
„The Punisher: One Last Kill“ bestätigt das erste MCU-Liebesdreieck
Marvel und Liebesdreiecke, das war über sechzehn Jahre und drei Phasen MCU nie wirklich Thema. Tony und Pepper waren von Anfang an gesetzt, Steve Rogers' Liebesleben kannte genau eine Person je Jahrhundert, und selbst Thor und Jane Foster wurden eher durch die Astrophysik getrennt als durch Konkurrenz. Das hat sich jetzt geändert. The Punisher: One Last Kill (2026), seit dem 13. Mai auf Disney+, bestätigt mit einer einzigen Halluzinationsszene das, was Daredevil: Born Again über zwei Staffeln und 18 Episoden vorsichtig aufgebaut hat: Karen Page, Frank Castle und Matt Murdock sind das erste ernstzunehmende Liebesdreieck in der Geschichte des Marvel Cinematic Universe.
Was im Marvel-Special passiert
Frank Castle sitzt nach einer Konfrontation mit Mafia-Witwe Ma Gnucci (Judith Light) zerrüttet in seiner Wohnung in Little Sicily. Zuvor war er auf dem Friedhof, hat sich beinahe das Leben genommen. Und plötzlich steht Karen Page vor ihm. Gespielt von Deborah Ann Woll, in einer der wenigen Szenen, die nicht aus Action und Pistolenfeuer bestehen. Karen redet ihm zu, anfangs hart („Du hast die Stadt enttäuscht wie deine Familie“), dann umarmt sie ihn. Frank fragt, ob sie wirklich da ist. Sie sagt ja. Sie ist es nicht. Sie ist eine Halluzination, ein Stück seiner Psyche in einem Marines-Hoodie. Es ist exakt derselbe Hoodie, den Maria Castle in den anderen Halluzinationsszenen trägt, die ihn zurück zu seiner ermordeten Familie führen. Diese Kostümentscheidung ist kein Zufall, und Regisseur Reinaldo Marcus Green hat das gegenüber Collider ausdrücklich bestätigt: „The two actually love each other.“ Die beiden lieben sich. Punkt.
„Punisher“-Showrunner bestätigt die Storyline schon vorher
Showrunner Dario Scardapane, der schon an der Netflix-Serie Marvel‘s The Punisher beteiligt war, hat das Liebesdreieck bereits im April 2025 in einem „TV Insider“-Interview öffentlich gemacht. „Für Staffel 2 wird es, was Frank, Karen und Matt angeht, mangels eines besseren Wortes ein Dreieck.“ Den Grundstein dafür legte das Finale von Born Again Staffel 1: Matt Murdock, der die Herzschläge anderer Menschen hört, registriert dort, wie sich Karens und Franks Herzschläge synchron beschleunigen, als die beiden sich wiedersehen. Im selben Moment merkt er aber auch, dass Karens Herzschlag in seiner Gegenwart ebenfalls steigt. Born Again Staffel 2 ging dann den nächsten Schritt: Matt und Karen sind ein Paar, leben zusammen, kämpfen Seite an Seite gegen Fisks Anti-Vigilantes-Task-Force. Deborah Ann Woll hat das im Interview mit „The Direct“ als Beziehung beschrieben, die auf „Abhängigkeit, Verlass und gegenseitiger Unterstützung“ basiert. Auch weil Foggy nicht mehr da ist. Genau an diesem Punkt setzt das Punisher-Special an, ohne dass Matt selbst je auftaucht.
Warum die Halluzination alles verändert

Im Special spielt Daredevil keine Rolle. Matt Murdock wird nicht erwähnt, nicht gezeigt, ist am Ende von Born Again Staffel 2 sowieso im Gefängnis. Was zählt, ist die emotionale Geografie. Frank Castle, ein Mann, der seine Familie verloren hat und seither stabil destruktiv ist, hat genau eine Person, an die er sich in seinem dunkelsten Moment wendet – nicht Curtis Hoyle, seinen Sponsor und Freund, der ebenfalls als Vision erscheint, sondern Karen. Und die Karen, die er halluziniert, trägt denselben Hoodie wie seine tote Frau. Das ist Symbolik mit dem Holzhammer, aber es funktioniert: Karen ist für Frank emotional auf derselben Ebene wie Maria. Anders gesagt: Wenn der Punisher liebt, dann sie. Born Again versucht in Staffel 2 ein anderes Bild aufzubauen, in dem Karen und Matt das Paar sind, das die Stadt vor Fisk retten will. Das funktioniert dramaturgisch nur halb. Die echten Funken springen woanders über, und das Special weiß das.
