
Das Finale von „Reacher“ Staffel 4 erklärt: Wer stirbt und was die letzte Szene bedeutet
Ein Nagel durch die Hand wäre für die meisten Menschen ein überzeugendes Argument, den Arbeitstag zu beenden. Jack Reacher (Alan Ritchson) sieht das etwas anders. Im Finale von Reacher (2022) Staffel 4 lässt er sich an Wand und Boden nageln, wird mit Messern bearbeitet und verliert so viel Blut, dass selbst seine erstaunliche Leidensfähigkeit irgendwann an Grenzen stößt. Neben all dem Gemetzel räumt „Cut“ aber auch die offenen Fragen um Lila Hoth (Agnez Mo) und Amisha Hoth (Anggun), den tödlichen Giftstoff und Anna Merricks USB-Stick ab. Und ausgerechnet die ruhigste Szene der Folge verrät am Ende mehr über Reacher als der komplette Kampf davor.
Sampsons Tod verhindert nur den ersten Anschlag
Congressman John Sampson (Marc Blucas) hat den Sprung in den Delaware River nicht überlebt. Indem er Tomas Waberi (Talijah Levene) samt Bombe mit sich ins Wasser reißt, verhindert er zwar das Massaker bei seiner eigenen Veranstaltung, Lila Hoth und ihre Mutter Amisha Hoth haben ihr Ziel damit noch nicht aufgegeben. Sie wollen die Formel des tödlichen Gifts im Dark Web versteigern und brauchen vorher einen möglichst überzeugenden Beweis, dass ihre Waffe funktioniert. Ausgerechnet der im Krankenhaus festgesetzte Journalist Russell Plum (Kevin Weisman) bringt die Ermittlungen wieder voran. Er erkennt Tomas’ Namen aus seinen früheren Recherchen und liefert Detective Shaun Docherty (Kevin Corrigan) den entscheidenden Hinweis. Reacher, Tamara Green (Sydelle Noel) und Jacob Merrick (Christopher Rodriguez-Marquette) finden Lila und Amisha schließlich in dem bereits durchsuchten Restaurant wieder, wo weiter Gift hergestellt wird. Einer ihrer Männer entkommt mit einer Probe und steuert einen voll besetzten Nachtclub an. Sein Plan ist angenehm unkompliziert und entsprechend entsetzlich: Das Gift soll in die Nebelmaschine. Tamara und Jacob erschießen ihn, bevor er den Behälter öffnen kann.
Lila stirbt an ihrer eigenen Waffe, Amisha überraschend nicht
Während Tamara und Jacob den Anschlag verhindern, bekommt Reacher im Restaurant die unangenehmere Schicht. Erst nagelt ihn einer von Lilas Männern mit einem Nagelschussgerät fest, anschließend greifen Lila und Amisha gemeinsam mit Messern an. Reacher befördert Amisha durch ein Fenster und hält sie zunächst für tot. Mit Lila geht es danach weiter, obwohl von einem ausgeglichenen Kampf längst keine Rede mehr sein kann: Sie rammt ihm ein Messer in den Körper und dreht es auch noch genüsslich herum. Lila übersieht allerdings die Spritze mit dem Gift. Reacher erwischt sie damit und injiziert ihr nun jene Substanz, mit der sie selbst möglichst viele Menschen töten und anschließend Geld verdienen wollte. Besonders subtil ist diese Form der Gerechtigkeit nicht, zu Reacher passt sie dafür hervorragend. Lila stirbt qualvoll, während er den USB-Stick an sich nimmt und sich schwer verletzt nach draußen schleppt.
Dort wartet bereits CIA-Mann Foster (Dean Armstrong), der Reacher nur benutzt hat, um an den Stick zu kommen. Bevor Foster ihn erschießen kann, wird ihm von hinten die Kehle aufgeschlitzt. Amisha hat ihren Sturz überlebt und rettet Reacher damit für ungefähr fünf Sekunden, denn anschließend will sie ihn selbst töten. Jacob schießt sie an und hat sogar schon ihr Messer in der Hand. Statt Amisha zu töten, nimmt er sie fest.
Jacob entscheidet sich dort gegen Reachers Weg
Diese kleine Entscheidung ist interessanter als eine weitere Leiche. Jacob hat seine Schwester Anna Merrick (Karen Kwong-Chip) und seinen Neffen Ben Merrick (Denis Wong) verloren, weil Lila und Amisha hinter ihnen her waren. Niemand könnte ihm ernsthaft vorwerfen, dass er in diesem Moment Rache will. Trotzdem steckt er das Messer weg und bleibt Polizist.
Damit wird aus Jacob eben kein zweiter Reacher. Reacher entscheidet seit vier Staffeln selbst, wer eine zweite Chance verdient und wer nicht. Jacob ist in dieser Staffel oft genug mit ihm unterwegs gewesen, um diese Haltung übernehmen zu können, entscheidet sich im entscheidenden Moment aber dagegen. Amisha lebt nicht, weil sie plötzlich weniger schuldig wäre als Lila. Sie lebt, weil Jacob nicht zulassen will, dass ihr Tod bestimmt, wer er selbst danach ist.
Die letzte U-Bahn-Szene bringt Reacher zurück zum Anfang
Nach dem Kampf darf Reacher tatsächlich noch in ein Krankenhaus. Elspeth Sampson (Kathleen Robertson) sorgt dafür, dass sein Name aus der offiziellen Geschichte verschwindet, während Tamara und Jacob als die Menschen gelten, die den Anschlag gestoppt haben. Reacher übergibt Plum nicht nur den USB-Stick, sondern bringt ihm auch seine verschwundene Katze zurück. Plum soll die Geschichte über Operation Mongoose veröffentlichen, statt dass die Wahrheit zusammen mit dem Fall verschwindet. Tamara kehrt anschließend endgültig zur Polizei zurück und wird in die Mordkommission versetzt, während Jacob gemeinsam mit Reacher, Tamara und seinem Onkel Monty (Nick Searcy) Annas und Bens Asche im Meer verstreut.
Reachers eigener Abschied braucht weder Explosion noch Faustkampf. Wieder sitzt er in einer U-Bahn, wieder fällt ihm ein Mensch auf, dem es schlecht geht. Zu Beginn der Staffel war es Anna, deren Verhalten ihn misstrauisch machte und ihn überhaupt erst in diesen Fall zog. Diesmal sitzt dort eine fremde Frau, die verzweifelt wirkt. Reacher setzt sich neben sie und teilt wortlos sein Cheesesteak mit ihr. Er kann Anna und Ben nicht zurückholen und auch Sampsons Tod nicht ungeschehen machen. Aber er schaut noch immer hin, wenn jemand neben ihm Hilfe brauchen könnte. Danach fährt der Zug einfach weiter.





















