
Taylor Sheridan steht wieder vor der Kamera: Seine Rückkehr in „Lioness“ Staffel 3 erklärt
Taylor Sheridan schickt seine Stars normalerweise allein ins Feuer. In Staffel 3 von Lioness (2023) bleibt der Serienschöpfer allerdings nicht hinter dem Monitor sitzen. Als Cody Spears zieht er erneut die Schutzweste an und übernimmt dieses Mal deutlich mehr als einen kurzen Gastauftritt. Der erfahrene Delta-Force-Soldat steht von Beginn an mitten im Einsatz, während sich die Serie von verdeckten Infiltrationen zu offenen militärischen Operationen bewegt.
Sheridans Rückkehr vor die Kamera ist zwar nicht neu. In den letzten Folgen von Yellowstone (2018) spielte er den Pferdetrainer Travis Wheatley. Cody nimmt innerhalb seines Serienimperiums trotzdem eine Sonderstellung ein. Die Rolle ist enger mit der Haupthandlung verbunden, verlangt mehr als einige markige Auftritte und zeigt, in welche Richtung Sheridan Lioness inzwischen entwickeln will.
Taylor Sheridan wollte ursprünglich Schauspieler bleiben
Bevor Sheridan mit Serien wie Landman (2024), Mayor of Kingstown (2021) und Tulsa King (2022) zum vielleicht produktivsten Autor des US-Fernsehens wurde, verbrachte er viele Jahre vor der Kamera. Seine bekannteste damalige Rolle war Deputy David Hale in Sons of Anarchy (2008). Der Polizist gehörte über zwei Staffeln zum festen Umfeld des titelgebenden Motorradclubs. Trotzdem konnte Sheridan von der Serie nach eigener Aussage kaum leben. Obwohl sein Gesicht sogar eine DVD-Hülle zierte, musste er neben den Dreharbeiten einen zweiten Job annehmen. Als er für Staffel 3 mehr Geld forderte, bekam er zu hören, Schauspieler wie er seien jederzeit austauschbar. Sheridan verließ die Serie – und konzentrierte sich fortan darauf, seine eigenen Geschichten zu schreiben.

Der Wechsel führte zu den Drehbüchern von Sicario (2015) und Hell or High Water (2016), später zu seinem großen Seriengeschäft. Schauspielrollen übernahm er danach fast nur noch in eigenen Produktionen. Neben Travis Wheatley spielte er den Viehzüchter Charles Goodnight in 1883 (2021). Statt sich erneut casten zu lassen, schreibt Sheridan sich die passenden Rollen nun selbst.
Cody Spears rettete in Staffel 2 gleich zwei Missionen
Seinen ersten Auftritt hatte Cody in der Premiere der zweiten Staffel von Lioness. Joe McNamara (Zoe Saldaña) benötigte Unterstützung bei der Befreiung einer entführten US-Kongressabgeordneten in Mexiko. Cody führte das hinzugezogene Delta-Force-Team an und gehörte zu den wenigen Männern, denen Joe in einer eskalierenden Lage ohne lange Diskussion vertraute. Im Finale tauchte er erneut auf, als eine Mission im Iran zu scheitern drohte. Joe, Cruz Manuelos (Laysla De Oliveira), Josie Carrillo (Genesis Rodríguez) und das übrige Team gerieten unter schweren Beschuss. Cody rückte mit weiteren Soldaten und Luftunterstützung an und half, die Gruppe herauszuholen.
Die Auftritte verrieten trotzdem kaum etwas über sein Leben abseits der Einsätze. Cody wurde als Sergeant Major, Delta-Force-Veteran und hochspezialisierter Soldat eingeführt. Seine Funktion war klar: Sobald eine Operation den Punkt erreicht, an dem selbst Joe die Kontrolle verliert, erscheint Cody mit schwererem Gerät.
Staffel 3 macht aus der Verstärkung einen festen Einsatzmann
In der dritten Staffel wartet Cody nicht mehr bis zum Finale auf seinen Auftritt. Er übernimmt früh eine operative Rolle und bleibt eng in die laufende Mission eingebunden. Damit verändert sich auch das Verhältnis zwischen Sheridan und seiner eigenen Serie. Cody wirkt nicht länger wie ein auffälliges Cameo des Schöpfers, sondern wie ein selbstverständlicher Teil des Einsatzteams. Das passt zur neuen Ausrichtung von Lioness.
Während Staffel 1 Cruz in das Umfeld eines Terrorfinanziers einschleuste und Staffel 2 Josie über ihre Familie Zugang zu einem mexikanischen Kartell verschaffen ließ, verlagert Staffel 3 den Schwerpunkt. Im Mittelpunkt stehen nun der Krieg in der Ukraine, russische Operationen, Drohnen und moderne Militärtechnik.
Gleichzeitig rücken die etablierten Figuren stärker in den Fokus: Joe arbeitet enger mit ihren Vorgesetzten Kaitlyn Meade (Nicole Kidman), Byron Westfield (Michael Kelly) und Außenminister Edwin Mullins (Morgan Freeman) zusammen. Eine verdeckte Rekrutin, die sich unter falscher Identität an eine Zielperson herantastet, bildet dieses Mal nicht mehr den Kern der Geschichte.
Cody gehört in eine solche Handlung besser als in das ursprüngliche Spionagekonzept. Er beherrscht keine gesellschaftlichen Täuschungsmanöver, sondern Gefechtsplanung, Waffen und militärische Abläufe. Je offener der Krieg wird, desto weniger muss Sheridan erklären, warum sein eigener Mann dabei ist.
„Die Serie wird besser, wenn er mitspielt“
Sheridan hat keine öffentlich bekannte militärische Laufbahn. Cody sollte daher nicht mit seinem Darsteller verwechselt werden. Glaubhaft wirkt die Rolle vor allem durch die knappe Sprache, die kontrollierten Bewegungen und die technischen Details, mit denen Lioness seine Einsätze inszeniert. Sheridan spielt keinen emotionalen Mittelpunkt, sondern einen Menschen, der gelernt hat, unter Druck möglichst wenig von sich zu zeigen.
Dass das funktioniert, bestätigt auch Co-Star Thad Luckinbill, der in der Serie den CIA-Offizier Kyle McManus spielt. Gegenüber The Hollywood Reporter sagte er über Sheridans Doppelrolle als Autor, Produzent und Schauspieler: „Er gehört dazu. Er hat eine Rolle, und die Serie wird besser, wenn er mitspielt.“ Sheridan sei „eine großartige Figur“ und „brillant“ in der Rolle.
Darin liegt zugleich das Risiko seines größeren Auftritts. Cody ist erfahren, körperlich überlegen und häufig dann zur Stelle, wenn andere gerettet werden müssen. Schon Travis Wheatley wurde in Yellowstone zunehmend zu einem Mann, der fast alles besser konnte als die Menschen um ihn herum. Auch Cody kann schnell wie eine Figur wirken, die Sheridan vor allem deshalb geschrieben hat, weil er selbst den unerschütterlichen Elitekämpfer spielen wollte.
Noch trägt die Verbindung zur veränderten Handlung. Doch je weiter Cody ins Zentrum rückt, desto deutlicher stellt sich eine andere Frage: Wie viel Platz bleibt in Lioness für Joe, Cruz und Josie, wenn der Mann, der ihre Geschichte schreibt, nun selbst mit der Waffe vor ihnen herläuft?
Lioness Staffel 3 ist seit dem 2. August 2026 bei Paramount+ zu sehen. Die neue Staffel umfasst acht Folgen, die wöchentlich jeweils sonntags erscheinen. Das Finale ist für den 20. September geplant.





















