
„Scary Movie 6“: Die heikelste Szene des Films ist auch die klügste
Die Wayans-Brüder sind nach 25 Jahren zurück in ihrem eigenen Franchise – und ausgerechnet ein sadistischer Killer-Clown stiehlt ihnen die Show. In Scary Movie 6 (2026) verteilt Art the Clown als Weihnachtsmann verstümmelte Körperteile an Kinder im Einkaufszentrum. Was wie die geschmackloseste Idee des Films klingt, wird von ersten Kritikern als eines der Höhepunkte gefeiert.
Falls Scary Movie (2000) nicht mehr ganz präsent ist: Die Filme machten Marlon und Shawn Wayans zu Königen der Horror-Parodie. Gemeinsam mit Cindy Campbell (Anna Faris) und Brenda Meeks (Regina Hall) nahmen sie die größten Horrorfilme ihrer Zeit auseinander. Die Brüder verließen die Reihe nach dem 2. Teil und sind nun wieder dabei. 13 Jahre sind seit dem letzten Film vergangen.
Die Szene und der Slasher dahinter
Terrifier 3 (2024) ist ein Slasher von Damien Leone, in dem der grinsende, stumme Killer-Clown Art (David Howard Thornton) Menschen mit maximaler Brutalität zerlegt. Die Filme sind dafür berühmt, dass Zuschauerinnen regelmäßig aus dem Kino taumeln, manche sollen sich übergeben haben. Im dritten Teil zieht Art ein rotes Weihnachtsmannkostüm an, geht in eine Mall und jagt eine Gruppe Kinder in die Luft. Die Sequenz flog im finalen Schnitt zunächst raus und fand später in gekürzter Form wieder hinein.
Scary Movie 6 spielt das nach, mit eigener Note. Statt Geschenken bekommen die Kinder von Art zweckentfremdete Körperteile, und dazu spielen die Wayans-Brüder mit Insidern aus der Terrifier-Welt: Felissa Rose, bekannt aus Blutiger Sommer - Das Camp des Grauens (1983) und schon in Terrifier 2 (2022) dabei, taucht blutüberströmt auf. Und Michael Leavy, Produzent der Terrifier-Filme und im ersten Teil als Kammerjäger Will im Bild, hat einen Kurzauftritt.
Mit dieser Besetzung zeigen die Macher, dass sie die Vorlage kennen und das, was sie hier auseinandernehmen, ernst nehmen. Für Scary Movie 6 ist das nicht selbstverständlich. In früheren Teilen war das Verhältnis zur Vorlage schnoddriger, da hieß es: einmal drüber lachen, dann ging es zum nächsten Gag. Dieses Mal wirkt es anders. Mit Marlon und Shawn Wayans sind die kreativen Köpfe der ersten beiden Filme zurück, und man spürt, dass sie wieder genauer hinschauen.
Wenn die Vorlage längst ihre eigene Parodie ist
Die alte Scary Movie-Formel ist simpel: einen ernsthaften Horrorfilm nehmen, seine Mechanik bis zur Albernheit aufdrehen und dem Publikum beim Lachen zusehen. Bei Scream (1996), dem Anlass für den allerersten Scary Movie im Jahr 2000, hat das wunderbar geklappt, und bei The Ring (2002), Saw (2004) und der frühen 2000er-Welle ebenso. Die Originale meinten es ernst, die Parodie zeigte den absurden Kern.
Bei der Terrifier-Reihe funktioniert das nicht mehr, weil sich die Reihe schon im Original kein bisschen ernst nimmt. Sie ist absurd brutal und stolz darauf, eine Liebeserklärung an die billigen Splatter-Filme der 70er und 80er, deren fieseste Szenen schon wie Karikaturen des Genres wirken. Für eine Parodie bleibt da keine Steigerung mehr.

Die Wayans-Brüder haben das offenbar verstanden. Statt zu übertreiben, was hier ohnehin nicht ginge, spielen sie in der Santa-Sequenz mit ihrer Vorlage: Sie zitieren Terrifier 3 präzise und packen die Szene mit Insidern voll. In den ersten US-Reviews zählt die Sequenz zu den klugen Stellen des Films, während spätere Anspielungen auf M3GAN (2022), Get Out (2017) oder The Substance (2024) als blanke Wiedererkennung abgetan werden. Die blutigen Sketches insgesamt gelten als die Hits dieses von Scary Movie 6.
Wann „Scary Movie“ am stärksten ist
Vor dem Kinostart war der Pronomen-Gag aus dem Trailer der laute Aufreger. Eine Person wird in der U-Bahn von Ghostface, dem maskierten Killer aus Scream, angegriffen, jemand ruft „Er hat sie erstochen!“, und das Opfer korrigiert mitten im Sterben seine Pronomen.
Online entfachte die Szene sofort eine Debatte. Konservative US-Medien feierten den Witz als Seitenhieb auf die sogenannte Cancel Culture, während Popkultur-Magazine ihn als altbacken und wenig originell kritisierten. Aus queeren Communitys kam dagegen auch ein anderer Blick: Gerade weil Marlon Wayans selbst einen trans Sohn hat, könne der Gag auch als solidarischer Kommentar verstanden werden.
In den ersten Kritiken verschiebt sich das Bild. Das eigentliche Problem des Films sehen viele Rezensenten nicht in seinen Horror-Parodien, sondern in den Momenten, in denen die Wayans-Brüder Witze über trans und nichtbinäre Menschen machen. Solange Scary Movie 6 Horrorfilme und Popkultur aufs Korn nimmt, funktioniert der Humor. Kritisch wird es für viele erst dort, wo nicht mehr das Genre, sondern reale Menschen zur Pointe werden.
Im direkten Vergleich ist die Weihnachtsmann-Szene sogar die für das Genre stimmigere Provokation, auch wenn sie weit weniger Diskussionen auslöst. Sie greift eine berüchtigte Szene aus Terrifier 3 auf und treibt sie konsequent ins Absurde. Der viel diskutierte Pronomen-Witz wirkt dagegen wie ein Relikt der vergangenen Jahre und hat mit Horror nichts zu tun.
Scary Movie 6 ist immer dann am stärksten, wenn der Film das macht, was die Reihe am besten kann: Horrorfilme genau zu beobachten und ihre Eigenheiten gnadenlos zu überzeichnen. An anderen Stellen verliert er sich im Tageslärm.













































