
Die neuen Folgen von „Star Trek: Strange New Worlds“ erklärt: Auf welches Cameo auch Staffel 4 verzichten muss
Die vierte Staffel von Star Trek: Strange New Worlds (2022) beginnt mit einem Sturm im All, einem Zeitsprung über 65 Millionen Jahre und mit Dinosauriern, die ein Außenteam der Enterprise offenbar für Mittagessen halten. Das klingt nach einem gut gelaunten Sommerabenteuer, und über weite Strecken ist es das auch. Über dem Auftakt vom 23. Juli liegt allerdings eine Rechnung, die sich schwer ignorieren lässt: Nach diesen zehn Folgen kommen nur noch sechs, dann ist Schluss. Die neue Staffel ist damit der Beginn eines Abschieds, der sich über zwei Staffeln zieht.
Achtung: Der folgende Abschnitt verrät Einzelheiten über die erste Folge von Star Trek: Strange New Worlds Staffel 4.
Dinosaurier, ein Sturm und eine unbequeme Frage
Offiziell heißt die Auftaktepisode „Valles Marineris“, benannt nach dem größten Canyonsystem des Mars. Captain Christopher Pike (Anson Mount) führt die Crew in einen Sternensturm, der die Enterprise 65 Millionen Jahre zurückwirft. Una Chin-Riley (Rebecca Romijn), La'an Noonien-Singh (Christina Chong) und Erica Ortegas (Melissa Navia) landen auf einer Welt, auf der große Tiere sehr schlechte Laune haben. Die Anleihen bei Jurassic Park (1993) sind kaum zu übersehen.

Der eigentliche Konflikt ist trotzdem kein Fluchtabenteuer. Nach ersten Kritiken steht Pike vor der Frage, ob er in ein kosmisches Ereignis eingreifen darf, das womöglich erst die Entstehung der Menschheit ermöglicht. Damit landet die Serie sofort bei ihrem ältesten Streitthema: Die Sternenflotte hat sich aus dem Lauf fremder Welten herauszuhalten, und bei Reisen in die Vergangenheit gilt das erst recht. Dazu kommt eine gereizte Besatzung. Martin Quinn, der den jungen Ingenieur Montgomery „Scotty“ Scott spielt, beschreibt die Crew zu Staffelbeginn als ausgebrannt und überarbeitet, woraus sich eine handfeste Fehde zwischen Scotty und Pilotin Ortegas entwickelt.
Warum jeder neue Gaststar ein Countdown ist
Kurz vor Weihnachten 2025 meldete Paramount+ zwei Besetzungen, die auf den ersten Blick nach reinem Fanservice aussehen. Thomas Jane übernimmt den Schiffsarzt, Kai Murakami den Steuermann. In Raumschiff Enterprise (1966), der Serie, mit der 1966 alles anfing, gehörten Leonard „Bones“ McCoy (DeForest Kelley) und Hikaru Sulu (George Takei) zur Stammbesatzung von Captain Kirk. Zu sehen sein werden die beiden allerdings erst in der allerletzten Folge der sechsteiligen fünften Staffel, also im Serienfinale. Damit ist die Brücke besetzt. Das ist der Haken an der Sache: Jedes vertraute Gesicht, das neu dazustößt, schließt eine Lücke zur Originalserie und schiebt Strange New Worlds einen Schritt näher an den Moment, in dem es die Serie nicht mehr braucht. Ähnlich funktioniert der zweite große Zugang. In Staffel 4 taucht David Marcus auf, der Sohn von James T. Kirk, den das Kino bisher nur erwachsen kannte: In Star Trek II: Der Zorn des Khan (1982) ist er längst ein junger Wissenschaftler. Hier ist er ein Kind, und Paul Wesley, der den jungen Kirk spielt, beschreibt die Sache als Entscheidung zwischen Karriere und Vaterschaft.

Wie dicht die Serie ihre Verweise inzwischen setzt, zeigt schon der Auftakt. Chefingenieurin Pelia (Carol Kane) lässt beiläufig fallen, sie sei damals wohl in einer Telefonzelle gewesen. Gemeint ist die TARDIS aus Doctor Who (2005), jene Zeitmaschine in Gestalt einer britischen Polizeinotrufzelle. Serienschöpfer Akiva Goldsman hat inzwischen bestätigt, dass man mit den Verantwortlichen von Doctor Who ernsthaft über ein Cross-over gesprochen hat, hin zu Überlegungen für eine Doppelfolge. Gescheitert ist es an Hürden zwischen den Konzernen, übrig geblieben ist Pelias Satz.
Der eine Gastauftritt, den es nie gegeben hat
Eine Lücke bleibt offen, und sie ist die auffälligste. Über alle Staffeln hinweg hat Goldsman versucht, William Shatner zurückzuholen, den allerersten Darsteller von James T. Kirk, und dafür nach eigener Auskunft mehrere Drehbuchfassungen geschrieben. Die Idee ging auf eine Folge der Originalserie zurück, in der Kirk sich im New York der Dreißigerjahre in Edith Keeler (Joan Collins) verliebt und sie am Ende sterben lassen muss, damit die Weltgeschichte ihren bekannten Lauf nimmt. Shatner hätte einen Kirk aus einer anderen Zeitlinie gespielt, der bei ihr geblieben wäre.
Goldsman erzählt, man sei immerhin bis zu einem Videocall gekommen und Shatner habe Lust darauf gehabt. Unterschrieben war damit aber nichts. Diskutiert wurden außerdem Varianten mit dem jungen Kirk, mit Spock (Ethan Peck) und eine Umsetzung als Animation. Zustande kam keine davon. Goldsman bezeichnet das als sein einziges Bedauern an der Serie.
Das Staffelfinale läuft am 24. September und trägt den Titel „Tomorrow’s Enterprise“. Celia Rose Gooding, die die Kommunikationsoffizierin Nyota Uhura spielt, bezeichnet ihre Arbeit an dieser Folge als das, worauf sie in ihrer bisherigen Zeit bei Star Trek: Strange New Worlds am stolzesten ist. Was der Titel konkret bedeutet, bleibt offen. Ausgerechnet im 60. Jubiläumsjahr von Star Trek endet die Staffel damit aber ausgerechnet mit einem Blick nach vorn. Für eine Serie, die ihre Geschichte von Anfang an als Vorgeschichte erzählt, ist das eine ziemlich selbstbewusste Ansage.


















