
Warum „The Boroughs“ das Sci-Fi-Horror-Genre auf den Kopf stellt
Horrorserien und -filme haben ein ungeschriebenes Gesetz: Die Menschen, die das Monster aufhalten, sind meistens sehr jung. Teenager, die nachts im Wald eigentlich nichts verloren haben, Studenten, die sich im falschen Haus einmieten, und die Kinder, die in den falschen Keller gehen. Die Duffer Brothers, die mit Stranger Things diese Formel zur Perfektion getrieben haben, stellen sie mit ihrer neuen Netflix-Serie jetzt komplett auf den Kopf.
In The Boroughs sind es keine Kinder auf Fahrrädern, die das Böse aufhalten, sondern Menschen, die über 70 sind, Knieschmerzen haben und morgens erst mal einen Kaffee benötigen, bevor sie irgendwas retten können. Die Story: In einer scheinbar perfekten Rentnersiedlung muss eine Gruppe unwahrscheinlicher Helden eine überirdische Bedrohung stoppen – eine, die ihnen das Einzige stehlen will, was sie nicht mehr haben: Zeit.
Die Regel, die „The Boroughs“ bricht
Ältere Menschen tauchen im Genrefilm meistens in einer von drei Rollen auf: als weise Mentorfigur, die früh stirbt, als komische Randfigur, bei der das Witzpotenzial ungefähr dort endet, wo der zweite Hüftprothesen-Gag anfängt – oder gar nicht. Den Duffer Brothers ist das offenbar selbst irgendwann zu viel geworden.
„Wir haben uns jahrelang gefragt, warum seit Cocoon niemand mehr solch einen Film gemacht hat“, sagen sie. Ihnen war von Anfang an klar: Ihre Serie würde das Altern nicht als Pointe behandeln, sondern als reale menschliche Erfahrung – mit echten Herausforderungen, und ein paar übernatürlichen dazu.
Warum Altern eigentlich der perfekte Horrorstoff ist
Dass dieses Thema im Genre so selten ernsthaft angegangen wird, ist eigentlich erstaunlich – denn kaum eine Lebensphase bringt so viele unterschwellige Ängste mit sich wie das Alter. Alfred Molinas Sam Cooper hat gerade seine Frau verloren und versucht herauszufinden, was er mit der Zeit anfangen soll, die ihm noch bleibt. Eine Frage, der wir alle eines Tages begegnen – aber die, je mehr Jahre man hinter sich hat, umso dringlicher wird.
Wenn Sam dann nach seiner Ankunft ein Monster sieht und ihm niemand glaubt, funktioniert der Schrecken plötzlich auf zwei Ebenen gleichzeitig: Da draußen bewegt sich offenbar wirklich etwas Unheimliches durchs Viertel – und gleichzeitig steht ständig die Möglichkeit im Raum, dass ältere Menschen einfach nicht mehr ernst genommen werden. Genau damit arbeitet die Serie ganz bewusst.
„Stranger Things“ mit Golfcarts– und das ist kein Nachteil
Die naheliegendste Frage ist natürlich, ob das hier einfach Stranger Things für Ältere ist. Die Duffer Brothers selbst haben dieser Einordnung nie widersprochen. „Die Menschen sind etwas älter, sie fahren Golfcarts statt Fahrräder, aber der Geist ist sehr ähnlich“, sagen sie.
Im Kern sei es eine Geschichte über Zugehörigkeit, egal in welchem Alter. Was Stranger Things damals so wirkungsvoll machte, war schließlich nie der Upside Down allein, es war die Gruppe, das Gefühl, dass diese Menschen füreinander kämpfen würden, auch wenn die Welt sie nicht ernst nimmt.
Mit Alfred Molina, Geena Davis, Alfre Woodard, Clarke Peters, Denis O'Hare und Bill Pullman hat The Boroughs ein Ensemble, das genau diese Dynamik allein durch die Besetzung glaubwürdig macht.
Ob die Serie dann hält, was sie verspricht, zeigt sich seit dem 21. Mai. Aber allein die Frage, die sie stellt, nämlich, wie es sich anfühlt, alt zu sein und trotzdem noch nicht fertig, wirkt frischer als vieles, was das Genre zuletzt hervorgebracht hat.












































