
Sam Heughan nach „Outlander“: Diese 8 Filme und Serien zeigen seine andere Seite
Nach zwölf Jahren ist es so weit: Jamie Fraser hat sein Schwert das letzte Mal gezogen, das Serienfinale von Outlander (2014) ist Mitte Mai 2026 über den Atlantik gewandert, und in Deutschland steht die finale Staffel inzwischen auch bereit. Für Sam Heughan endet damit eine Rolle, die ihn seit 2014 begleitet und zu einer Marke gemacht hat, die kaum noch von ihm zu trennen ist.
Die Frage drängt sich auf, wer dieser Schauspieler eigentlich ist, wenn er nicht gerade einen schottischen Hochlandkrieger spielt. Eine Antwort liegt verstreut in seiner Filmografie zwischen Sci-Fi-Action, Romcom, Krimi und dunklem Vorstadtthriller. Acht Stationen zeigen, was Heughan jenseits von Jamie Fraser kann und wo sich der Blick gerade jetzt lohnt, wo die Highlands erst einmal Pause machen.
Quer durch Europa von Berlin bis Prag jagen sich Mila Kunis und Kate McKinnon als unwillig in die Spionagewelt gestolperte beste Freundinnen, und Sam Heughan taucht dazwischen als undurchsichtiger MI6-Mann auf.
Bad Spies (2018) ist eine Action-Komödie von Regisseurin Susanna Fogel, die im Original The Spy Who Dumped Me heißt und damit auf den Bond-Klassiker Der Spion, der mich liebte (1977) anspielt. Heughan spielt Sebastian Henshaw, einen britischen Geheimdienstler, dessen Loyalitäten so lange unklar bleiben, wie es das Drehbuch fordert. Das ist sein erster echter Hollywood-Auftritt nach Outlander, und die Rolle nutzt vor allem, was er aus der Serie schon mitbringt: einen Akzent, der nicht erklärt werden muss, und eine Physis, die für Action-Choreografien gemacht ist. Wer ihn zum ersten Mal in einer rein komödiantischen Welt sehen will, in der er gegen Kate McKinnons absurde Energie bestehen muss, findet hier den Akteur, den Outlander selten zeigt.
Zum ersten Mal trägt Sam Heughan hier schwarze Kampfausrüstung, hat kybernetische Beinprothesen und kämpft gegen Vin Diesel, und viele Outlander-Fans brauchten 2020 einen Moment, um Jamie Fraser unter der Maskerade wiederzuerkennen.
Bloodshot (2020) basiert auf einer Comic-Vorlage von Valiant Entertainment und ist Heughans erste klare Antagonisten-Rolle in einem Hollywood-Studio-Produkt. Er spielt Jimmy Dalton, einen ehemaligen Navy SEAL mit Robotik-Prothesen, der im Auftrag von Dr. Emil Harting (Guy Pearce) den durch Nanotechnologie auferweckten Supersoldaten Ray Garrison (Vin Diesel) gegen dessen eigene Erinnerungen aufhetzt. Das fertige Produkt ist ein durchwachsenes Sci-Fi-Spektakel, das durch Corona kurz nach Kinostart in die Heim-Auswertung gespült wurde und seine 45 Millionen Dollar Budget nie ganz rechtfertigen konnte. Trotzdem lohnt der Blick, weil Heughan hier zum ersten Mal zeigt, wie gut ihm Kontrollverlust und moralisch fragwürdige Energie stehen, ohne dass die Jamie-Fraser-Wärme dazwischenfunkt.
Wenn schwer bewaffnete Söldner unter Führung von Grace Lewis (Ruby Rose) den Eurostar nach Paris kapern, dann hilft kein Standardprotokoll, sondern nur der eine SAS-Mann an Bord, der zufällig in den falschen Zug gestiegen ist. SAS - Alarm im Eurotunnel (2021), im Original SAS: Red Notice, basiert auf dem ersten Roman einer Trilogie von Andy McNab, dem britischen Ex-SAS-Soldaten, der nach seinem Ausstieg aus der Armee zum Bestsellerautor wurde.
Heughan spielt Tom Buckingham, einen charmanten Soldaten mit einer dunklen Besonderheit, den der Film offen als hochfunktionalen Psychopathen anlegt: empathiefrei, aber gut darin, Empathie zu simulieren. Das ist die intelligenteste Idee des ansonsten ziemlich konventionellen Drehbuchs, und Heughan nutzt sie für eine kühlere, gefährlichere Variante seiner Leinwand-Persona. Er trägt den Film fast im Alleingang, und die Körperlichkeit, die ihn als Jamie Fraser geprägt hat, ist hier ohne romantischen Filter zu sehen.
