
Diese 10 queeren Filme und Serien solltest du 2026 nicht verpassen
Einige queere Highlights gab es in diesem Jahr bereits: Half Man (2026) etwa, die neue Serie des „Baby Reindeer“-Schöpfers Richard Gadd, überraschte mit einem wohltuend ungeschönten Blick auf einen jungen Mann aus der schottischen Arbeiterklasse, dessen Homosexualität nur an der Oberfläche für Zündstoff in der rauen Beziehung zu seinem Quasi-Bruder sorgt. Im Kino wiederum sorgte Harry Lightons Pillion (2026) für eine erfrischend neue Perspektive – mit Harry Melling als Beamten, der mit einem von Alexander Skarsgård gespielten Motorradfahrer eine BDSM-Beziehung eingeht.
Doch Half Man und Pillion sind nur zwei Beispiele für ein Jahr, in dem queere Geschichten im Kino und im Streaming so unterschiedlich ausfallen wie selten zuvor. Unser Überblick versammelt 10 vielversprechende LGBTQ-Filme und -Serien aus dem Jahr 2026, die einen Blick wert sind.
Vielen war die seltsam pastellige Welt von Heartstopper (seit 2022) stets ein bisschen zu süßlich. Unbestreitbar aber ist, dass die Serie um Nick (Kit Connor) und Charlie (Joe Locke) die queere Serienwelt um eine jugendliche Perspektive erweitert, die von einem auffallend positiven Grundton durchzogen ist. Entsprechend groß war die Enttäuschung vieler Fans, dass die Serie mit dem Finale der dritten Staffel an ihr Ende gelangt ist. Immerhin aber wird der sechste und letzte Band von Alice Osemans gleichnamiger Graphic-Novel-Reihe als abschließender Film adaptiert.
Unter der Regie von Wash Westmoreland (Colette, 2018) entstanden, erzählt Heartstopper Forever von den wachsenden Herausforderungen an der Schwelle zum Erwachsenenleben. Dabei steht auch die Frage im Fokus, welche Zukunft Nick und Charlie miteinander haben – und ob das Paar eine Fernbeziehung übersteht.
Jane Schoenbrun weiß, wie man einen Hype kreiert. Oder vielleicht treffender: die scheinbar stetig wachsende Zahl an Fans der Regisseur*in aus New York. Schon mit dem dritten Spielfilm ist es Schoenbrun gelungen, eines der heißerwartetsten Werke der diesjährigen Filmfestspiele von Cannes vorzulegen. Teenage Sex and Death at Camp Miasma (2026) heißt es – und zumindest wer an I Saw The TV Glow (2024) seine Freude hatte, dürfte auch diesem Film sehr viel abgewinnen können.
Denn im Grunde funktioniert der Nachfolgefilm nach einem sehr ähnlichen Muster: Auch hier geht es um den Stellenwert von Popkultur für die Selbstfindung, insbesondere für queere Zuschauerinnen und Zuschauer. Während damals das identitätsstiftende Potenzial von 90er-Jahre-Serien wie Buffy für Jugendliche im Fokus stand, dreht sich dieses Mal alles um die Teen-Slasher-Filme der 1970er Jahre. Genauer: Eine queere Regisseurin (Hannah Einbinder), die an das Set einer einstigen Kultreihe reist, um mit einem früheren Final Girl (Gillian Anderson) das Franchise um den Serienmörder „Little Death“ wieder aufleben zu lassen. Und – nomen est omen – dabei verhandelt Jane Schoenbrun nun die aufgeladenen Themen Sex, Scham und Selbstbefreiung.
Wer sich für queere Erzählungen im Horrorkontext begeistert, findet mit Leviticus (2026) des australischen Regisseurs und Drehbuchautors Adrian Chiarella einen weiteren interessanten Genrebeitrag. Der Film spielt mit den Schrecken der homophoben Tendenzen des christlichen Glaubens und erzählt von zwei Schülern, die sich ineinander verlieben. Ryan (Stacy Clausen) und Naim (Joe Bird) werden zu einer Konversionstherapie gezwungen, als ihre Anziehung zueinander bekannt wird.
Klingt eigentlich furchteinflößend genug, zudem wird es aber auch übernatürlich: Eine dämonische Präsenz nimmt die Gestalt dessen an, was Ryan und Naim am meisten begehren – und damit die des jeweils anderen. Die ersten Reaktionen auf Leviticus, der zunächst beim Sundance-Festival seine Premiere feierte und im Anschluss unter anderem auch auf dem South by Southwest Film Festival gezeigt wurde, sind jedenfalls begeistert.
