
Das Ende von „Supergirl“ erklärt: So bereitet der Film ihre Zukunft im DCU vor
Supergirl hatte im DC-Universum lange ein Problem: Sie stand meist im Schatten ihres berühmten Cousins Superman. Zwar war Kara Zor-El mutig und gutherzig, doch oft blieb sie hauptsächlich „Supermans Cousine“. James Gunn hat das von Anfang an anders gedacht, und am Ende von Superman (2025) war zu sehen, wie sehr: Kara taumelt betrunken in die Festung der Einsamkeit, lässt sich von Krypto durch den Raum schleudern und verabschiedet sich von ihrem Cousin mit einem Schimpfwort.

Die Szene dauert vielleicht zwei Minuten, aber sie reicht, um klarzumachen, wer diese Figur ist. Jetzt ist Supergirl (2026) in den Kinos, und der Film löst dieses Versprechen ein – mit Wucht und gelegentlichen Reibungsverlusten. Dass er dabei die Weichen für das restliche DCU stellt, macht ihn zu mehr als einem guten Soloabenteuer.
Achtung: Ab hier folgen Spoiler zu Supergirl.
Wie „Supergirl“ das Finale aufbaut
Um zu verstehen, warum das Ende so ausgelegt ist, hilft ein Blick auf den entscheidenden Unterschied zwischen Kara und ihrem Cousin. Clark Kent (David Corenswet) kam als Säugling zur Erde und wuchs bei liebevollen Adoptiveltern in Kansas auf. Kara war zwölf oder dreizehn, als Krypton unterging. Sie sah die letzten Überlebenden ihres Volkes in Argo City an Kryptonit-Vergiftung sterben, erlebte den Tod ihrer Eltern, und lebte danach auf einem abgesprengten Trümmerstück des Planeten. Das formt eine radikal andere Person: nicht böse, aber gereizter, unberechenbarer und bereit zur Gegenwehr auf eine Art, die Superman nie war.

Zu Beginn des Films feiert Kara (Milly Alcock) ihren 23. Geburtstag auf einem Planeten mit roter Sonne, die ihre kryptonischen Kräfte neutralisiert und ihr schlicht erlaubt, sich zu betrinken. Dass sie trinkt, um nichts zu fühlen, macht den Film von Anfang an ehrlicher als die meisten Superhelden-Ursprungsgeschichten.
Dann trifft sie auf Ruthye Marye Knoll (Eve Ridley), ein junges Mädchen, das den Mörder ihres Vaters zur Rechenschaft ziehen will, und zieht widerwillig mit ihr durch die Galaxis. Bösewicht Krem of the Yellow Hills (Matthias Schoenaerts) vergiftet dabei Krypto und gibt dem Ganzen einen Countdown: drei Tage, bis das Gegengift gefunden sein muss. Die Reise durch zunehmend unwirtlichere Welten setzt Kara unter Druck, der nicht nur körperlich ist. Der Film fragt, ob jemand, der so viel verloren hat, überhaupt noch wählen kann, gut zu sein.
Was im Finalkampf passiert
Der Finalkampf hält eine Überraschung bereit, die den Film im Nachhinein anders aussehen lässt. Ruthye und Lobo (Jason Momoa) befreien sich aus den Händen der Brigands, Lobo kämpft sich auf seinem Motorrad durch die Schiffsgänge, Ruthye durch die Lüftungsschächte, und Kara liegt währenddessen bewusstlos da und treibt in Erinnerungen an Krypton. Als die grüne Sonne untergeht und die gelbe aufgeht, kehrt ihre volle Kraft zurück, sie erscheint im klassischen Supergirl-Kostüm und wird von Krem (Matthias Schoenaerts) mit Kryptonit-Pfeilen niedergestreckt, bevor Lobo das Schiff zum Absturz bringt.

