8 Filme und Serien über Prinzessin Diana: Eine Darstellung spaltete die Gemüter

8 Filme und Serien über Prinzessin Diana: Eine Darstellung spaltete die Gemüter

Ahmet Iscitürk
Ahmet Iscitürk

Veröffentlicht am 30. Juni 2026

Aktualisiert am 30. Juni 2026

Am 1. Juli 2026 wäre Prinzessin Diana 65 Jahre alt geworden. Fast drei Jahrzehnte nach ihrem Tod wird ihr Leben weiterhin in Filmen, Serien und Bühnenproduktionen interpretiert. Jede Fassung setzt einen anderen Schwerpunkt: die schüchterne junge Frau am Beginn ihrer Ehe, die öffentliche Figur der 1990er-Jahre, ihre humanitäre Arbeit, ihre privaten Beziehungen oder den Wunsch, sich von den Fesseln des britischen Königshauses zu lösen.

Dabei geht es nicht darum, wer Diana am „genauesten“ spielte. Die meisten privaten Gespräche wurden nie dokumentiert, und wie sie sich jenseits von Kameras, offiziellen Terminen und öffentlicher Beobachtung verhielt, wussten vermutlich nur Familie und enge Freunde. Entscheidend ist deshalb, welche Seite jede Darstellung sichtbar macht, was die jeweilige Schauspielerin besonders gut erfasst und an welchem Punkt aus plausibler Interpretation bloße Erfindung wird.

Acht Darstellungen, acht unterschiedliche Schwerpunkte

Diese acht Darstellungen erzählen nicht dieselbe Diana. Emma Corrin zeigt die junge Frau, die in eine öffentliche Rolle gedrängt wird. Elizabeth Debicki übernimmt eine Diana, die den Umgang mit dieser Rolle längst beherrscht, aber zunehmend an ihr zerbricht. Kristen Stewart verdichtet wenige Tage zu einer bewusst fiktionalen Darstellung ihres inneren Zustands.

Naomi Watts spielt Diana

Naomi Watts und Julie Cox erklären Dianas wachsende Unabhängigkeit vor allem über ihre Liebesbeziehungen und bauen dabei private Details aus, die sich kaum überprüfen lassen. Serena Scott Thomas’ Darstellung entstand noch zu Dianas Lebzeiten und konnte ihre letzten Jahre daher weder abbilden noch rückblickend einordnen. Bonnie Soper verkörpert weniger Diana selbst als die Erinnerung an sie. Jeanna de Waal macht aus ihrem öffentlichen Bild schließlich eine Musicalfigur.

Keine Darstellung erfasst Diana vollständig. Aufschlussreicher ist, was jede aus ihr macht: Film, Fernsehen und Bühne greifen auf dieselben belegten Ereignisse zurück, deuten sie jedoch unterschiedlich und füllen die Lücken mit eigenen Interpretationen.

Diese Liste vergleicht die acht Schauspielerinnen und zeigt, welche unterschiedlichen Seiten von Diana ihre Darstellungen sichtbar machen.

The Crown
The Crown

The Crown

2016

Emma Corrin spielt Diana in der vierten Staffel von The Crown (2016), die ihre frühe Beziehung zu Charles, die Verlobung, die Hochzeit, die Australienreise und die wachsenden Spannungen in der Ehe behandelt. Corrin trifft vor allem die Mischung aus jugendlicher Schüchternheit, Wärme und Verletzlichkeit, die Dianas öffentliche Auftritte zu Beginn der 1980er-Jahre prägte.

Kritiken hoben zugleich hervor, dass ihre Diana nicht nur passiv bleibt, sondern Humor, Ehrgeiz und ein schnelles Gespür für ihre Wirkung auf das Publikum entwickelt. Im Unterschied zu Serena Scott Thomas, die Diana bereits 1993 und noch zu deren Lebzeiten spielte, konnte Emma Corrin auf deutlich mehr öffentlich zugängliches Material zurückgreifen. Die Grenze liegt im Format: Netflix bezeichnet The Crown ausdrücklich als fiktionale Dramatisierung. Private Auseinandersetzungen, intime Gespräche und emotionale Reaktionen mögen plausibel wirken, sind aber nicht belegt. Für Dianas frühe Jahre bietet Corrin dennoch die ausführlichste Darstellung dieser Auswahl. Eine dokumentarische Rekonstruktion ist sie nicht.

