
Paul Rudd und Nick Jonas zeigen mit „Power Ballad“, was „Michael“ gefehlt hat
Ein abgehalfterter Hochzeitssänger, ein verblasster Boyband-Star und ein Song, um dessen Urheberschaft sie sich zerstreiten: Am 25. Juni 2026 startet Power Ballad (2026) auch in Deutschland.
Rick Power, gespielt von Paul Rudd, schlägt sich seit Jahren als Frontmann einer Hochzeitsband in Irland durch. Bei einem Auftritt trifft er auf Danny, gespielt von Nick Jonas, einen einstigen Boyband-Star, dessen große Zeit vorbei ist. Aus einer nächtlichen Jam-Session entsteht ein Song – und als Danny daraus einen Hit macht, der seine Karriere wiederbelebt, will Rick die Anerkennung, die ihm zusteht. Was als generationenübergreifende Zusammenarbeit beginnt, kippt in einen alles andere als schönen Streit um die Urheberschaft. Regie führte dabei John Carney.
Worum es in „Power Ballad“ geht
Carney inszeniert es als das, was er am besten kann: eine Geschichte über zwei ungleiche Menschen, die über Musik zueinanderfinden, bevor der Erfolg sie entzweit.

Rick hat seine eigene Karriere nie abheben sehen, Danny hat sie längst hinter sich – der gemeinsame Song wird für beide zur zweiten Chance und zugleich zum Zankapfel. Das Drehbuch schrieb Carney gemeinsam mit Peter McDonald, der auch eine Nebenrolle spielt; neben Rudd und Jonas sind Havana Rose Liu und Jack Reynor zu sehen. Seine Weltpremiere feierte der Film beim Dublin International Film Festival, danach lief er beim Festival South by Southwest.
Das Gegenmittel zu „Michael“
Und genau hier liegt der Reiz dieses Films – vor allem im Vergleich zum großen Musikfilm des Jahres. Michael (2026), das Jackson-Biopic von Antoine Fuqua, war ein Kassenerfolg, riss das Publikum mit und ließ doch viele unbefriedigt zurück: 30 Songs, nachgestellte Bühnenmomente, Hochglanz – aber wenig Figur, wenig Konflikt, wenig Innenleben.

Ein Greatest-Hits-Abend auf der Leinwand, dem die eigentliche Geschichte fehlte. Power Ballad ist möglicherweise das Gegenmittel. Carney, der mit Once (2007), Can a Song Save Your Life? (2013) und Sing Street (2016) ein eigenes Genre geprägt hat, baut seine Geschichte nicht um einen Katalog, sondern um ein einziges, sorgfältig gesetztes Stück – und holt daraus mehr Wucht, als Michael aus seinem ganzen Songbook gewinnt. Wo das Biopic ein Denkmal errichtet, erzählt Carney von zwei kleinen Leuten mit ihren Problemen und Fehlern. Und natürlich vom Musikbusiness und, fast noch wichtiger, der Zwischenmenschlichkeit mit all den dazugehörigen Irrungen, Wirrungen, Träumen und Realitäten. Das ist der Unterschied zwischen Verehrung und Kino.
Was die Kritiker sagen
Die Besprechungen von den Festivals geben dieser Einschätzung Rückenwind. Auf der Kritikerplattform Rotten Tomatoes steht Power Ballad derzeit bei 88 Prozent positiven Besprechungen. Variety hebt besonders Paul Rudds zurückgenommene Leistung hervor, die Irish Times nennt ihn solide Carney-Handwerkskunst, die sich im Finale zu etwas Größerem aufschwingt. Einhellig ist das Echo nicht, einzelne Stimmen fielen ausdrücklich gemischt aus. Ob der Film das Versprechen einlöst, das in ihm steckt, lässt sich ab dem Kinostart überprüfen – die Voraussetzungen sind jedenfalls gegeben.





















