
Spider-Man und der Punisher: Ihre Beziehung ist komplizierter, als man denkt
Seit dem 29. Juli teilen sich Spider-Man und der Punisher zum ersten Mal die große Leinwand. In Spider-Man: Brand New Day (2026) schwingt sich Peter Parker (Tom Holland) als Vollzeit-Held durch New York, an seiner Seite Punisher Frank Castle (Jon Bernthal), ein Mann, der Verbrecher erschießt, ohne mit der Wimper zu zucken. Zwei Helden, die weniger zusammenpassen könnten, muss man lange suchen. Ausgerechnet diese beiden aber verbindet eine Geschichte von über 50 Jahren, und sie fängt mit einem kleinen Marvel-Skandal an. Der Punisher kam nämlich in einem Spider-Man-Heft zur Welt, und zwar als Auftragskiller, der Peter Parker um die Ecke bringen sollte.
Geboren, um Spider-Man zu töten
Im Februar 1974 taucht Frank Castle erstmals auf – in „The Amazing Spider-Man“ Nr. 129. Erdacht wurde er von Autor Gerry Conway, gezeichnet von Ross Andru; das markante Totenkopf-Motiv geht auf John Romita Sr. zurück, den Namen steuerte Stan Lee bei.

In derselben Ausgabe debütiert auch ein neuer Bösewicht: der Jackal. Er überzeugt Castle davon, Spider-Man sei ein kaltblütiger Mörder, und heuert ihn an, den Helden zu töten. Mit militärischem Gerät jagt Frank seinen Gegner über die Dächer der Stadt – fest überzeugt, das Richtige zu tun. Erst als er die Lüge durchschaut, lässt er von Spider-Man ab.
Castle wird damit als reiner Gegenspieler eingeführt. Dass aus diesem Bösewicht einmal einer der populärsten Antihelden von Marvel werden würde, ist zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar. Sein Ursprung bleibt untrennbar mit der Welt seines ersten Gegners verbunden.
Vom Erzfeind zum Partner auf Zeit
Nach diesem Fehlstart kreuzen sich ihre Wege in kurzen Abständen, und schnell zeigt sich eine Dynamik, die für ihr Verhältnis typisch wird. Schon bald raufen sie sich zu ersten, zähneknirschenden Zweckbündnissen zusammen. Gegen den Kriminellen Tarantula etwa ziehen sie gemeinsam los, und Castle lässt sich sogar darauf ein, dieses Mal auf tödliche Gewalt zu verzichten.

Das ist erstaunlich, denn den finalen Schuss wegzulassen, ist sonst nicht Franks Art. In „The Amazing Spider-Man“ Nr. 201 und 202 von 1980 will er einen Drogendealer erschießen, und wieder ist es Spider-Man, der sich querstellt und ihn davon abhält. Beide Male hält Frank an einer Stelle inne, an der er sonst längst abgedrückt hätte, und ausgerechnet Spider-Man steht daneben.
Spider-Man bremst den Punisher wie kein anderer
Der Grund für dieses Innehalten liegt in der Herkunft der beiden. Peter Parker und Frank Castle wurden beide von einem Verlust getrieben, haben daraus aber das genaue Gegenteil gemacht. Peter verliert seinen Onkel Ben und entscheidet sich, mit seinen Kräften Leben zu retten, statt welche zu nehmen. Frank verliert seine ganze Familie durch einen Mord und führt seither einen Feldzug, in dem der Tod zum Werkzeug wird. Wer neben Spider-Man steht, steht damit immer auch neben dem Mann, der sich für den anderen Weg entschieden hat, und das lässt sich schwer beiseiteschieben.
Erzählt hat Marvel dieses Verhältnis über die Jahrzehnte in vielen Varianten. In „Civil War“ von 2006 landen die beiden sogar im selben Widerstand gegen ein Registrierungsgesetz für Superhelden. Später schließt sich Spider-Man mit dem Punisher und dem Helden Daredevil zu einem Dreiergespann zusammen, um New Yorks Verbrechersyndikate auszuheben. Und pünktlich zum Filmstart schickt Marvel die beiden mit der Comicreihe „Punisher vs. Spider-Man“ zurück in ihre Anfangszeit, kurz nach jenem ersten Aufeinandertreffen von 1974.

Auf der Leinwand ist von all dem noch nichts entschieden. Spider-Man: Brand New Day zeigt Peter Parker als Held, der zum ersten Mal ganz allein für seine Stadt geradesteht, und stellt ihm mit Frank Castle jemanden zur Seite, der Gerechtigkeit völlig anders versteht. Ob Peter den Punisher auch dieses Mal bremsen kann oder ob am Ende eher Frank abfärbt, gehört zu den spannenderen Fragen, die der Film mit ins Kino bringt.