Elizabeth Debicki in „The Crown“ (2016)

Elizabeth Debicki verkörpert Diana in der fünften und sechsten Staffel von The Crown und begleitet sie durch Trennung, Scheidung, das BBC-Interview von 1995 und ihren letzten Sommer. Debicki trifft Dianas Stimme, den gesenkten Blick und ihre leicht nach vorn geneigte Haltung.

Ihre Darstellung zeigt eine Frau, die öffentliche Auftritte längst beherrscht und das Interesse an ihrer Person gezielt nutzt. Naomi Watts behandelt in Diana (2013) einen ähnlichen Zeitraum, doch ihr Film konzentriert sich vor allem auf die Beziehung zu Hasnat Khan. The Crown zeigt zusätzlich Dianas Verhältnis zur Presse, zu ihren Söhnen und zur königlichen Familie. Die Serie schießt jedoch über das Ziel hinaus, wenn Diana nach ihrem Tod in erfundenen Gesprächen mit Charles und der Königin erscheint. Diese Szenen erzählen mehr über die Trauer der Hinterbliebenen als über Diana selbst, schmälern Debickis Leistung aber nicht.

Spencer
Spencer

Spencer

2021

Spencer (2021) konzentriert sich auf drei Weihnachtstage des Jahres 1991 in Sandringham. Kristen Stewart muss deshalb keine vollständige Lebensgeschichte erzählen. Sie spielt Diana in einem Zustand permanenter Anspannung: isoliert, schlagfertig und entschlossen, den vorgeschriebenen Mahlzeiten, Kleidern und Abläufen wenigstens kleine Momente eigener Kontrolle abzuringen. Ihr trockener Humor verhindert, dass die Figur nur aus Verzweiflung besteht.

Der Film bezeichnet sich bereits zu Beginn als Fabel nach einer wahren Tragödie und macht aus seiner Erfindung kein Geheimnis. Gespräche mit Anne Boleyn, die Perlenkette im Essen und mehrere zentrale Begegnungen gehören zur psychologischen Bildsprache, nicht zur historischen Überlieferung. Während The Crown Dianas Entwicklung über Jahre verfolgt, verdichtet Spencer ihre Lage zu einem einzigen Wochenende. Das eignet sich weniger für Zuschauer, die nach dokumentarischer Präzision suchen, dafür umso mehr für jene, die sich auf eine bewusst subjektive Interpretation einlassen können.

Diana
Diana

Diana

2013

Naomi Watts zeigt in Diana die Prinzessin während ihrer letzten zwei Lebensjahre. Der Film zeigt ihre Beziehung zum Herzchirurgen Hasnat Khan, ihre wachsende Unabhängigkeit während und nach der Scheidung von Charles sowie ihren international beachteten Einsatz gegen Landminen. Watts erfasst die öffentliche Diana dieser Zeit überzeugend: kontrolliert, aufmerksam und längst darin geübt, ihre Bekanntheit für politische und humanitäre Anliegen einzusetzen.

Kritiker lobten vor allem Naomi Watts’ engagierte Leistung, da sie sich intensiv auf die Rolle vorbereitete, die Stimme der Prinzessin präzise nachahmte und sogar eine Nasenprothese trug, um Diana optisch so nah wie möglich zu kommen. Trotz ihres großen Einsatzes scheiterte der Film jedoch fast auf ganzer Linie und wurde von der Presse als „Autounfall-Kino“ zerrissen. Die Hauptkritik galt dem Drehbuch, da sich der Film weit stärker für die Romanze mit Hasnat Khan interessiert als für Dianas politische und humanitäre Arbeit.

Dadurch bleibt die Darstellung dieser Lebensphase deutlich schmaler als beispielsweise Elizabeth Debickis spätere Darstellung in The Crown. Zudem distanzierte sich Khan bereits vor dem Kinostart von der Produktion: Er betonte, weder mit den Filmemachern zusammengearbeitet noch seine Zustimmung erteilt zu haben, und hielt die gezeigte Geschichte für weitgehend auf Vermutungen und Gerüchten aufgebaut.

Serena Scott Thomas spielt Diana in der dreistündigen Fernsehproduktion Diana – Ihre wahre Geschichte (1993). Sie gehört zu den ersten Schauspielerinnen, die nicht nur die Hochzeit oder eine einzelne Affäre nachstellen, sondern Dianas Persönlichkeit über einen längeren Zeitraum entwickeln durften. Scott Thomas zeigt Dianas öffentliche Zugewandtheit ebenso überzeugend wie ihre Einsamkeit in der Ehe und den wachsenden Entschluss, die eigene Geschichte nicht länger anderen zu überlassen.

