
Denkst du auch an Deutschlands „Sommermärchen“ 2006? Diese WM-Doku machte es unvergesslich
Es ist wieder Sommer, es ist wieder Weltmeisterschaft. Und plötzlich denkt man noch einmal an 2006. An volle Fanmeilen, hupende Autokorsos und das Gefühl, dass für ein paar Wochen alles möglich war. Das Sommermärchen liegt inzwischen 20 Jahre zurück – und fühlt sich trotzdem noch immer erstaunlich nah an.
Dass diese Erinnerungen bis heute so lebendig sind, hat auch mit einem Film zu tun. Mit Deutschland. Ein Sommermärchen (2006) begleitete Regisseur Sönke Wortmann die Nationalmannschaft so nah wie nie zuvor und schuf damit das wohl wichtigste Zeitdokument jener WM. Während Deutschland sich bei der aktuellen Weltmeisterschaft durch die Gruppenphase kämpft, lohnt sich deshalb ein Blick zurück auf die Doku, die den Fußball-Sommer 2006 für immer festhielt.
Wie aus einer WM ein Märchen wurde
2006 war Deutschland Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft, doch die Erwartungen an die Nationalmannschaft hielten sich in Grenzen. Nach Jahren sportlicher Enttäuschungen blickten viele Fans dem Turnier mit Skepsis entgegen. Dann spielte sich das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann in einen Rausch aus Leichtigkeit, Mut und Offensivfußball.
Schwarz-Rot-Gold hing plötzlich an jedem Auto und auf jedem Balkon, und ein ganzes Land sang die Hymne lauthals mit. Das Halbfinale gegen Italien ging zwar verloren, doch die Stimmung im Land litt darunter erstaunlich wenig. Vier Wochen lang fühlte es sich an, als würde ein ganzes Land sich selbst neu entdecken, und genau dieses Gefühl gab dem Sommer seinen Namen.
Die Doku, die mitten ins Geschehen führte
Regisseur Sönke Wortmann, der mit Das Wunder von Bern (2003) bereits einen Fußballklassiker über die WM 1954 gedreht hatte, bekam für diese WM einen Zugang, wie ihn vorher kaum jemand hatte. Mit Kameramann Frank Griebe begleitete er die Nationalmannschaft monatelang, vom Trainingslager auf Sardinien bis in die Stadionkabinen direkt vor und nach den Spielen.
Aus rund 100 Stunden Material entstand ein knapp zweistündiger Film, der chronologisch beim bittersten Moment beginnt, der Niederlage gegen Italien, und von dort aus den Weg dorthin nachzeichnet. Zu sehen sind Trainingsszenen, taktische Besprechungen und die mitreißenden Kabinenansprachen von Klinsmann, aber auch leisere, fast zufällige Momente. Etwa wenn Lukas Podolski (als er selbst) unsanft von Bastian Schweinsteiger (als er selbst) aus dem Schlaf gerissen wird, oder wenn Oliver Neuville (als er selbst) sich sichtlich unwohl bei einer Dopingkontrolle nach dem Spiel zeigt. Diese kleinen, fast beiläufigen Szenen geben dem Film seine besondere Note. Statt nur Tore und Jubelbilder aneinanderzureihen, zeigt er eine Mannschaft in Momenten, in denen sie nicht Leistung zeigt, sondern einfach nur sie selbst ist.
Das Sommermärchen wirkt bis heute nach
Deutschland. Ein Sommermärchen wurde zur erfolgreichsten Dokumentation, die je in deutschen Kinos lief, mit knapp vier Millionen Zuschauern allein im Kino und über zehn Millionen, als die ARD den Film im Dezember 2006 erstmals im Fernsehen zeigte.
Auch Jahre später hielt das Interesse an, etwa als zur Special Edition über 100 Minuten zusätzliches Material sowie ein Audiokommentar von Wortmann und Schweinsteiger erschienen. Der Film schafft etwas, das reine Spielzusammenfassungen nicht können. Er zeigt, wie eine Mannschaft zu einer Gemeinschaft zusammenwächst, und wie ein Land nebenbei sein Verhältnis zu sich selbst neu verhandelt.
Wo du den Film anschauen kannst
Im Streaming-Abo ist Deutschland. Ein Sommermärchen derzeit nicht verfügbar, lässt sich aber auf DVD bei Videobuster leihen oder bei Amazon kaufen. Wer das Sommermärchen-Gefühl auch international einfangen möchte, findet außerdem den offiziellen FIFA-Film zur WM 2006, All the Goals of 2006 FIFA World Cup Germany (2006) bei Amazon Video zum Leihen.






























