
Rick and Morty Staffel 9, Folge 1 erklärt: Was die Episode wirklich bedeutet
In kaum einer modernen Animationsserie werden Multiversen, Zeitreisen und Familienchaos so hemmungslos miteinander vermischt wie in Rick and Morty. Nach Jahren voller zerstörter Realitäten, alternativer Versionen und eskalierender Familienkatastrophen bringt Staffel 9 jetzt ausgerechnet Evil Morty zurück, eine der wichtigsten und gefährlichsten Figuren der gesamten Serie.
„Verrückt nach Morty“ behandelt ihn dieses Mal allerdings nicht wie den typischen Superschurken. Stattdessen entsteht eine seltsam funktionierende Partnerschaft zwischen zwei Figuren, die sich eigentlich hassen müssten.
Das Ende der Episode verändert dabei gleich mehrere Dinge auf einmal: Rick wird erneut von Rick Primes Vermächtnis eingeholt, Morty merkt, wie wenig er über seinen eigenen Großvater weiß, und Evil Morty landet plötzlich dort, wo ihn wohl niemand erwartet hätte: im Gefängnis. Nach all den gigantischen Multiversums-Katastrophen wirkt diese Strafe fast seltsam banal. Vielleicht funktioniert das Ende der Folge genau deshalb so gut.
Warum Rick überhaupt mit Evil Morty zusammenarbeitet
Der große Schock der Folge ist nicht, dass Evil Morty zurückkehrt. Noch überraschender ist, dass Rick längst wieder Kontakt zu ihm hat. Die beiden schreiben sich Nachrichten, arbeiten heimlich zusammen und greifen offenbar immer wieder ein, wenn neue Katastrophen ganze Realitäten bedrohen.
Für Morty fühlt sich das fast wie ein Verrat an, weil Evil Morty jahrelang als einer der gefährlichsten Gegner der Serie aufgebaut wurde. Gemeinsam kämpfen Rick, Morty und Evil Morty dabei gegen The Collective, einen Hive-Mind, der beginnt, Teile der Central Finite Curve zu verschlingen. Rick macht das allerdings nicht freiwillig. Evil Morty besitzt weiterhin das Omega Device, also genau die Waffe, mit der Rick Prime einst Diane aus allen Realitäten gelöscht hat. Seit „Zurück in die Unendlichkeit“ hing diese Bedrohung wie ein Schatten über der Serie. Evil Morty nutzt das Gerät nun als Druckmittel gegen Rick. Solange Rick kooperiert, bleibt seine Familie am Leben.

Je länger die Folge läuft, desto deutlicher wird allerdings, dass hinter Evil Mortys Drohungen noch etwas anderes steckt. Er hat die Central Finite Curve, die sogenannte „Zentrale Endliche Kurve“, verlassen, wollte endlich frei von Ricks endlosem Chaos sein und landet am Ende trotzdem wieder mitten darin. Selbst die Zusammenarbeit mit Rick wirkt manchmal weniger wie ein Masterplan als wie der Versuch eines Charakters, Kontrolle über ein Leben zurückzubekommen, das ständig von anderen bestimmt wurde. Dadurch bekommt Evil Morty plötzlich etwas Trauriges, das die Figur vorher oft bewusst versteckt hat.
Das Ende wirkt wie ein Abschied von Rick Primes Vermächtnis
Der wichtigste Moment passiert fast nebenbei. Rick gelingt es nämlich, die Baupläne des Omega Device in der Maschine selbst zu verstecken und das Gerät damit über alle Realitäten hinweg auszulöschen. Evil Morty verliert damit plötzlich seinen größten Vorteil, obwohl die Folge offenlässt, ob das wirklich dauerhaft ist. Das ist wichtiger, als es zunächst wirkt. Seit Jahren kreist die Mythologie von Rick and Morty um Dianes Tod und um die Tatsache, dass Rick dieses Trauma niemals wirklich loslassen konnte. Rick Prime wurde zwar bereits in Staffel 7 getötet, doch die Möglichkeit, das Omega Device erneut zu bauen, blieb weiterhin bestehen.

Die Folge fühlt sich deshalb fast wie ein endgültiger Abschied von Rick Primes Vermächtnis an. Rick gewinnt hier nicht einfach einen Kampf gegen Evil Morty. Die Serie räumt gleichzeitig einen Teil ihrer kompliziert gewordenen Mythologie aus dem Weg. Nach den extrem lorelastigen Staffeln der vergangenen Jahre könnte das ein Hinweis darauf sein, dass Rick and Morty wieder stärker zu eigenständigen Sci-Fi-Abenteuern zurückwill.
Warum Evil Mortys Verhaftung so seltsam perfekt ist
Natürlich lässt Rick Evil Morty nicht einfach gewinnen. Nachdem Evil Morty versucht, mit einer Zeitmanipulation die Oberhand zu behalten, ruft Rick indirekt die Time Police auf den Plan, also jene völlig absurden Zeitwächter aus „Geteilte Zeit ist doppelte Zeit“. Die reagieren sofort und verhaften Evil Morty wegen seiner Manipulationen an der Zeitlinie. Die Szene funktioniert vor allem wegen ihres bewusst unspektakulären Endes.
Evil Morty galt jahrelang als nahezu unantastbar. Er war Präsident der Zitadelle, zerstörte die Central Finite Curve und blieb der einzige Morty, vor dem selbst Rick Respekt hatte. Und jetzt endet er in einem ganz normalen Gefängnis. Die Post-Credit-Szene macht den Witz noch besser, weil dort keine geheime Superfolter oder kosmische Horrorstrafe wartet. Evil Morty sitzt einfach im Knast. Nach all den riesigen philosophischen Monologen über Freiheit, Determinismus und Multiversen landet einer der gefährlichsten Charaktere der Serie plötzlich in einer Situation, die aussieht wie aus einer durchschnittlichen Cop-Serie.
Ganz verschwunden ist Evil Morty damit wahrscheinlich trotzdem nicht. Die Serie wäre verrückt, eine ihrer beliebtesten Figuren dauerhaft loszuwerden. Staffel 9, Folge 1 setzt aber erst einmal einen klaren Schlusspunkt hinter die bisherige Omega-Device-Story und beendet damit einen Handlungsbogen, der sich seit Jahren durch Rick and Morty zieht.






















