
„The Boys“-Finale erklärt: Ausgerechnet der friedlichste Tod trifft am härtesten
Nach 5 Staffeln und 40 Folgen ist nun also endgültig Schluss: The Boys (2019–2026) endet am 20. Mai 2026 mit der 65-minütigen Episode Blood and Bone. Wer die Folge noch nicht gesehen hat, sollte jetzt besser aufhören zu lesen und später zurückkommen. Denn ja: Dieser Artikel enthält massive Spoiler. Wer das Finale bereits verschlungen hat und besser verstehen möchte, was dort eigentlich vorgefallen ist, ist hier genau richtig.
Das Wichtigste vorab: Vier der Hauptfiguren sterben – tragischerweise auch ein Tier. Die zentrale Pointe von Showrunner Eric Kripke: Homelander stirbt nicht zum Schluss, sondern bereits in der Mitte der Episode. Das nimmt nicht die Spannung raus, sondern bringt die Moral rein. Was danach noch eine halbe Episode lang folgt, ist die eigentliche Aussage. Man könnte es so zusammenfassen: Wer den Tyrannen besiegt, ist längst nicht automatisch der bessere Mensch.
So endet Homelanders Herrschaft
Homelander kündigt am Ostersonntag eine landesweite Live-Ansprache an, in der er das Universum „rebooten“ will – inklusive Anzeigetafel für nicht erschienene Skeptiker, ein klarer Spott auf die Kollegen vom MCU. Die Boys schleichen sich ins Weiße Haus, fallen in eine Falle und werden ausgerechnet von Vice President Ashley Barrett (Colby Minifie) gerettet, die sich im entscheidenden Moment gegen Homelander stellt.

Im Oval Office fliegt sein Sohn Ryan (Cameron Crovetti), der seinen Vater zuvor mit einem harten Satz konfrontiert hat – „I am nothing like you“ –, im richtigen Moment hinein und hält Homelander gemeinsam mit Butcher (Karl Urban) am Boden. Kimiko (Karen Fukuhara) hat seit Frenchies (Tomer Capone) Opfertod in Folge sieben einen Strahlungsblast, der Supes ihre Kräfte entzieht. Sie zögert, sieht eine Vision Frenchies, der ihr versichert, ihre Kraft sei nicht Wut. Der Blast trifft alle drei und macht sie sterblich.
Homelander, gerade noch Anwärter für den göttlichen Posten, fleht weinend um sein Leben. Butcher hört zu, holt das Brecheisen – das Werkzeug, mit dem im Comic Black Noirs Schädel geöffnet wird – und schlägt es Homelander (zünftig, wie wir es von der Serie gewohnt sind) durch den Kopf. Sein letzter Satz: „This is for my Becca“. Die Live-Kamera läuft, die Welt sieht zu. Die Schadenfreude hält nicht lange.
Wer stirbt sonst noch?
Vor Homelander räumt das Finale zwei weitere Antagonisten ab. The Deep (Chace Crawford) trifft am Strand auf Starlight (Erin Moriarty). Sie wirft ihn ins Meer, wo die Tiere, die er jahrelang ausgebeutet hat, ihn umbringen – eine Tintenfisch-Tentakel fährt ihm durch den Rücken und kommt durch den Mund wieder heraus. Eine späte Antwort auf seinen Übergriff aus der Pilotfolge. Oh Father, der evangelikale Vought-Propagandist (Daveed Diggs), kommt im Weißen Haus zu Tode: Mother’s Milk (Laz Alonso) presst ihm den unzerstörbaren Ball-Knebel – ein Geschenk seiner Frau Ashley aus derselben Folge – in den Mund, gerade als Oh Father seinen Schallschrei aktiviert. Die Energie kann nicht entweichen, der Kopf explodiert.