Die Produktion basiert auf Andrew Mortons gleichnamigem Buch. Erst nach Dianas Tod bestätigte Morton, dass sie über Tonaufnahmen selbst seine wichtigste Quelle gewesen war. Gerade diese zeitliche Nähe macht den Film aufschlussreich, begrenzt ihn aber auf Dianas damalige Perspektive. Bei seiner Veröffentlichung lebte sie noch, war nicht geschieden und hatte ihre späteren humanitären Kampagnen noch nicht begonnen. Emma Corrin zeigt in The Crown einen ähnlichen Lebensabschnitt, kann ihn jedoch im Wissen um Dianas weitere Entwicklung und ihr späteres Schicksal einordnen.

Julie Cox zeigt Diana in Diana – Ein Leben für die Liebe (1996). Der Film rückt ihre Beziehung zum Offizier James Hewitt in den Mittelpunkt und zeigt sie als vernachlässigte Ehefrau, die außerhalb des Palastes Nähe sucht und sich zunehmend gegen die Erwartungen ihres Umfelds behauptet. Damit greift die Produktion Dianas wachsende Selbstständigkeit auf, führt sie jedoch fast vollständig auf eine Liebesbeziehung zurück.

Dass Diana Hewitt geliebt hatte, bestätigte sie 1995 selbst im BBC-Interview. Zweifelhaft sind daher weniger die Grundzüge der Beziehung als die vermeintlich genauen Einblicke in private Gespräche, Gedanken und Gefühle. Der Film basiert auf Anna Pasternaks Buch Princess in Love, das sich maßgeblich auf Hewitts Schilderungen stützte. Wie Jahre später Diana mit Naomi Watts behandelt auch diese Produktion Spekulationen über Dianas Gedanken und Gefühle wie gesicherte Tatsachen und formt daraus ein romantisches Drama.

Bonnie Soper spielt Diana in Harry & Meghan – Eine königliche Romanze (2018), Harry & Meghan: Becoming Royal (2019) und Harry & Meghan: Escaping the Palace (2021). Ihre Auftritte beschränken sich auf Rückblenden, Erinnerungen und Traumbilder, die Dianas Einfluss auf Harry erklären sollen. Soper vermittelt Wärme und mütterliche Zuwendung, während die Filme Diana als Bezugspunkt für Harrys Verhältnis zur Presse und zum Königshaus einsetzen.

Besonders Harry & Meghan: Escaping the Palace zieht deutliche Parallelen zwischen Diana und Meghan. Der Film beginnt mit einem Albtraum, in dem Meghan bei einem Autounfall ums Leben kommt, bevor Harry aufwacht. Damit greift die Szene seine Angst auf, die Geschichte seiner Mutter könne sich wiederholen. Anders als in The Crown besitzt Diana hier keine eigene Entwicklung. Sie erscheint als liebevolle Mutter und als warnendes Beispiel für die Folgen des Medien- und Palastdrucks. Widersprüchliche oder kritische Seiten ihrer Persönlichkeit ignorieren die Filme.

Fast zwei Jahrzehnte muss Jeanna de Waal in Diana: Das Musical (2021) in 117 Minuten durchlaufen: von der jungen Braut über den Aufstieg zur öffentlichen Ikone bis zu Dianas Tod. Die aufgezeichnete Bühnenproduktion verlangt große Gesten und schnelle Wechsel, doch de Waal trägt diese Verdichtung mit genügend Präsenz.

Besonders überzeugend ist sie in der Szene, in der Diana einem an AIDS erkrankten Mann ohne Handschuhe die Hand reicht. Für Zwischentöne bleibt dennoch wenig Platz. Charles, Camilla, die Presse und der Palast erscheinen als klar umrissene Gegenspieler, weil das Musical komplexe Entwicklungen in wenigen Liedern zuspitzen muss. Dianas Nähe zum Publikum wird verständlich, ihre Widersprüche werden dabei jedoch weitgehend geglättet. The Crown kann ähnliche Konflikte über mehrere Staffeln entwickeln. Hier müssen sie bis zum nächsten Refrain erledigt sein.

Über diese Liste

Titel

7

Gesamtkosten fürs Ansehen

36,17 €

Gesamtlaufzeit

67h 20min

Genres

Drama, Romantik, Historisch

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