
Der Science-Fiction-Film, den manche Kritiker für echte faschistische Propaganda hielten
Gerade erst hat Ben Stiller das Weiße Haus öffentlich aufgefordert, einen Tropic Thunder-Clip aus einem pro-militärischen Video zu entfernen. Seine Begründung war so simpel wie deutlich: Man habe keine Erlaubnis gegeben, und Krieg sei kein Film.
Genau diese Vermischung aus Popkultur, Kriegsbildern und Propaganda ist der perfekte Anlass, um über einen Science-Fiction-Film zu sprechen, der dieses Unbehagen schon vor Jahren in Hochglanz auf die Leinwand gebracht hat: Starship Troopers. Als Paul Verhoevens Film 1997 ins Kino kam, hielten ihn etliche Kritiker nicht für Satire, sondern für das, was er eigentlich bloß nachstellt und entlarvt: faschistische Bildsprache als Spektakel.
Warum “Starship Troopers” damals so viele irritiert hat
Oberflächlich sieht Starship Troopers erst einmal wie ein ziemlich stumpfer Zukunfts-Blockbuster aus. Schönlinge in Uniform, ein militärischer Staat, riesige Waffen, pathetische Opferbereitschaft und dazu ein Krieg gegen insektenartige Aliens, die im Film kaum als Wesen, sondern fast nur als zu vernichtende Masse erscheinen. Genau darin lag das Problem für viele damalige Kritiker: Wer Verhoevens Ton nicht mitliest, sieht hier eine Welt, in der Staatsbürgerrechte an Militärdienst gekoppelt sind, Gewalt als Tugend verkauft wird und mediale Kriegswerbung im Sekundentakt die Stimmung anheizt. Roger Ebert schrieb damals von quasi-faschistischem Militarismus, und in der frühen Rezeption wurde der Film mehrfach so gelesen, als würde er genau diese Ordnung feiern statt sezieren. Das ist auch deshalb passiert, weil Verhoeven die Sache nicht vorsichtig oder akademisch markiert. Er baut keine pädagogischen Warnschilder ein. Er macht das Gegenteil. Starship Troopers sieht bewusst wie ein verführerischer Rekrutierungsfilm aus, geschniegelt bis zur Unheimlichkeit, mit dieser glatten Fernseh-Ästhetik, die schon deshalb falsch wirkt, weil sie so perfekt wirkt, während Menschen zerfetzt werden. Wer Satire nur dann erkennt, wenn sie einmal pro Szene mit dem Leuchtmarker unterstrichen wird, konnte hier leicht falsch abbiegen.
Der große Trick des Films ist, dass er sich wie Propaganda anfühlt
Genau das macht Starship Troopers bis heute so interessant. Der Film kritisiert Faschismus nicht aus sicherer Entfernung, sondern indem er seine Ästhetik imitiert. Diese Nachrichtenclips, das Dauergrinsen der Rekrutierung, die saubere Oberfläche, unter der längst jede Empathie verrottet ist: Das alles ist nicht Beiwerk, sondern der Punkt. Verhoeven wollte keine neutrale Zukunft zeigen, sondern eine Gesellschaft, die vom Krieg geformt wurde und ihre Jugend gleich mitliefert. Später sagte er selbst, man habe die ganze Zeit gegen Faschismus und Ulramilitarismus angearbeitet; sein Ziel sei gewesen, dass das Publikum sich fragt, ob diese Leute eigentlich verrückt sind. Das Gemeine ist nur, dass der Film sehr genau versteht, wie attraktiv solche Systeme in Bildern wirken können. Er zeigt nicht bloß Parolen, sondern auch den Kick, die Zugehörigkeit, das Heroische, den Gruppendruck und die emotional einfache Weltsicht. Deshalb ist die Fehllektüre fast schon Teil der Erfahrung. Starship Troopers ist einer dieser Filme, die entlarven, wie leicht man sich von Haltung, Oberfläche und Sound mitziehen lässt, solange alles knackig geschnitten und geschniegelt genug daherkommt. Dass manche Zuschauer und Kritiker genau darauf hereingefallen sind, macht den Film im Rückblick fast noch schärfer.
Heute wirkt der Film fast noch präziser als 1997
Mit etwas Abstand ist der Ruf von Starship Troopers deutlich gekippt. Der Film wurde kritisch neu bewertet und gilt heute für viele eher als bissige anti-autoritärere Satire denn als peinlich missratener Kriegsfetisch. Gerade in einer Medienwelt, in der reale Machtapparate ganz selbstverständlich Filmszenen, Popmusik und Action-Ikonen in politische Botschaften einbauen, wirkt Verhoevens Film nicht weniger überzeichnet, sondern eher unangenehm treffsicher. Der aktuelle Streit um das vom Weißen Haus verwendete Tropic Thunder-Material zeigt ja genau, wie schnell Unterhaltung in politische Bildproduktion kippen kann, wenn nur der Schnitt aggressiv genug ist. Vielleicht ist das die eigentliche Ironie von Starship Troopers: Der Film wurde einst dafür attackiert, wie echte Propaganda auszusehen, weil er verstanden hat, dass Propaganda selten plump daherkommt. Sie kommt geschniegelt, rhythmisch, aufregend und zitierfähig daher. Sie will nicht wie Zwang wirken, sondern wie Spaß, Zugehörigkeit und eine klare Richtung. Genau deshalb bleibt Starship Troopers einer der klügsten Sci-Fi-Filme seiner Ära und einer der wenigen, bei denen das Missverständnis fast schon beweist, wie präzise die Satire war.



























