Von „Der Pate“ bis „Der Kinderflüsterer“: Robert De Niro durch die Jahrzehnte

Von „Der Pate“ bis „Der Kinderflüsterer“: Robert De Niro durch die Jahrzehnte

Veröffentlicht am02. September 2026

Aktualisiert am02. September 2026

Add us on

Mit 83 Jahren muss Robert De Niro niemandem mehr beweisen, dass er eine Schauspielikone ist. Ans Aufhören denkt er trotzdem nicht. Seit dem 28. August in Der Kinderflüsterer (2026) wieder bei Netflix zu sehen – und erinnert ganz nebenbei daran, wie erstaunlich lang seine Karriere inzwischen dauert. De Niro spielte schließlich nicht nur den jungen Vito Corleone in Der Pate – Teil II (1974), sondern gehört selbst längst zu den großen Paten der Filmgeschichte.

Seine Laufbahn ist geprägt von Mafia-Klassikern, kaputten Männern, schwarzem Humor und Blicken, bei denen andere besser nicht nachfragen. Jahrzehntelang war sein Name so eng mit dem Kino verbunden, dass das Fernsehen für ihn beinahe wie eine andere Welt wirkte. Seine erste Hauptrolle in einer Fernsehserie übernahm er tatsächlich erst 2025: Mit 81 Jahren spielte er in Zero Day einen ehemaligen US‑Präsidenten. Umso spannender ist heute der Blick auf eine Laufbahn, die mehrere Generationen Filmgeschichte umfasst und selbst im hohen Alter noch neue Kapitel aufschlägt.

Vito Corleone (Robert De Niro) kommt als junger Einwanderer nach New York, arbeitet sich aus bitterer Armut heraus und baut jene Macht auf, die sein Sohn Michael später erben wird. Francis Ford Coppolas Der Pate - Teil II (1974) erzählt parallel vom Aufstieg des Vaters und vom moralischen Zerfall Michaels (Al Pacino), wodurch De Niro eine berühmte Rolle übernimmt, ohne Marlon Brandos Darstellung nachzuahmen. Er spricht große Teile seiner Rolle auf Sizilianisch und macht Vito nicht mit Lautstärke, sondern mit Ruhe, Blicken und kontrollierter Gewalt gefährlich. Dafür erhielt De Niro seinen ersten Oscar.

Der Film gehört in jede De-Niro-Liste, weil er bereits früh zeigt, was ihn so besonders machte: Selbst in einer weltberühmten Rolle wirkt er nie wie jemand, der eine Legende kopiert.

Ein Taxi gleitet nachts durch New York, und hinter dem Steuer sitzt ein Mann, dem die Stadt langsam den letzten Rest Halt nimmt. Travis Bickle (Robert De Niro) ist Vietnamveteran und schlafloser Einzelgänger, der in Martin Scorseses Taxi Driver (1976) immer tiefer in seine eigenen Gewaltfantasien rutscht. Als er die minderjährige Prostituierte Iris (Jodie Foster) retten will, vermischt sich sein Wunsch nach einer guten Tat endgültig mit Größenwahn und Brutalität.

De Niro macht Travis zugleich abstoßend, einsam und seltsam verletzlich, weshalb der Film bis heute weit mehr ist als die Quelle eines berühmten Spiegelmonologs. Seine Wirkung entsteht aus dieser unangenehmen Nähe zu einem Mann, dessen Gedanken immer gefährlicher werden. Kaum eine Rolle hat De Niros Image als intensiven, unberechenbaren Schauspieler stärker geprägt.

Gewinnen schützt Jake LaMotta (Robert De Niro) vor gar nichts. Der Boxer kann Gegner im Ring niederschlagen, doch außerhalb davon zerstören Eifersucht, Misstrauen und Wut beinahe jede Beziehung, die ihm etwas bedeutet. In Wie ein wilder Stier (1980) folgt Martin Scorsese LaMottas Aufstieg, Absturz und späterem Leben als Entertainer, während De Niro den Mann weder entschuldigt noch zu einem einfachen Monster macht. Seine extreme körperliche Veränderung für die späteren Lebensjahre wurde berühmt, aber die Leistung steckt nicht nur im Gewicht.

