
„Reacher“ Staffel 4, Folge 4 erklärt: Das bedeutet das Ende von „Karambit“
Vier Folgen hat Jack Reacher (Alan Ritchson) gebraucht, um aus den vielen Lügen, Toten und widersprüchlichen Geschichten zumindest ein halbwegs erkennbares Bild zu formen. In Staffel 4, Folge 4 von Reacher (2022) versteht er endlich, warum Anna Merrick (Karen Kwong-Chip) in der U-Bahn unterwegs war, weshalb der verschwundene Speicherstick so wertvoll ist und wie John Sampsons Vergangenheit in Indonesien mit dem Fall zusammenhängen könnte. Nur bei Lila Hoth (Agnez Mo) lag er offenbar ziemlich daneben. Das Ende von „Karambit“ stellt nämlich Reachers bisherige Beziehung zu Lila auf den Kopf. Während er zu ihrem Hotel eilt, weil er sie und Amisha Hoth (Anggun) vor bewaffneten Männern retten will, erfahren seine Mitstreiter, dass Ben Merrick mit einer auffälligen indonesischen Klinge ermordet wurde. Fast gleichzeitig greifen auch Lila und Amisha zu Karambits. Als Reacher schließlich eintrifft, sind die Angreifer tot, die beiden Frauen verschwunden und die Polizei steht vor der Tür. Vor allem die Frage, wer hier eigentlich vor wem geschützt werden musste, sieht danach plötzlich ganz anders aus.
Anna Merricks Tod ergibt erstmals einen Sinn
Seit dem Staffelauftakt passt bei Annas Selbstmord etwas nicht zusammen. Sie war offensichtlich unter Zeitdruck unterwegs, hatte eine Waffe bei sich und ließ sogar ihr Auto zurück, um mit der U-Bahn schneller voranzukommen. Der Speicherstick, nach dem inzwischen mehrere Gruppen suchen, befand sich allerdings nicht bei ihr. In „Karambit“ findet Reachers Team eine Erklärung, die diese scheinbaren Widersprüche miteinander verbindet.

Tamara Green (Sydelle Noel) entdeckt in der Regierungseinrichtung, in der Anna gearbeitet hatte, dass dort alte Dokumente digitalisiert und anschließend vernichtet werden. Bei einer bestimmten Akte lief der Vorgang jedoch anders: Anna scannte sie zwar, lud die Datei aber nicht auf den vorgesehenen Server, während die Papierfassung trotzdem verbrannt wurde. Wahrscheinlich kopierte sie die Unterlagen zuvor auf den Speicherstick, womit sich darauf möglicherweise die einzige verbliebene Version befindet.
Reacher vermutet, dass Ben als Druckmittel entführt wurde und Anna den Stick innerhalb einer bestimmten Frist übergeben sollte. Auf dem Weg zu diesem Treffen könnte sie erfahren haben, dass ihr Sohn bereits tot war. Das würde erklären, warum sie den Datenträger nicht mehr mitnahm und stattdessen bewaffnet weiterfuhr: Sie wollte Ben nicht mehr retten, sondern die Verantwortlichen für seinen Tod zur Rechenschaft ziehen.
Als Reacher sie in der U-Bahn ansprach und erwähnte, dass er früher Polizist war, bedeutete das für Anna womöglich, dass auch dieser letzte Plan gescheitert war. Ein ehemaliger Polizist würde eine bewaffnete Frau schließlich nicht einfach weiterziehen lassen. Die Folge zeigt diesen Ablauf nicht als Rückblende und bestätigt damit nicht jedes Detail, doch Reachers Rekonstruktion erklärt Annas Verhalten wesentlich schlüssiger als alles, was er bisher wusste.
Der Speicherstick könnte längst an Lila unterwegs sein
Auch für das Verschwinden des Sticks findet Reacher eine plausible Erklärung. In Annas Auto lag ein geöffnetes Schreiben, zu dem ein bereits frankierter Rückumschlag gehörte. Nur dieser Umschlag fehlte. Reacher hält es deshalb für möglich, dass Anna den Stick hineingesteckt und an Lila geschickt hat, bevor sie in die U-Bahn stieg. Für Anna hätte das durchaus Sinn ergeben. Nachdem Ben nicht mehr zu retten war, musste sie seinen Entführern die Informationen nicht länger aushändigen, und gleichzeitig konnte sie dafür sorgen, dass die belastenden Unterlagen auch dann noch bei Lila ankamen, wenn sie selbst ihre geplante Racheaktion nicht überlebte.