Was wir zwischen Karen und Frank schon gesehen haben
Wer die Netflix-Serien gesehen hat, weiß, dass diese Dynamik schon lange aufgebaut wird. Drei Szenen aus den letzten zehn Jahren stehen exemplarisch für die Bindung zwischen Karen und Frank. Erstens die Krankenhausszene aus Daredevil Staffel 2: Frank ist nach seiner Verhaftung am Krankenhausbett angekettet, Karen besucht ihn und beginnt, hinter die Fassade des Killers zu blicken. Es ist der Moment, an dem ihre Beziehung tatsächlich beginnt. Zweitens die Diner-Szene aus derselben Staffel, Episode 11 „.380“: Karen sitzt mit Frank in einem Diner, die beiden reden über das, was zwischen ihnen unausgesprochen bleibt, und Frank kommentiert die kleine Pistole, die Karen bei sich trägt – ein Gespräch unter Erwachsenen, das in jeder Krimi-Drehbuchschule analysiert werden könnte. Drittens das Zitat aus The Punisher Staffel 2 (2019), Episode „The Abyss“: Karen sagt zu Frank: „Es macht keinen Unterschied, was du getan hast. Es ändert nichts daran, wie ich für dich fühle.“ Frank antwortet: „Das sollte es aber.“ Dieser kurze Wortwechsel ist das emotionale Fundament der ganzen Konstellation. Was im Finale von Born Again Staffel 1 dazukam, war keine neue Beziehung, sondern die offizielle Anerkennung dessen, was schon seit zehn Jahren auf dem Bildschirm steht.
Was bei Marvel jetzt anders ist
Marvel hat sich mit Romantik in den eigenen Filmen und Serien immer schwer getan. Echte Liebesdreiecke gab es praktisch nie. Pepper und Tony waren von Anfang an gesetzt, Steve und Peggy liebten sich über Jahrzehnte hinweg versetzt, Carol Danvers hat in zwei Filmen kein einziges Mal Zeit für so etwas gehabt. Die einzige nennenswerte Ausnahme war X-Men mit Jean Grey, Cyclops und Wolverine, allerdings noch in der Fox-Ära, also damals noch außerhalb des heutigen MCU. Was jetzt passiert, erinnert an klassisches Network-TV: Ein klassisches Will they / won’t they, über Jahre aufgebaut zwischen drei Figuren aus der Netflix-Ära. Karen kennt Matt seit Daredevil Staffel 1 (2015), zwischen ihnen entwickelte sich schnell mehr, ein Paar wurden sie kurz erst in Staffel 2 (2016), bevor Elektras Rückkehr alles wieder zerlegte. Karen lernt Frank in Daredevil Staffel 2 (2016) kennen, wird zur zentralen Vertrauten in seiner eigenen Netflix-Serie (2017-2019), und bringt ihn 2026 in Born Again Staffel 1 wieder zurück. Es ist die längste Beziehungsgeschichte des Defenders-Universums, jetzt offiziell ein Dreieck.
Was das für Staffel 3 bedeutet

Born Again Staffel 3 ist bereits in Produktion, Bernthal hat bestätigt, dass er für eine Rückkehr offen ist. Matt Murdock sitzt am Ende von Staffel 2 im Gefängnis, was die Dynamik weiter komplifiziert: Karen ist gerade mit einem Mann zusammen, den sie nicht mehr sehen kann, während ein anderer Mann (Frank) sie in seinen dunkelsten Momenten halluziniert, in einem Hoodie, der seiner toten Frau gehörte. Das ist nicht nur Drama, das ist Drehbuchgold, und Scardapane hat in mehreren Interviews durchblicken lassen, dass er das Dreieck noch lange nicht auflösen will. Auf den Hinweis, ob er denn wisse, wer am Ende gewinnt, antwortete er kürzlich: „Ich arbeite gerade daran.“ Bei einer Serie mit dieser Vorgeschichte ist das ein guter Cliffhanger zwischen den Staffeln.
Was am Ende bleibt: Marvel hat 16 Jahre gebraucht, um einen Liebesdreiecks-Plot zu erzählen, der nicht nach Disney Channel klingt. Drei erwachsene Figuren, alle mit ihren Traumata, alle mit Geschichte, keiner mit einem guten Ausweg. Und alles deutet darauf hin, dass Marvel das jetzt nicht mehr loslassen wird. Scardapane hat selbst gesagt, er arbeite gerade daran. Regisseur Reinaldo Marcus Green hat im Collider-Interview ausdrücklich offen gelassen, ob Bernthal in Born Again Staffel 3 oder in einem eigenen Projekt wieder als Frank Castle zurückkommt, aber er hat den Wunsch nach einem Punisher-Film durchblicken lassen. Frank Castle wird im Sommer 2026 in Spider-Man: Brand New Day zurückkehren, wahrscheinlich in einer Rolle, die mit dieser Romantik nichts zu tun hat. Die emotionale Achse zwischen Karen, Frank und Matt aber wird die Daredevil-Welt der nächsten Jahre tragen, nicht der Kampf gegen Fisk und auch nicht das Multiversum. Was im Born Again-Finale begann und im Punisher-Special jetzt bestätigt wurde, ist das Beste, was die Marke gerade zu bieten hat.





