De Niro zeigt, wie sich Gewalt in Sprache, Haltung und Schweigen festsetzt. Dafür gewann er seinen zweiten Oscar. Der schwarz-weiße Film fühlt sich zugleich roh und kunstvoll an und gehört zu den Arbeiten, an denen sich bis heute jede Diskussion über De Niros beste Leistungen messen muss.

Rupert Pupkin (Robert De Niro) hält sich längst für einen Star, obwohl außerhalb seines Kopfes kaum jemand davon etwas mitbekommen hat. In King of Comedy (1982) träumt der erfolglose Komiker von einem Auftritt in der Show seines Idols Jerry Langford (Jerry Lewis) und reagiert auf jede Zurückweisung mit noch größerer Selbstgewissheit. Schließlich wird aus peinlicher Fanliebe eine Entführung, nur damit Rupert endlich vor ein Fernsehpublikum darf.

Martin Scorsese dreht daraus keine lärmende Satire, sondern eine erstaunlich nüchterne Geschichte über Ruhm, Anspruchsdenken und die Sehnsucht, unbedingt gesehen zu werden. De Niro ist dabei ungewohnt komisch, aber das Lachen bleibt schnell im Hals stecken. Jahrzehnte vor Social Media wirkt der Film erschreckend vertraut und zeigt eine Seite von De Niro, die neben seinen Gangstern gern unterschätzt wird.

Für Leonard Lowe (Robert De Niro) beginnt das Leben ein zweites Mal, nachdem er jahrzehntelang nahezu regungslos in einer Klinik verbracht hat. In Zeit des Erwachens (1990) behandelt der zurückhaltende Neurologe Malcolm Sayer (Robin Williams) mehrere Patienten mit einem experimentellen Medikament und erlebt, wie Leonard plötzlich wieder sprechen, laufen und seine Umwelt entdecken kann. Was zunächst wie ein kleines Wunder wirkt, bekommt jedoch schnell einen bitteren Unterton, denn Leonard spürt, dass sein neuer Zustand nicht von Dauer sein könnte.

De Niro spielt ihn mit einer körperlichen Genauigkeit, die nie nach Schauspielübung aussieht, und lässt zugleich seine Wut, seine Lebenslust und seine Angst sehr nah heran. Dafür erhielt er eine Oscar-Nominierung. Der Film zeigt eine ganz andere Seite von De Niro und erweitert die Auswahl um eine seiner berührendsten Rollen.

„Solange ich denken kann, wollte ich Gangster werden.“ Diesen berühmten Gedanken hat Henry Hill (Ray Liotta), aber Robert De Niro sorgt dafür, dass man in GoodFellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia (1990) sehr schnell versteht, warum diese Welt zugleich verführerisch und tödlich ist.

Jimmy Conway (Robert De Niro) wirkt zunächst kontrollierter als der explosive Tommy DeVito (Joe Pesci), doch hinter seiner freundlichen Ruhe steckt ein Mann, der Menschen ohne großes Zögern beseitigt, sobald sie zum Risiko werden. Martin Scorsese erzählt den Aufstieg und Fall von Henrys Mafiafamilie mit Tempo, schwarzem Humor und einer Energie, die den Film erstaunlich leichtfüßig beginnen lässt. De Niro braucht hier nicht die Hauptrolle, um den Ton zu bestimmen. Seine Rolle Jimmy zeigt, wie bedrohlich Gelassenheit sein kann, wenn jederzeit Gewalt darunter lauert.

07

Casino
Casino

Casino

1995

Las Vegas glänzt, solange niemand zu genau darauf schaut, woher das ganze Geld eigentlich kommt. Sam „Ace“ Rothstein (Robert De Niro) leitet in Casino (1995) für die Mafia das Tangiers und verwandelt das Geschäft mit seiner fast pedantischen Kontrolle in eine Geldmaschine. Dann geraten seine Ehe mit Ginger McKenna (Sharon Stone) und die Freundschaft mit dem zunehmend brutalen Nicky Santoro (Joe Pesci) außer Kontrolle.

