
Spider-Mans Ninja-Gegner – und ihre überraschende Ninja-Turtles-Verbindung erklärt
Rote Ninjas stürmen über die Dächer von New York, und mittendrin hängt Spider-Man in den Seilen. Schon der Trailer zu Spider-Man: Brand New Day (2026) hatte einen Gegner bestätigt, mit dem der Netzschwinger im Kino noch nie zu tun hatte: die Hand, jenen uralten Ninja-Kult, der sonst Marvel’s Daredevil (2015) das Leben zur Hölle macht. Ein finsterer Orden von Auftragsmördern, einem Dämon ergeben. Doch wer genau hinsieht, entdeckt hinter diesen roten Kutten eine Verbindung, die kurioser kaum sein könnte – eine Spur, die schnurstracks in die Kanalisation führt, zu vier pizzafressenden Schildkröten. Die Hand und der Fuß-Clan der Teenage Mutant Ninja Turtles sind nämlich enger verwandt, als jeder Zufall erlauben würde. Eine Geschichte über Hommage, Parodie und ein Fass giftiger Schlamm.
Die Hand, die Spider-Man jagt
Fangen wir bei dem an, was gesichert ist. Die Hand tauchte erstmals 1981 auf, in Daredevil Nummer 174, ersonnen von Frank Miller, dem Mann, der den blinden Anwalt Matt Murdock zur Legende schrieb. Ein Kult aus wiederauferstehenden Assassinen, dessen Mythologie später um einen Dämon namens Beast erweitert wurde, verstrickt in Machtkämpfe um die Unterwelt von New York.
In der Serie Marvel’s Daredevil wurde die Hand ab 2015 zum zentralen Gegner, sie vereinte die Netflix-Helden schließlich in The Defenders (2010) zum Widerstand. Dass sie nun in Brand New Day auf Spider-Man losgeht, ist doppelt pikant. Erstens hat Peter Parker im Kino noch nie gegen eine ganze Ninja-Armee gekämpft. Zweitens gilt die Hand als Erzfeind von Daredevil – ihr Auftauchen nährt die Hoffnung vieler Fans, dass Matt Murdock im Film selbst seinen Auftritt hat. Ein Kult als Türöffner, mehr Andeutung war selten.
Vier Comics, die zu einem Witz wurden
Und hier beginnt das Kuriosum. 1984 wollten zwei junge Zeichner, Kevin Eastman und Peter Laird, die ernsten, düsteren Comics ihrer Zeit auf die Schippe nehmen. Vor allem Millers Daredevil hatte es ihnen angetan. Sie schufen eine billige Schwarz-Weiß-Parodie, die gleich vier populäre Reihen gleichzeitig durch den Kakao zog: die Teenager-Mutanten aus New Mutants, den sprechenden Aardvark aus Cerebus, Millers Ronin und eben Daredevil. Heraus kamen vier anthropomorphe Schildkröten mit Ninjawaffen, die niemand ernst nehmen sollte.

Der Witz zündete so gut, dass aus der Parodie ein Weltimperium wurde. Doch die ursprünglichen Anspielungen blieben im Fundament stecken, und wer sie einmal kennt, sieht sie überall. Der weise Meister Splinter etwa ist eine direkte Verballhornung von Daredevils blindem Lehrer Stick.
Der Fuß, der die Hand verspottet
Die deutlichste Anspielung steckt schon im Namen der Turtles-Erzfeinde. Weil die Hand bei Marvel bereits vergeben war, tauften Eastman und Laird ihre böse Ninja-Bande schlicht den Fuß-Clan, im Original The Foot. Hand gegen Fuß, plumper und liebevoller kann ein Insiderwitz kaum sein. Der Fuß-Clan, angeführt vom stachelbewehrten Shredder, ist damit von Geburt an eine Karikatur des Marvel-Kults – dieselben lautlosen Ninja-Heere, dieselbe Vorliebe für Hinterhalt und Übermacht, nur eben durch den Kakao gezogen.

Über die Jahrzehnte hat sich der Fuß-Clan von der bloßen Fußnote emanzipiert. Im gefeierten Comic-Werk von IDW bekam er sogar eine eigene, blutige Ursprungsgeschichte im feudalen Japan. Doch der Ursprung bleibt: Ohne die Hand von Frank Miller gäbe es den Fuß-Clan nicht, den heute jedes Kind kennt.
Das Fass Schlamm, das beide erschuf
Am weitesten aber geht die Verbindung bei der Herkunft der Helden selbst – und hier ist Vorsicht geboten, denn diese Volte ist mehr augenzwinkernde Anspielung als offizieller Marvel-Kanon. In Teenage Mutant Ninja Turtles Nummer 1 erzählen die Zeichner, wie die Schildkröten zu Mutanten wurden: Ein Junge stößt einen blinden Mann aus dem Weg eines Lastwagens, ein Kanister mit ätzender Chemikalie fliegt durch die Luft, trifft den Jungen ins Gesicht und rollt in die Kanalisation, wo er die Schildkröten im grünen Schlamm badet. Wer Daredevil kennt, dem stockt der Atem.

Denn exakt so, durch einen Kanister radioaktiver Chemikalie, verlor der junge Matt Murdock einst sein Augenlicht und gewann seinen übermenschlichen Radarsinn. Dieselbe Substanz, die Daredevil blind machte, soll also die Turtles mutiert haben. Ein Universum, geboren aus einem umgekippten Fass.
Wo die beiden Ninja-Welten heute zu sehen sind
Wer nach diesem Ausflug in die Comic-Geschichte Lust bekommt, beide Welten nebeneinander zu erleben, hat reichlich Auswahl. Die Hand in ihrer düstersten, erwachsensten Form gibt es in Marvel’s Daredevil zu sehen, wo der Ninja-Kult über drei Staffeln zur allgegenwärtigen Bedrohung wächst. Den Fuß-Clan wiederum kann man quer durch die Jahrzehnte verfolgen, vom bunten Nostalgie-Charme der Zeichentrickserie Teenage Mutant Hero Turtles (1987) über den ersten Realfilm Turtles (1990), der die Schildkröten überraschend erdig und ernst nahm, bis zum modernen Animationsspaß Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutant Mayhem (2023). Und wenn Brand New Day in die Kinos kommt, schließt sich der Kreis: Dann kämpft Spider-Man gegen genau die Ninja, deren Zerrbild vier Schildkröten einst weltberühmt machte. Ein schönerer Beweis dafür, wie eng die Popkultur verwoben ist, lässt sich kaum finden: Derselbe Frank-Miller-Einfall nährt heute zwei Franchises, die auf den ersten Blick nichts gemein haben – den düsteren Rechtsanwalt in Rot und die albernste Heldentruppe der Kanalisation. Wer beide kennt, schaut den Ninja in Brand New Day mit anderen Augen zu.









































