„The White Lotus“ meets „Succession“? Warum „Privilèges“ die nächste großartige Serie über Luxus, Macht und Intrigen ist

„The White Lotus“ meets „Succession“? Warum „Privilèges“ die nächste großartige Serie über Luxus, Macht und Intrigen ist

Arabella Wintermayr
Arabella Wintermayr

Veröffentlicht am 03. April 2026

Aktualisiert am 05. April 2026

In den vergangenen Jahren hat sich ein bemerkenswerter Fokus im Serienmarkt verschoben: Weg von klassischen Aufstiegsgeschichten – hin zu Milieustudien über jene, die bereits ganz oben angekommen sind. Serien wie The White Lotus (seit 2021) oder Succession (2018-23) interessieren sich für Reichtum als Status, ebenso wie für die Mechaniken dahinter: Die Funktionsweisen der Macht, ihre Inszenierung, und die unsichtbaren sozialen Codes.

Privilèges (2026), eine neue französische HBO-Produktion, wirkt auf den ersten Blick wie eine logische Fortsetzung dieses Trends. Ein Pariser Luxushotel steht im Fokus, und damit ein Mikrokosmos aus Reichtum und Dienstleistungen der Extraklasse. Mittendrin aber bewegt sich mit Adèle (Manon Bresch) eine junge Frau, die dort eigentlich nicht hingehört – und dadurch entfaltet das zunächst Vertraute schnell eine eigene Dynamik.

Ein Hotel als Gesellschaft im Kleinen

Dass das Luxushotel in Privilèges mehr ist als bloße Kulisse, wird schnell deutlich. Es fungiert als in sich geschlossenes System, als verdichtete Gesellschaftsstruktur. „Uns hat fasziniert, wie viele Gegensätze in diesem Ort stecken – zwischen dem, was man sieht, und dem, was hinter den Kulissen passiert. Es ist wie eine eigene Mini-Gesellschaft“, sagt Showrunnerin Marie Monge im Interview mit JustWatch.

Gemeinsam mit Co-Showrunner Vladimir de Fontenay näherte sie sich dem Setting daher nicht über klassische Dramaturgie, sondern über Beobachtung: Wer bewegt sich wo? Wer kontrolliert wen? Und vor allem: Was bleibt unsichtbar?

Vladimir de Fontenay beschreibt diesen Zugang als Ausgangspunkt der Serie: Man habe verstehen wollen, „was unter der Oberfläche passiert, was dieses System eigentlich am Laufen hält – all die Dinge, die Außenstehenden verborgen bleiben“. Das Hotel wird so zur Bühne permanenter Aushandlung, und das mit einem deutlich stärkeren Fokus auf die Mitarbeitenden als es zuletzt noch in The White Lotus der Fall war.

Adèle: Eine ambivalente Überlebenskünstlerin

Die Perspektive ins Innere liefert Adèle, eine junge Strafgefangene, die im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms ausgerechnet als Page in einem Pariser Luxushotel beginnt. Auf diesen Job ist sie existenziell angewiesen: Verliert sie ihn, sind auch ihre Aussichten auf Bewährung dahin. Diese strukturelle Abhängigkeit bindet sie nicht zuletzt an die Hotelleitung – allen voran an Direktor Édouard Balzaim (Melvil Poupaud), der gezielt auf ehemalige Häftlinge als Mitarbeiter setzt, weil sie sich leichter kontrollieren und ausnutzen lassen. 

Für Adèle bedeutet das: Sie wird zunehmend in ein System hineingezogen, in dem sie selbst die absurdesten, mitunter riskanten Aufträge erfüllen muss, um die Wünsche der hochkarätigen Gäste um jeden Preis zu bedienen.

Mehr noch als die gesonderte soziale Stellung aber fasziniert an Adèle ihre Uneindeutigkeit. Sie ist weder klassische Außenseiterin noch kalkulierende Aufsteigerin. Sie bewegt sich zwischen den Welten, passt sich mal an, widersetzt sich dann wieder – und bleibt dabei bis zum Finale schwer greifbar. Diese Ambivalenz war bewusst angelegt, wie Marie Monge erklärt: „Wir wollten eine Figur, die ehrgeizig und auch rücksichtslos sein kann, die schwierige Entscheidungen trifft – und der man trotzdem immer weiter folgt.“

Manon Bresch, die hierzulande noch weitgehend unbekannt ist, in Frankreich aber gerade an Popularität gewinnt, verleiht dieser Figur eine bemerkenswerte Doppeldeutigkeit. „Sie ist sehr instinktiv, hat eine enorme Energie, aber gleichzeitig ist sie auch sehr klug, sehr schnell, strategisch“, sagt Marie Monge über die Schauspielerin. 

Das Janusköpfige überträgt sich durchaus auf Adèle, die sich im Rahmen der sechs Episoden durch unterschiedliche soziale Räume bewegt, ohne ihre eigene Identität vollständig preiszugeben. Bis zum Schluss der spannenden Drama-Serie ist Adèle weder Opfer noch Täterin im klassischen Sinne – sondern eine Figur, die das System testet, während sie selbst von ihm verändert wird.

Allianzen abseits von Klassenbarrieren

Der Vergleich mit The White Lotus liegt nahe: ein Luxushotel, wohlhabende Gäste, ein Blick hinter die Fassade. Doch Privilèges setzt andere Schwerpunkte. Während Erstere stark von satirischer Zuspitzung lebt, interessiert sich Letztere für Verbindungen auch über professionelle Ebenen hinweg.

„Wir wollten vermeiden, dass es nur zwei Lager gibt – die, die bedienen, und die, die bedient werden“, erklärt Marie Monge. Vielmehr sei es spannend gewesen zu zeigen, „dass man mit einem Gast manchmal mehr gemeinsam hat als mit den eigenen Kolleginnen und Kollegen“. 