Martin Scorsese erzählt diesen Absturz als rauschende Mischung aus Luxus, Gewalt, Gier und Selbstzerstörung, während De Niro mittendrin ungewöhnlich kühl bleibt. Diese Beherrschtheit macht Ace interessant, weil sein perfekt organisiertes Leben trotzdem auseinanderfällt. Casino gehört außerdem zu den Filmen, die De Niro, Pesci und Scorsese so selbstverständlich zusammenbringen, dass man leicht vergisst, wie präzise dieses Trio tatsächlich arbeitet.

08

Heat
Heat

Heat

1995

Zwei Männer sitzen sich in einem Diner gegenüber und wissen beide, dass einer den anderen irgendwann zu Fall bringen muss. Neil McCauley (Robert De Niro) führt in Heat (1995) eine hochprofessionelle Räuberbande, während Lieutenant Vincent Hanna (Al Pacino) ihm mit derselben Besessenheit folgt, die Neil in seine Verbrechen steckt. Michael Mann macht daraus keinen einfachen Wettkampf zwischen Gut und Böse, sondern zeigt zwei Männer, deren Arbeit fast jeden privaten Kontakt auffrisst.

Berühmt wurde besonders ihr gemeinsames Gespräch, weil De Niro und Pacino hier erstmals tatsächlich eine Szene miteinander spielten. Doch der Film lebt nicht nur von diesem historischen Treffen. Seine nächtliche Großstadt, die präzisen Raubüberfälle und die kühle Melancholie geben De Niro eine Rolle, in der Disziplin beinahe genauso tragisch wirkt wie Kontrollverlust.

Am Ende wartet auf Frank Sheeran (Robert De Niro) kein glamouröses Gangsterleben, sondern ein stilles Zimmer und sehr viel Zeit zum Erinnern. In The Irishman (2019) blickt der frühere Lastwagenfahrer darauf zurück, wie er zum Auftragskiller für Russell Bufalino (Joe Pesci) wurde und schließlich in den Kreis des mächtigen Gewerkschaftsführers Jimmy Hoffa (Al Pacino) geriet.

Martin Scorsese erzählt diese Mafia-Geschichte bewusst anders als früher: Gewalt wirkt hier nicht aufregend, sondern hinterlässt Einsamkeit, Schuld und Menschen, die irgendwann nicht mehr ans Telefon gehen. Die digitale Verjüngung der Darsteller sorgte zwar für Diskussionen, doch entscheidend ist De Niros Spiel im Alter. Selten war er so leise und verletzlich. The Irishman wirkt damit fast wie ein spätes Gegenstück zu den Gangsterklassikern, die seine Karriere Jahrzehnte zuvor geprägt haben.

10

Zero Day

Mit einem landesweiten Cyberangriff endet für George Mullen (Robert De Niro) die gemütliche Präsidentenrente ziemlich abrupt. In Zero Day (2025) soll der frühere US-Präsident eine Sonderkommission leiten und herausfinden, wer hinter einer Attacke steckt, die Tausende Menschen getötet und das Land ins Chaos gestürzt hat. Während Desinformation, politische Interessen und Verschwörungen die Untersuchung erschweren, beginnt Mullen zudem an seiner eigenen Wahrnehmung zu zweifeln.

De Niro bekommt damit eine Rolle, die Autorität und Verletzlichkeit miteinander verbindet, statt nur auf seine bekannte Härte zu setzen. Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Zero Daywar seine erste Serienhauptrolle überhaupt. Nach mehr als fünf Jahrzehnten Kinokarriere betrat er mit über 80 noch einmal neues Terrain und zeigte, dass ein später Wechsel ins Serienfach keineswegs nach Nachschlag aussehen muss.

Über diese Liste

Titel

11

Gesamtkosten fürs Ansehen

34,41 €

Gesamtlaufzeit

29h 53min

Genres

Drama, Krimi, Mystery & Thriller

Wo kann ich die Titel von dieser Liste online anschauen?

Finde heraus, welcher Streamingdienst die meisten Titel von dieser Liste anbietet.

Auf dieser Liste befinden sich 11 Titel und du kannst 3 von ihnen auf Amazon Prime Video anschauen. 14 weitere Streamingdienste haben aktuell ebenfalls einige der Titel im Angebot.

  1. 3 TitelAmazon Prime Video
  2. 3 TitelAmazon Prime Video with Ads
  3. 3 TitelMagenta TV+
  4. 3 TitelNetflix
  5. 3 TitelNetflix Standard with Ads