Am Strand unten steht Ruthye vor Krem, Schwert in der Hand, und Kara überredet sie, ihn am Leben zu lassen, weil sie mit dem Töten den Rest ihres Lebens weiterleben müsste. Ruthye geht. Dann kehrt Kara allein zu Krem zurück und tötet ihn selbst.
Das ist der Moment, auf den der gesamte Film eigentlich zusteuert, auch wenn er das nicht laut sagt. Kara hat Ruthye die ganze Zeit davon abgehalten, zur Täterin zu werden, und nimmt diese Last am Ende selbst auf sich, nicht aus Kaltblütigkeit, sondern weil sie weiß, dass sie damit umgehen kann und Ruthye nicht. Ob das Stärke ist oder eine weitere Form von Selbstbestrafung, lässt der Film offen, und das ist die klügste Entscheidung, die er trifft.
Hat „Supergirl“ eine Post-Credit-Szene?
Wer nach dem Abspann sitzen bleibt, wartet vergebens. James Gunn und Regisseur Craig Gillespie haben sich bewusst dagegen entschieden, den Film mit einem separaten Teaser-Häppchen zu beenden. Was stattdessen passiert, ist in die Geschichte selbst eingebettet: Nach der Rückkehr auf Ruthyes Heimatplanet und der Heilung von Krypto verabschiedet Kara das Mädchen, das nun bei ihrer Tante leben und Schwerter schmieden will wie ihr Vater. Dann fliegt Kara zurück nach Metropolis.

In ihrer Wohnung wartet Clark (David Corenswet). Sie sagt, es sei schön, wieder zu Hause zu sein, und dass sie eine Weile bleiben werde. Clark entgegnet, er hätte sie beim letzten Kerl gut gebrauchen können, ohne zu präzisieren, wen er damit meint. Ob das eine Anspielung auf Lex Luthor aus Superman ist oder auf etwas, das zwischen den beiden Filmen stattgefunden hat, lässt der Film offen. Es wirkt eher wie eine beiläufige Bemerkung als wie ein gezielter Teaser. Clark stellt dann die drängendste aller Fragen: ob Krypto auch bleibt. Der Film endet damit, dass er hinter dem Hund herjagt und ihn vor Schokolade warnt.
Was das für Karas Zukunft im DCU bedeutet
Die Szene in Metropolis am Ende ist so unspektakulär inszeniert, dass man sie fast unterschätzt. Kara kommt mit Krypto in Clarks Wohnung, sagt, es sei schön, wieder zu Hause zu sein, und dass sie eine Weile bleiben werde. Clark fragt, ob Krypto auch bleibt, jagt den Hund und warnt ihn vor Schokolade. Vorhang. Für einen Film, der Kara als jemanden eingeführt hat, der Krypton nie wirklich hinter sich gelassen hat und die Erde nie als Heimat akzeptieren wollte, ist das trotzdem ein großer Schritt, weil sie ihn freiwillig macht und nicht, weil ihr keine andere Wahl bleibt. Der Film erzählt die Geschichte einer Frau, die gelernt hat, dass Zugehörigkeit keine Frage der Herkunft ist, und das Ende zeigt, dass sie das verstanden hat, ohne es ihr noch einmal erklären zu müssen.
Was das nun genau für das DCU bedeutet, wird Man of Tomorrow (2027) zeigen müssen. Gunn hat auf der Premiere angedeutet, dass Kara und Clark dort in einen echten Konflikt geraten, weil ihre Vorstellungen davon, was ein Held tun darf, so weit auseinanderliegen. Das ist ein Versprechen, das Supergirl mit seinem Ende erst möglich gemacht hat, denn eine Kara, die noch auf der Flucht ist, hätte keinen Grund, sich mit ihrem Cousin auseinanderzusetzen. Produzent Lars P. Winther hat außerdem angedeutet, dass DC Studios bereits plant, welcher Film nach Man of Tomorrow kommt, und dass Kara darin eine große Rolle spielen wird. Milly Alcock, die viele als junge Rhaenyra aus House of the Dragon (2022) kennen, hat mit Supergirl gezeigt, dass diese Figur das aushält.





