Tatsächlich entstehen Beziehungen in Privilèges nicht entlang klarer Hierarchien, sondern durch Nähe, Zufall und vor allem durch Herkunft. Adèle versteht sich etwa besser mit Hotelgästen, die ursprünglich aus der gleichen Klasse wie sie, der Unterschicht, stammen, als mit Mitarbeitenden der höheren Ebene. Durch dieses komplexe Geflecht gewinnt die Erzählung an Tiefe – ihre Figuren sind keine reinen Repräsentanten verschiedener Lager, sondern originelle, widersprüchliche Charaktere.

Neben dem Vergleich zu The White Lotus liegt auch jener zu Succession nahe. Doch der Fokus liegt stärker auf besagter „Fish out of Water“-Perspektive – also auf einer Figur, die in eine ihr fremde Welt hineingezogen wird – als auf den abgeschotteten Machtkämpfen innerhalb einer milliardenschweren Familiendynastie, die ihr Imperium unter sich aufteilt.

Eine künstliche, doch glaubwürdige Welt

Auch visuell erinnert Privilèges an die besagten Produktionen, geht letztlich aber einen eigenen Weg. Statt auf bestehende Luxushotels zurückzugreifen, wurde das zentrale Setting vollständig neu entworfen.

„Wir wollten nicht einfach einen Ort nutzen, sondern eine eigene Welt erschaffen“, führt Marie Monge im Interview mit JustWatch aus. Gemeinsam mit Szenenbildnerin Emmanuelle Duplay (Emilia Pérez, Anatomie eines Falls) habe man über ein Jahr hinweg an einem ganz eigenen Entwurf für ein exklusives Luxushotel gearbeitet.

Diese Entscheidung zahlt sich aus. Das Design des Hôtel Citadel schreibt die Hierarchien in der Serie visuell sichtbar fort: Materialien, Farbwelten und räumliche Übergänge markieren Zugehörigkeit und Ausschluss, während wiederkehrende Muster und Sichtachsen bestimmen, wer wahrgenommen wird – und wer unsichtbar bleibt. Nähe und Distanz ist hier also nie zufällig, sondern ganz bewusst inszeniert, als Teil einer Architektur, die soziale Ordnung aktiv (re-) produziert.

Warum „Privilèges“ fesselt

Serien über Vermögenseliten laufen oft Gefahr, sich in Zynismus oder bloßer Beobachtung zu erschöpfen. Privilèges entgeht dieser Falle, indem die Serie ihr Setting nutzt, um eine eigenständige Geschichte zu erzählen, die zwar mit vertrauten Klassenmotiven spielt, ihre Figuren jedoch ernst genug nimmt, um sie nicht darauf zu reduzieren – eine Tendenz, die The White Lotus im Verlauf seiner Staffeln zunehmend zugunsten reizlos plakativer Typisierung verschoben hat.

Die französische HBO-Serie ist sicherlich selbst keine präzise soziologische Studie, in vielen Momenten ist sie etwas zu bewusst auf Spannung hin komponiert – und bleibt doch aufgrund nuancierter schauspielerischer Leistungen als Charakterstück überzeugend.

Wer sich auf Privilèges einlässt, sollte zwar eine gewisse Geduld für kleinere erzählerische Unsauberkeiten mitbringen. Insgesamt erweist sich die Serie jedoch als stilvolle Erneuerung eines Subgenres, das es sich schon jetzt in vertrauten Mustern bequem gemacht hat.

01

Privileges
Adèle Charki, eine junge Gefängnisinsassin, erhält im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms die Möglichkeit, tagsüber im luxuriösen Hotel Citadel zu arbeiten. Die Stelle als Bellhop verdankt sie dem einflussreichen Hoteldirektor Édouard Galzain, der das Projekt leitet und großen Einfluss auf den Betrieb des Hauses hat. Kaum hat Adèle ihren Dienst angetreten, wird deutlich, dass hinter der glanzvollen Fassade des Hotels ein intensiver Machtkampf tobt. Mitarbeitende mit eigenen Ambitionen, wohlhabende Gäste und externe Interessen verfolgen jeweils ihre eigenen Ziele und machen das Citadel zu einem Ort voller taktischer Manöver und Loyalitätskonflikte. Zugleich nimmt Adèles Verhältnis zu Édouard eine zunehmend beunruhigende Wendung. Um in diesem Umfeld zu bestehen, muss sie Entschlossenheit zeigen und versuchen, sich eine neue Zukunft aufzubauen.

02

The White Lotus
Ein Urlaub im Paradies: die Hölle auf Erden. Bissige, sechsteilige Satire rund um ein hawaiianisches Luxusresort und seine exklusiven Gäste.

03

Succession
Succession

Succession

2018

Succession erzählt von der Roy-Familie, die zu Beginn der Handlung eine überaus einflussreiche Position in den USA einnimmt. Patriarch Logan hat das Familienunternehmen in ein gigantisches Medienimperium verwandelt. Doch er weiß, dass er nicht ewig leben wird, und muss sich Gedanken über sein Erbe machen.

Über diese Liste

Titel

3

Gesamtkosten fürs Ansehen

5,99 €

Gesamtlaufzeit

67h 48min

Genres

Drama, Komödien, Mystery & Thriller

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Auf dieser Liste befinden sich 3 Titel und du kannst 3 von ihnen auf HBO Max anschauen. 4 weitere Streamingdienste haben aktuell ebenfalls einige der Titel im Angebot.

  1. 3 Titel HBO Max
  2. 3 Titel HBO Max Amazon Channel
  3. 2 Titel WOW
  4. 2 Titel Wow Fiction Amazon Channel
  5. 1 Titel Sky Go