Wer sind wir, wenn sich niemand an uns erinnert? Oder besser: Die Erinnerungen an unser jüngeres Selbst finden keine Entsprechung im Gedächtnis der anderen? Diese philosophisch anmutenden Fragen stellt das Drama Der Heimatlose (2026), das bei der diesjährigen Berlinale die Sektion „Perspectives“ eröffnete. Es handelt von der Rückkehr Heins (Paul Boche) in sein Heimatdorf auf einer kleinen Insel in der Nordsee. Nach 14 Jahren der Abwesenheit trauen die Bewohnerinnen und Bewohner seinen Worten nicht – und hegen Zweifel daran, ob es sich tatsächlich um den Mann handelt, von dem er behauptet, zu sein.
In Interviews berichtet der Regisseur und Autor Kai Stänicke davon, dass der Film auch indirekt sein eigenes Coming-out thematisiert. Da er diesen Prozess vor allem mit sich selbst, im Privaten, ausgehandelt hatte, stimmten seine eigenen Erinnerungen an die Kindheit teils nicht mit denen seines familiären Umfelds überein. In ersten Festivalbesprechungen ist außerdem die Rede davon, dass im Zentrum des Films eine queere Liebesgeschichte stehe.
Apropos: Wer ist hier eigentlich der, der er vorgibt zu sein? Derlei Fragen behandelt auch der zuletzt erschienene Roman von Bret Easton Ellis um einen 17-jährigen Protagonisten, der eigentlich die letzten Züge seiner Schullaufbahn in den exklusiven Zirkeln des Los Angeles der frühen 1980er Jahre genießen möchte, als plötzlich die Angst vor einem ominösen Serienkiller – dem „Trawler“ – umgeht. Der im Deutschen über 700 Seiten starke Roman verflechtet diese Furcht virtuos mit den Ellis-typischen Themen in einer mit viel Zeitkolorit angereicherten Atmosphäre aus Dekadenz und Drogen, Ennui und sexuellen Extravaganzen.
Die Serienadaption des autofiktionalen Werks steckte wiederum so lange in der Produktionshölle fest, dass man schon fast nicht mehr an ihre Fertigstellung zu glauben wagte: Zunächst sollte Luca Guadagnino (Queer, 2024) die federführende Verantwortung übernehmen; später dann wurde vermeldet, dass nun Kristoffer Borgli (The Drama, 2026) den Stoff verfilme; schließlich kamen erste Gerüchte auf, dass das Projekt nach kreativen Differenzen endgültig eingestampft wurde – ehe dann der wohl einflussreichste queere Serienschöpfer unserer Zeit, Ryan Murphy, es übernahm und schließlich zum Abschluss brachte. Seit Anfang August ist The Shards nun auf Disney+ zu sehen.
Ganz andere zwielichtige Gestalten der Streaming-Welt erblickten bereits zuvor das Licht des Tages – oder besser nicht? Mit der nun verwirrenderweise The Vampire Lestat getauften dritten Staffel von The Interview with the Vampire (seit 2022) geht in jedem Fall die serielle Erzählung um die Blutsauger aus Anne Rices reichem Romankosmos weiter. Wie wir an anderer Stelle erläuterten, hat der Titelwechsel der Serie vor allem mit einem zeitgleich stattfindenden Perspektivwechsel zu tun: Nachdem bislang vor allem aus der Sicht von Louis (Jacob Anderson) über das illustre Treiben der Vampire berichtet wurde, steht nun Lestats (Sam Reid) Blick auf die Ereignisse im Fokus.
Mit Lestat als dem exzentrischeren der beiden Vampire fällt die neue Staffel entsprechend glamouröser, opulenter und verruchter aus.
Natürlich stehen im Prequel zur Mittelalter-Saga Game of Thrones (2011–19) queere Geschichten nicht so sehr im Fokus wie in den anderen Erzählungen dieser Liste. Und doch entfalten sie bisweilen gerade dort ihre größte Wirkung, wo sie beinahe beiläufig wirken und selbstverständlich Teil des Geschehens sind. In House of the Dragon (seit 2022) ist das nicht nur das homoromantische Band zwischen Alicent (Olivia Cooke) und Rhaenyra – sondern insbesondere deren später offener gelebte Bisexualität. Nicht zuletzt steht mit Emma D’Arcy eine der aktuell interessantesten nichtbinären Darsteller*innen im Fokus.
Inhaltlich knüpft die dritte Staffel unmittelbar an die Ereignisse der vorangegangenen an und treibt den „Tanz der Drachen“ mit mehreren großen Schlachten entscheidend voran. Dabei zeigt sich einmal mehr, wie frei die Serie mit George R.R. Martins Buchvorlage „Feuer und Blut“ umgehen kann. Schließlich ist diese als ein nur stellenweise zuverlässiger historischer Bericht angelegt, während die Serie ihre eigene Version davon erzählt, wie es „wirklich“ gewesen sein könnte.