Dazu ein fünfter Tod, der keiner Gewalt entspringt: Terror, Butchers Bulldogge und treuer Begleiter über 5 Staffeln, stirbt friedlich im Schlaf an Altersschwäche. Der einzige sanfte Tod der Episode – und gerade deshalb vielleicht der traurigste.
Noch emotionaler wird die Szene durch eine bittere Realität hinter den Kulissen: Bentley, die englische Bulldogge, die Terror in The Boys spielte, starb im November 2025 im Alter von elf Jahren – kurz nachdem die Dreharbeiten zur finalen Staffel abgeschlossen worden waren.
Für viele Fans bekommt Butchers Abschied dadurch eine zusätzliche, unerwartet echte Tragik. Der einzige sanfte Tod der Episode ist auch gleichzeitig der Auslöser, der Butcher endgültig kippen lässt.
Warum auch Butcher sterben muss
Butcher bietet Ryan nach dem Sieg eine gemeinsame Zukunft an. Ryan lehnt ab – nicht aus Trotz, sondern aus Klarheit. Homelander war ein Monster, aber das macht Butcher nicht automatisch zum besseren Mann. Als kurz darauf Terror stirbt, kippt Butcher. Er stiehlt das Godolkin-Virus aus dem Labor und leitet es in die Sprinkleranlage des Vought Towers – mit dem Plan, am nächsten Arbeitstag sämtliche Supes weltweit auszulöschen, inklusive Annie und Kimiko. Solange es Supes gibt, so seine Logik, wird Vought einen nächsten Homelander herstellen.

Hughie (Jack Quaid) folgt ihm. Es kommt zur Schlägerei. Im letzten Moment sieht Butcher in Hughies Gesicht seinen toten Bruder Lenny und hält inne. Hughie sieht das nicht und schießt. Butcher stirbt in Hughies Armen, vergibt ihm. Der Tod spiegelt Butchers Comic-Arc, in dem Hughie ihn ebenfalls tötet – dort mit einem Zaunpfahl. Beerdigt wird er neben seiner toten Frau Becca. Die Überlebenden ehren ihn danach in einem Topless-Steakhouse in Reno, eine letzte Kripke-Pointe, die das Pathos rechtzeitig unterbricht.
Wie geht es für die Überlebenden weiter?
Mother’s Milk heiratet seine Ex-Frau Monique zum zweiten Mal, Tochter Janine und Ryan stehen als Trauzeugen daneben. Ryan, von M.M. adoptiert, findet endlich die Familie, die ihm sein biologischer Vater nie sein konnte. Kimiko zieht nach Marseille – jene Stadt, in die Frenchie immer mit ihr reisen wollte –, findet ihre Sprache wieder und adoptiert den Bernedoodle, den Frenchie ihr in der vorletzten Folge vorgeführt hatte. Hughie schlägt das Angebot von Präsident Robert Singer aus, das wieder eingesetzte Bureau of Supe Affairs zu leiten, und übernimmt stattdessen den Audio-Visual-Laden seines verstorbenen Vaters. Annie ist hochschwanger; die Tochter wird Robin heißen, nach Hughies erster Freundin aus der Pilotfolge – ein Kreis schließt sich. Im Hintergrund läuft Billy Joels Piano Man.
Sister Sage, deren Hochintelligenz bei Kimikos Experiment verloren ging, verzichtet auf den Showdown und reist nach Orlando in die Wizarding World of Harry Potter. Ashley Barrett, die den Boys zuvor den Zugang ins Weiße Haus verschafft hatte, übernimmt nach Homelanders Tod kurz die Präsidentschaft und wird sofort vom Kongress impeacht.
Was bedeutet das Ende für das Franchise?
Eine 6. Staffel ist nicht angekündigt, aber das Franchise lebt weiter. Stan Edgar (Giancarlo Esposito) kehrt als CEO zu Vought zurück. Soldier Boy (Jensen Ackles), den Homelander in Folge sieben zurück ins Kryo-Eis steckte, liegt nach wie vor im Vought Tower. Das Prequel Vought Rising ist bereits in Vorbereitung, die Gen-V-Crew überlebt das Finale ebenfalls und tritt kurz vor dem Sturm aufs Weiße Haus noch einmal auf.
Was Kripke seinen Zuschauerinnen und Zuschauern damit mitgibt: Die Tötung eines Tyrannen kippt das System nicht. Vought bleibt, Edgar bleibt, ein neues Prequel kommt. Die einzige Frage, die das Finale offenlässt, lautet nicht, ob die Serie weitergeht, sondern: Wer ist der nächste Homelander, und kommt er aus dem Vought-Labor oder direkt aus dem Weißen Haus? Homelander ist tot, das System nicht.