In einem kleinen, kaum bemerkten Auftritt schlüpft Sam Heughan hier in die Rolle des Hollywood-Stars Paul Newman, der die trauernde Patricia Neal an seinem Filmset trifft und ihr eine Rolle in Hud - Der Wildeste unter tausend (1963) anbietet.
To Olivia (2021) ist ein britisches Drama von John Hay, das die wahre Geschichte hinter dem Tod von Roald Dahls (Hugh Bonneville) siebenjähriger Tochter Olivia im Jahr 1962 erzählt und die Ehe mit seiner Frau Patricia Neal (Keeley Hawes) in dieser Krise begleitet. Heughans Auftritte als Newman umfassen vielleicht fünfzehn Minuten Gesamtlänge, aber er spielt sie mit einer Zurückhaltung, die in seiner Filmografie eher selten ist, weniger Charme und mehr Aufmerksamkeit. Das ist nicht der Film, in dem Heughan glänzen muss, was diese Performance erst möglich macht. In diesen wenigen Minuten zeigt Heughan eine Bereitschaft, die Aufmerksamkeit nicht zu beanspruchen, sondern an Bonneville und Hawes weiterzureichen, was in seiner sonstigen Filmografie tatsächlich selten ist.
Eine Frau (Priyanka Chopra Jonas) schickt Trauer-SMS an die Nummer ihres verstorbenen Verlobten, die längst weitervergeben wurde, und Sam Heughan empfängt sie auf seinem neuen Arbeitshandy. Love Again (2023) ist ein US-Remake der deutschen Liebeskomödie SMS für Dich (2016) von Karoline Herfurth, die wiederum auf dem Roman von Sofie Cramer basiert, und Heughan übernimmt darin die männliche Hauptrolle des Musikjournalisten Rob Burns.
Drumherum gibt es Manhattan-Panoramen, einen Auftritt von Céline Dion als sich selbst, und eine Handlung, die ihre eigenen Wendungen so brav abarbeitet, dass das Drehbuch fast nach Hilfe rufen müsste. Die Kritik war freundlich gelangweilt, das Publikum überwiegend versöhnt. Sehenswert ist der Film vor allem als Beleg dafür, dass Heughan auch den klassischen Romcom-Lead trägt, der nichts mit Highlands und allem mit New Yorker Coffeeshops zu tun hat.
Es gibt eine Vorstadtsiedlung in Leeds, in der die Häuser teurer aussehen, als ihre Bewohner sich eingestehen wollen, und in der niemand wirklich glücklich ist.
The Couple Next Door (2023), in Deutschland bei RTL+ und RTL Crime unter dem Beititel Paare mit Geheimnissen veröffentlicht, ist eine Koproduktion von Channel 4 und Starz, sechs Episoden lang und lose adaptiert aus der niederländischen Vorlage The Neighbours (2014). Sam Heughan spielt Danny, einen Verkehrspolizisten mit Bodybuilder-Statur und gut sichtbarer Eitelkeit, dessen Yoga-trainierte Ehefrau Becka (Jessica De Gouw) und er sich mit dem neu eingezogenen Nachbarspaar Evie (Eleanor Tomlinson) und Pete (Alfred Enoch) anfreunden, was schnell sehr körperlich wird. Das ist die bislang dunkelste und sexuell direkteste Rolle in Heughans Karriere, und die Serie nutzt das Outlander-Image entweder bewusst oder unbewusst als Köder. Wer wissen will, wie weit Heughan sich von Jamie Fraser wegspielen kann, hat hier seinen Beleg in sechs Folgen.
2011 trug Sam Heughan noch keinen Kilt, hatte noch nicht den Körperbau eines Highland-Kriegers und küsste Katie McGrath unter dem Mistelzweig, während Sir Roger Moore daneben würdevoll lächelte. Eine Prinzessin zu Weihnachten (2011) ist der einzige Heughan-Auftritt vor Outlander, der im deutschsprachigen Raum überhaupt eine nennenswerte Verbreitung gefunden hat, und schon die Kuriosität allein lohnt das Reinschauen.
Heughan spielt Ashton, den höflichen Prinzen von Castlebury, der sich in die amerikanische Tante Jules Daly verliebt, die ihre verwaisten Nichten und Neffen über Weihnachten auf das familieneigene Schloss begleitet. Wer eine raffiniert konstruierte Komödie erwartet, ist hier falsch, weil der Film genau das liefert, was die Verpackung verspricht. Für Outlander-Fans steckt trotzdem ein echter Mehrwert drin, weil Heughan hier so unfertig und weich wirkt, dass die spätere Transformation zu Jamie Fraser fast wie eine zweite Person danebensteht.




















































