macht, fehlt in der deutschen Fassung komplett. Statt „Moment, das ist doch Samuel L. Jackson!“ zu denken, hört man in der deutschen Fassung einfach nur einen schreienden Hai. Das ist zwar auch witzig, aber es geht natürlich der große Clou vor die, entschuldige das Wortspiel, Fische.

Warum so etwas in der Synchronisation häufiger passiert
Es gibt verschiedene Gründe, warum Stammsprecher bei Voice-Cameos nicht eingesetzt werden. Erstens: Rechte und Honorarverhandlungen. Wenn ein Schauspieler nur fünf Zeilen hat, lohnt sich die Tagespauschale eines etablierten Synchronsprechers für die Produktion oft nicht. Zweitens: Geheimhaltung. Cameos werden im Originalmaterial oft nicht ausgewiesen, sondern als Überraschung versteckt. Die deutsche Synchronfirma erhält das Material ohne Hinweis darauf, wer dort spricht, und besetzt nach Stimmqualität, nicht nach Person. Drittens: Verfügbarkeit. Engelbert von Nordhausen ist 78 Jahre alt, hat einen prall gefüllten Kalender und steht für kurzfristige Sonderaufnahmen nicht immer zur Verfügung. Die deutsche Synchronfassung von The Boys entsteht bei der Arena Synchron GmbH in Berlin, mit Olaf Reichmann als Dialogregie und Christian Kähler beziehungsweise Patrick Baehr als Dialogbuchautoren. Ein eingespieltes Team, aber eines, das mit dem Original keine direkte Rückkopplung über Cameos hat.
Wer den Witz also nachträglich erleben will, hat zwei Möglichkeiten: Episode 7 auf Englisch streamen. Oder die berühmte Szene aus Deep Blue Sea noch einmal anschauen, in der ein Hai Jacksons Karriere damals beinahe beendet hat. Und sich dabei vorstellen, wie 27 Jahre später ein anderer Hai mit Jacksons Stimme zurückkommt, um sich an einem völlig unbeteiligten Comic-Helden zu rächen. Das Finale der Serie und der Marke The Boys insgesamt läuft am 20. Mai 2026 auf Prime Video. Bis dahin: Audiospur auf Englisch umstellen. Keine Frage: Es lohnt sich!









































