
Finale von „Star City“ Staffel 1 erklärt: Der blinde Fleck – und ob Staffel 2 kommt
Wer das Staffelfinale von Star City (2026) ohne Vorkenntnisse sieht, dürfte sich mehr als einmal fragen, wer hier überhaupt lebend herauskommen kann: Ein beschädigtes Raumschiff trudelt durchs All, sowjetische Soldaten eröffnen das Feuer und zwei Menschen schleppen sich unter Schmerzen in Richtung finnische Grenze. Währenddessen werden in Moskau Verräter gesucht, Festnahmen vorbereitet und Leben gegeneinander ausgespielt. „The Wolves“ liefert fast alles, was eine letzte Folge braucht, um das Publikum nervös auf dem Sofa herumrutschen zu lassen.
Nur funktioniert das nicht bei allen Zuschauern des Staffelfinales gleich gut. Wer zuvor For All Mankind (2019) gesehen hat, kennt die Zukunft von Irina Morozova (Agnes O’Casey) und Sergei Nikulov (Josef Davies) bereits. Die Mutterserie zeigt beide Jahrzehnte später, gespielt von Svetlana Efremova und Piotr Adamczyk. Damit steht bei zwei zentralen Menschen schon vor dem Abspann fest, dass die sowjetischen Gefängnisse sie zumindest nicht endgültig verschlucken werden.
Achtung, ab hier folgen Spoiler zum Staffelfinale von Star City.
Der Ableger erzählt die Vorgeschichte zweier bekannter Namen
Star City blickt auf das sowjetische Raumfahrtprogramm der späten 1960er und frühen 1970er Jahre und läuft zeitlich parallel zu den frühen Staffeln von For All Mankind. Irina arbeitet zu Beginn noch in einer Abhörabteilung des KGB und wirkt deutlich weicher als die kalte, mächtige Geheimdienstmitarbeiterin, als die sie später bekannt wird. Sergei steht ebenfalls noch am Anfang seiner Laufbahn als Raketeningenieur.
Das macht ihre Geschichte interessant, weil wir beobachten können, wie sie zu den Menschen werden, denen wir in der Mutterserie begegnen. Für das Finale entsteht daraus allerdings ein Problem. Als Sergei wegen seiner heimlichen Hilfe für die Venera-Besatzung festgenommen wird, sieht die Lage verheerend aus. Irina riskiert zugleich ihre Stellung, indem sie sich gegen das System stellt, dem sie eigentlich dienen soll. Die Serie behandelt beide Handlungsstränge wie mögliche Todesurteile. Kenner wissen jedoch, dass weder Sergeis Verhaftung noch Irinas Aufbegehren hier tödlich enden kann.
Bei Irina und Sergei steht der Ausgang längst fest
Sergeis Lage bleibt trotzdem unangenehm. Nachdem seine Aktivitäten auffliegen, wird er abgeführt und muss damit rechnen, im Gefängnis zu verschwinden. Selbst der Chefkonstrukteur (Rhys Ifans), mit dem Sergei den Plan zur Rettung von Sasha und Lakshmi ausarbeitet, wird verhaftet. Nur geht es bei Sergei nicht mehr um die Frage, ob er überlebt, sondern darum, was ihm bis zu seinem späteren Auftauchen in For All Mankind widerfährt. Dasselbe gilt für Irina. Ihre Entscheidungen können ihre Karriere, ihre Beziehungen und ihren Blick auf die Welt verändern, aber nicht ihr bekanntes Überleben ausradieren.
Das nimmt den Szenen nicht jede Wirkung. Schließlich kann ein Mensch auch lebend aus einer Situation hervorgehen und dabei beinahe alles andere verlieren. Der unmittelbare Nervenkitzel fällt dennoch kleiner aus. Sobald Sergei von Soldaten abgeführt wird, wartet ein Teil des Publikums nicht auf sein mögliches Ende, sondern auf die Erklärung, wie er aus dieser Lage wieder herauskommt.
Für Valya, Sasha und Tanya gibt es kein Sicherheitsnetz
Sehr viel härter trifft das Finale dort, wo For All Mankind keine Antworten bereithält. Valya (Adam Nagaitis) erkennt, dass nur ein Opfer die beschädigte Venera wieder auf Kurs bringen kann. Er steigt in das für die Venus bestimmte Raumfahrzeug, korrigiert die Flugbahn seiner Freunde und erreicht selbst noch die Oberfläche des Planeten, bevor der Druck ihn tötet. Auch Sasha (Solly McLeod) besitzt keinen bekannten Schutz durch die Mutterserie. Nachdem die sowjetischen Streitkräfte Venera kurz vor der finnischen Grenze beschießen, flieht er gemeinsam mit Lakshmi (Priya Kansara) zu Fuß.
Wenige Meter vor der Freiheit bleibt Sasha zurück und lässt sich festnehmen, damit Lakshmi entkommen kann. Zugleich entscheidet er sich damit gegen ein Leben im Westen und für die kleine Chance, Anastasia (Alice Englert) noch einmal wiederzusehen. Tanya (Ruby Ashbourne Serkis) erreicht Paris, ohne von Valyas Tod zu wissen. Dass ihr in der letzten Einstellung jemand folgt, eröffnet sofort die nächste Bedrohung. Bei ihr, Sasha, Lakshmi und Anastasia fehlt das Sicherheitsnetz einer bereits erzählten Zukunft. Jede Festnahme und jeder Schuss können ihr endgültiges Ende bedeuten.
Die geteilte Spannung ist eher Kalkül als Schwäche
Man könnte Star City vorwerfen, dass die Serie bei Irina und Sergei mit einer Gefahr arbeitet, deren Ausgang längst feststeht. Das Finale scheint dieses Problem jedoch zu kennen. Seine schmerzhaftesten Entscheidungen überlässt es Valya, Sasha, Anastasia und Tanya, also jenen Menschen, deren Zukunft noch nicht geschrieben ist. Irina und Sergei tragen dafür eine andere Art von Spannung. Bei ihnen beobachten wir nicht, ob sie aus dem System herauskommen, sondern wie tief es sich in ihnen festsetzt. Das ist weniger aufregend, kann langfristig aber ebenso ergiebig werden. Für Neulinge bleibt „The Wolves“ trotzdem das nervenaufreibendere Finale. Sie wissen noch nicht, wer in dieser Nacht nur verhaftet wird und wer aus der gemeinsamen Geschichte für immer verschwindet.
Wird es eine 2. Staffel von „Star City“ geben?
Offiziell hat Apple TV+ eine zweite Staffel von Star City bislang nicht angekündigt. Das achtteilige Spin-off zu For All Mankind wurde zunächst als eigenständige erste Staffel bestellt und auch zum Start ausschließlich als solche beworben. Dennoch stehen die Chancen nicht schlecht: Die Serie überzeugte Kritiker mit ihrem spannenden Blick auf das sowjetische Raumfahrtprogramm, während Rhys Ifans und Anna Maxwell Martin viel Lob für ihre Leistungen erhielten. Ob die Geschichte weitergeht, dürfte nun vor allem davon abhängen, wie erfolgreich sich Star City bei den Abrufzahlen und der Aufmerksamkeit für Apple TV+ schlägt.