Reacher fährt mit Lila zu ihrem früheren Hotel, findet dort jedoch keine entsprechende Sendung. Der Stick bleibt also das große fehlende Teil im Fall, obwohl seine mögliche Route inzwischen klarer ist. Gleichzeitig erklärt die Theorie, warum Lilas Gegner weiterhin hinter ihr her sind: Wer glaubt, dass Anna den Datenträger an sie geschickt hat, muss nicht wissen, wo er sich befindet, es reicht, Lila zu beobachten und darauf zu warten, dass er bei ihr auftaucht.
Das Karambit bringt Indonesien zurück ins Zentrum des Falls
Während Reacher versucht, Annas letzte Schritte zu verstehen, bekommt Jacob Merrick (Christopher Rodriguez-Marquette) die Nachricht, die er seit Bens Verschwinden gefürchtet hat. Sein Neffe wurde tot in einem Müllcontainer gefunden. Noch wichtiger für die Ermittlungen ist die Mordwaffe: Ben wurde mit derselben Art gebogener Klinge getötet wie Mary Ellen Daniels (Manon Ens-Lapointe). Das Messer ist ein Karambit und wird in der Folge mit indonesischen Kampfkünsten in Verbindung gebracht. Damit gewinnt auch das Geständnis von John Sampson (Marc Blucas) an Gewicht. Während seiner Militärzeit bildete seine Einheit in Indonesien Spezialkräfte aus, darunter Männer von General Reza Putra (Rodger Edralin). Putra soll diese Ausbildung später genutzt haben, um politische Gegner brutal zu verfolgen und ein Dorf auslöschen zu lassen. Sampson bestreitet eine Beteiligung an diesen Verbrechen, weiß aber, dass bereits seine Verbindung zu Putra seine politische Karriere gefährden könnte.
Damit laufen mehrere Spuren auf dasselbe Land zu: Sampsons Vergangenheit, Annas geheime Unterlagen, Lilas Nachforschungen und nun auch die Morde an Ben und Mary Ellen. Noch verrät die Folge nicht, wer hinter all dem steckt, doch Indonesien ist spätestens nach „Karambit“ keine Hintergrundgeschichte mehr. Dort liegt offenbar ein Teil des Geheimnisses, das jemand unbedingt auf dem verschwundenen Speicherstick begraben halten möchte.
Was verrät das Ende über Lila und Amisha?
Reacher bekommt über das Funkgerät eines Angreifers mit, dass weitere Männer auf dem Weg zu Lila sind, und macht sich sofort zu ihrem Hotel auf. Bis zu diesem Zeitpunkt handelt er weiterhin wie ihr Beschützer. Das Publikum bekommt währenddessen allerdings Informationen, die ihm fehlen. Während die Gerichtsmedizin das Karambit als Verbindung zwischen den beiden Morden identifiziert, stellen sich Lila und Amisha den Männern in ihrem Zimmer. Statt hilflos auf Reacher zu warten, greifen sie selbst zu den gebogenen Messern. Die Montage ist kaum zufällig: In dem Moment, in dem eine indonesische Klinge zum wichtigsten Hinweis auf Bens und Mary Ellens Mörder wird, zeigt die Serie zwei Frauen mit enger Verbindung zu Indonesien, die genau mit solchen Waffen umgehen können. Das macht sie hochverdächtig, beweist aber noch nicht, dass Lila oder Amisha die beiden Morde begangen haben. Schließlich werden sie selbst von Männern verfolgt, die den Speicherstick suchen und offenbar bereit sind, dafür zu töten. Denkbar ist deshalb weiterhin, dass mehrere Parteien hinter denselben Informationen her sind und einander bekämpfen. Für Reacher spielt diese Unterscheidung zunächst ohnehin keine Rolle, denn als er das Hotelzimmer erreicht, ist der Kampf bereits vorbei. Die Männer liegen mit durchgeschnittenen Kehlen am Boden, von Lila und Amisha fehlt jede Spur. Bevor er herausfinden kann, wohin sie verschwunden sind, trifft die Polizei ein und findet ihn allein zwischen den Leichen.
Der kleinere Cliffhanger besteht darin, wie Reacher aus dieser Situation wieder herauskommt. Viel wichtiger ist jedoch, was die Szene über Lila verrät. Reacher hat ihr trotz ihrer früheren Lügen wieder vertraut, ist ihr nähergekommen und glaubte weiterhin, sie beschützen zu müssen. Nach „Karambit“ weiß das Publikum bereits, dass sie ihm mindestens einen entscheidenden Teil ihrer Geschichte verschwiegen hat. Ob sie tatsächlich zu den Menschen gehört, nach denen Reacher sucht, bleibt offen. Dass sie sehr viel gefährlicher ist, als er bisher angenommen hat, dürfte dagegen kaum noch zu übersehen sein.





