Um sehr reale Gefechte geht es hingegen in Lukas Dhonts neuem, mittlerweile dritten Spielfilm, der bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes im Wettbewerb um die Goldene Palme konkurrierte. Letztlich wurden Emmanuel Macchia und Valentin Campagne an der Côte d’Azur als beste Darsteller geehrt – und das ganz zurecht. Coward, wie der durchaus vieldeutige Titel des im Ersten Weltkrieg angesiedelten Dramas lautet, lebt von den herausragenden Leistungen der beiden Jungschauspieler.
Und die müssen durchaus Unterschiedliches hervorkehren: Während Pierre (Macchia) als ruhiger Soldat an der Front kämpft, ist Francis (Campagne) als frontuntauglicher Kamerad als Teil einer größeren Gruppe für die Unterhaltung der Kompanie zuständig und blüht in dieser Funktion geradezu auf. Pierre geht schließlich auf seine zwar vor den Augen der anderen Soldaten verborgenen, aber dennoch recht offensiven Flirts von Francis ein, woraufhin sich eine der sicherlich zärtlichsten Liebesgeschichten des jüngeren schwulen Kinos entspinnt. Letztlich stellt der belgische Regisseur und Autor mit seinem eindringlichen Anti-Kriegsfilm aber auch Fragen nach den widersprüchlichen Freiheiten des Krieges: Denn ausgerechnet dort, wo nach Härte und Grausamkeit verlangt wird, kann Francis seine flamboyante Seite ausleben – und sei es nur zur Erheiterung der Kameraden.
Wahrlich heiter geht es in Club Kid zu. Auch dieser Film feierte in Cannes seine Premiere, allerdings in der Nebensektion „Un Certain Regard“ – und entwickelte sich dennoch zu einem der größten Hypes an der Croisette, löste sogar einen regelrechten Bieterwettstreit aus, den letztlich das angesagte Arthouse-Studio „A24“ gewann. Da ist Jordan Firstmans queere Dramedy auch ganz richtig: Club Kid umgibt ein wohliger Indie-Vibe, der an eine warmherzige Variante von in New York angesiedelten Rom-Coms der frühen 2000er Jahre erinnert.
Nur steht hier mit Peter (gespielt von Firstman selbst) ein schwuler Partyveranstalter im Fokus, der tief im Drogenrausch des Underground-Nachtlebens versunken scheint – bis plötzlich eine Britin in seinem Apartment steht, die felsenfest behauptet, der etwa 10-jährige Junge (Reggie Absolom) an ihrer Seite sei sein Sohn. Mit Leichtigkeit und feinem Gespür für den Humor der LGBTQ-Community erzählt Club Kid von einem unfreiwilligen Erwachsenwerden und dem Wert von Wahlfamilien – und das ist derart charmant, dass man Peters spätem Coming-of-Age nur allzu gerne beiwohnt.
Proud nimmt sich im Kern eines ganz ähnlichen Themas an, betrachtet dieses aber mit deutlich mehr Gravitas. Die Serie erzählt von Filip (Ignacy Liss), einem sehr von sich selbst eingenommenen Mittzwanziger, der sein Leben mit durchfeierten Nächten in Warschau verbringt und damit die Geduld seines Umfelds zunehmend überstrapaziert: der Modelagentur etwa, für die er tätig ist und in der er eher nach Lust und Laune – und immerzu verkatert – aufschlägt. Mehr noch aber seiner Schwester Anna (Sylwia Boroń), in deren Wohnung er gemeinsam mit deren kleiner Tochter Tosia lebt, sich aber kaum um den Haushalt, geschweige denn die Miete, kümmert.
Als Anna unerwartet stirbt, muss Filip sein Leben radikal umkrempeln, um seine Nichte vor einer Unterbringung im Heim zu bewahren. Proud entwickelt sich darüber allerdings nicht zu einem biederen Läuterungsdrama. Stattdessen fokussiert sich Regisseur und Autor Karol Klementewicz, der die Serie gemeinsam mit Monika Pęcikiewicz verfasste, auf von beeindruckender menschlicher Wärme getragene Alltagsbeobachtungen. Etwa die Hürden, die Filip als lediger, noch dazu schwuler Mann in Polen zu nehmen hat, um tatsächlich adoptieren zu dürfen – aber auch die Bedeutung seiner Freunde auf dem Weg dorthin. Proud ist dabei nicht nur einnehmend kunstvoll inszeniert, sondern eine selten vielschichtige Erzählung, die in ihrer Alltagsnähe aus aktuellen queeren Streaming-Trends wohltuend heraussticht.
























































