
Soldier Boy nach The Boys: Verdient er wirklich ein eigenes Spinoff?
Mit dem Ende von The Boys steht das nächste Projekt aus dem Vought-Universum schon bereit: Vought Rising, ein Prequel, das in den 1950ern spielt und Jensen Ackles als Soldier Boy ins Zentrum rückt, soll 2027 bei Prime Video starten. Die Serie erzählt von den frühen Jahren des Vought-Konzerns, von Soldier Boys ersten Einsätzen und von Stormfront, die damals noch unter dem Namen Clara Vought auftritt. Amazon setzt also sofort auf Nachschub, was bei einem der erfolgreichsten Projekte der Plattform niemanden wirklich überrascht. Die interessantere Frage ist eine andere: Reicht das Interesse an diesem Universum noch für ein weiteres Spinoff aus?
Soldier Boy brachte eine andere Energie in The Boys
Soldier Boy funktionierte in Staffel 3 nicht wie ein typischer neuer Gegenspieler. Die Figur wirkte älter, schwerer und gefährlicher als vieles, was The Boys zuvor gezeigt hatte. Homelander verliert oft die Kontrolle, rastet aus und reagiert wie ein beleidigtes Kind mit Superkräften - Soldier Boy dagegen bleibt meistens ruhig. Seine Gewalt wirkt kalkuliert, fast beiläufig, als wäre sie einfach schon immer so gewesen. Die Serie zeigte ihn als Mann, der Jahrzehnte lang gelernt hat, dass Härte Respekt schafft und Schwäche bestraft werden muss, und Jensen Ackles hat daraus eine Figur gemacht, bei der man nie ganz sicher ist, ob gleich ein trockener Kommentar kommt oder jemand durch die Wand fliegt. Selbst später hatte Soldier Boy oft mehr Präsenz als Figuren, die seit Jahren zum Kern der Serie gehören. Dazu kommt, dass Vought Rising deutlich fokussierter wirken könnte als die Hauptserie zuletzt. The Boys jonglierte in den vergangenen Staffeln oft gleichzeitig mit zu vielen Handlungssträngen. Das Prequel muss dieses Tempo nicht übernehmen und kann sich stärker auf Atmosphäre und den Noir-Ton der 1950er konzentrieren.
Die 1950er sind die eigentliche Chance von Vought Rising
Die 1950er passen erstaunlich gut zu diesem Universum. The Boys erzählte schon immer von Macht, Vermarktung und politischer Kontrolle - Superhelden waren dort nie bloß Helden, sondern Produkte, Werbefiguren und Werkzeuge eines Konzerns. Vought Rising kann viel direkter zeigen, wie dieses System überhaupt entstanden ist, in einer Nachkriegszeit, die geprägt war von aggressivem Patriotismus, Angstpolitik und dem Glauben an starke öffentliche Bilder. Für einen Konzern wie Vought ist das die ideale Umgebung. Das Problem ist nur, dass diese Themen im Jahr 2027 nicht mehr wie Satire klingen werden, sondern wie der Blick aus dem Fenster. The Boys hatte in seinen stärksten Staffeln immer die Fähigkeit, die Realität zu übertreiben bis es wehtut, aber was passiert, wenn die Realität schon wehtut und die Übertreibung kaum noch nötig ist? Dazu kommt Stormfront, die in The Boys zu den unangenehmsten Figuren der gesamten Serie gehörte, weil sie ihren Extremismus offen auslebte statt ihn hinter freundlichen PR-Botschaften zu verstecken. Eine Prequel-Serie, die ihr deutlich mehr Raum gibt, bewegt sich auf echtem Drahtseil. Kripke hat betont, dass Vought Rising sie nicht rehabilitieren soll, aber mehr Screentime macht Figuren unweigerlich greifbarer, und eine Satire verliert schnell ihre Schärfe, wenn aus Distanz Faszination wird.
Das Franchise wirkt nicht mehr so unangreifbar wie früher
Vor ein paar Jahren hätte ein neues The Boys-Spinoff wahrscheinlich automatisch wie ein sicherer Erfolg gewirkt. Inzwischen sieht die Lage anders aus. Generation V wurde nach zwei Staffeln eingestellt, obwohl die ersten Reaktionen überwiegend positiv waren, und gleichzeitig taucht seit Staffel 4 von The Boys immer häufiger derselbe Kritikpunkt auf: Viele Zuschauer haben das Gefühl, dass die Serie ihre Schockmomente nach bekannten Mustern aufbaut. Szenen, die früher chaotisch und unberechenbar wirkten, fühlen sich inzwischen oft kalkulierter an, was nicht bedeutet, dass The Boys plötzlich schlecht geworden ist, aber einen Teil des Überraschungseffekts kostet, der die Serie anfangs so stark gemacht hat. Vought Rising könnte davon profitieren, wenn das Prequel einen anderen Rhythmus findet. Die 1950er, der Noir-Ton und der stärkere Fokus auf Vought selbst geben der Serie zumindest die Möglichkeit, sich klarer vom Rest des Franchise abzugrenzen. Ob das Publikum nach dem Ende von The Boys trotzdem noch Lust auf dieses Universum hat, bleibt offen.













