
He-Mans größter Feind wurde von einer echten Leiche inspiriert
Ein Kind, eine Geisterbahn, eine Leiche an einem Strick. Mark Taylor war neun Jahre alt, als sein Vater ihn in die „Laff in the Dark“-Attraktion im Vergnügungspark The Pike in Long Beach, Kalifornien, mitnahm. Was er dort sah, hat er nie vergessen. Jahrzehnte später, als Mattel-Designer, zeichnete er Skeletor – He-Mans Erzfeind aus He-Man and the Masters of the Universe (1983).

Die Dokumentation Die Macht von Grayskull (2017), kostenlos bei JustWatch TV zu sehen, erklärt, dass Skeletor aus den eigenen, verstörenden Kindheitserfahrungen des Spielzeugingenieurs von Mattel mit einem echten menschlichen Skelett in einem Geisterhaus in Long Beach, Kalifornien, entstand.
Die echte Leiche
Elmer McCurdy wurde am 1. Januar 1880 in Washington, Maine, geboren. Armee, Alkohol, Gelegenheitsjobs, Kriminalität. Am 4. Oktober 1911 überfiel er mit Komplizen einen Zug in Oklahoma. Den falschen. Statt des Geldtransports, auf den er es abgesehen hatte, plünderte er einen Personenzug. Beute: 46 Dollar und zwei Krüge Whiskey.
Drei Tage später fanden Sheriff-Beamte McCurdy in einer Scheune nahe Bartlesville. Er schoss. Sie schossen zurück. Am 7. Oktober 1911 war er tot. Der Körper kam ins Beerdigungsinstitut Johnson in Pawhuska, Oklahoma. Er wurde mit Arsen einbalsamiert. Weil niemand ihn abholte, stellte der Leichenbestatter ihn als Schauobjekt auf – fünf Cent Eintritt. Sein neuer Name: „Der einbalsamierte Bandit“.

1916 kamen zwei Männer ins Beerdigungsinstitut und behaupteten, McCurdys Brüder zu sein. Eine Lüge. Es waren Charles Patterson, Besitzer der Great Patterson Carnival Shows, und sein Kompagnon. Sie wollten die Leiche für ihre Wandershow. Sie bekamen sie.
Was folgte, waren sechs Jahrzehnte als Requisit. McCurdy hing in Jahrmarktszelten. Er diente als Requisite in einer Kinolobby. Er wurde beim Mount Rushmore ausgestellt. In einem Sturm verlor er Ohrmuscheln, Fingerspitzen, Zehen. Schließlich, nach weiteren Stationen durch Wachsfigurenkabinette und Billighorrorfilme, landete er in Long Beach im The Pike Amusement Park. Mit fluoreszierender Farbe überzogen, an einem Strick hängend in der Geisterbahn. Niemand wusste, wer er war.
Der Junge in der Geisterbahn
Mark Taylor wusste es zunächst auch nicht. Aber er war sich sicher, dass das kein Requisit war. „Auf einmal wusste ich, dass das ein echter Mensch war, gar keine Frage“, sagte er später in der Netflix-Dokuserie The Toys That Made Us. „Das war absolut eine echte Person. Und daher stammt Skeletor.“

McCurdys einbalsamierte Haut hatte die Farbe und Konsistenz von Leder. Die fluoreszierende Farbe ließ seinen Schädel glühen. Das Bild eines im Halbdunkel leuchtenden toten Gesichts – das blieb hängen. Und Skeletor, der Herr der Zerstörung, sah später genauso aus.
Am 22. April 1977 wurde Elmer McCurdy dann schließlich in Guthrie, Oklahoma, beigesetzt. Zwei Fuß Beton über dem Sarg. Damit er nicht noch einmal wegkommt.
Und Skeletor?
Jared Leto spielt ihn in Masters of the Universe (2026), Regie Travis Knight, als aufwendig inszenierten Hauptantagonisten – die erste Realverfilmung der Figur seit dem Dolph-Lundgren-Film von 1987.

Der Schädel wirkt moderner inszeniert. Die Grundidee der Figur ist dieselbe. Ja, es entstand alles ganz „simpel“: als ein Neunjähriger in einer Geisterbahn in Long Beach eine Leiche sah.





























