
Peter Jackson: Warum Cannes für „Der Herr der Ringe“ ein Wendepunkt war
Der gemeinsame Auftritt von Peter Jackson und Elijah Wood in Cannes dürfte bei „Der Herr der Ringe“-Fans nostalgische Gefühle ausgelöst haben. Der neuseeländische Regisseur erhielt auf dem Festival die Goldene Ehrenpalme – und überreicht wurde sie von seinem langjährigen Weggefährten Elijah Wood, der in den Filmen als Frodo Beutlin zu sehen war und über Jahre hinweg zum Gesicht der Fantasy-Saga wurde.
Peter Jackson, der mit Der Herr der Ringe: Die Gefährten (2001) schließlich Filmgeschichte schrieb und später auch die „Hobbit“-Trilogie inszenierte, gab sich bei der Ehrung auffallend bescheiden. Während seiner Dankesrede scherzte der Regisseur darüber, dass sein Kino eigentlich nie wirklich „Cannes-kompatibel“ gewesen sei. Gleichzeitig betonte der Filmemacher, dass das Festival trotz seiner seltenen Besuche eine wichtige Rolle in seiner Karriere gespielt habe.
Besonders emotional wurde es, als Peter Jackson auf seine inzwischen fast drei Jahrzehnte andauernde Freundschaft mit Elijah Wood zurückblickte. Sichtbar bewegt erinnerte Jackson sich daran, wie jung sein späterer Hauptdarsteller bei ihrem ersten Kennenlernen gewesen sei. Gleichzeitig erlaubte er sich einen scherzhaften Kommentar über Woods inzwischen gewachsenen Schnurrbart und witzelte, er könne inzwischen problemlos in einer Neuverfilmung des Hollywood-Klassikers Vom Winde verweht auftreten.
Das VHS-Tape, das Elijah Wood zu Frodo machte
Elijah Wood sprach wiederum den Moment an, der seine Karriere nachhaltig verändern sollte. Für das Casting zu „Der Herr der Ringe“ hatte er damals gemeinsam mit Freunden eine improvisierte VHS-Aufnahme in den Wäldern des Griffith Park gedreht, in der er Szenen als Frodo nachspielte. Das Tape gelangte schließlich zu Peter Jackson, der zu dieser Zeit bereits an den Vorbereitungen für die Tolkien-Verfilmungen arbeitete.
Als schließlich der Anruf kam, dass er tatsächlich die Rolle des Frodo Beutlin übernehmen würde, habe er sich nach eigener Erinnerung erst einmal auf den Boden seines Schlafzimmers gesetzt. Schon in diesem Moment sei ihm bewusst gewesen, dass diese Zusage sein Leben dauerhaft verändern und in ein „Davor“ und ein „Danach“ unterteilen würde. Gleichzeitig betonte der Schauspieler, dass er längst nicht der Einzige sei, dessen Karriere von Peter Jackson entscheidend geprägt worden sei.
Als „Der Herr der Ringe“ noch als Wagnis galt
Doch die vielleicht spannendste Geschichte des Abends betraf nicht das Casting – sondern die Tatsache, dass Der Herr der Ringe ursprünglich als beinahe sicherer Flop galt.
Peter Jackson erinnerte daran, dass ein Fantasy-Epos dieser Größenordnung Anfang der 2000er Jahre von vielen in Hollywood eher als größenwahnsinniges Risiko denn als realistische Erfolgschance betrachtet wurde. Zusätzlich sorgte der damalige Verkauf von „Warner Bros.“ für Unsicherheit innerhalb der Branche.
Obendrein wurden alle drei Filme parallel über mehrere Jahre hinweg gedreht – ein enormes finanzielles Wagnis, das von zahlreichen Beobachtern bereits vor Kinostart skeptisch betrachtet wurde. Die zentrale Frage lautete damals: Was würde passieren, wenn schon der erste Film floppt, obwohl die beiden Fortsetzungen bereits vollständig abgedreht waren?
20 Minuten an der Croisette drehten die Stimmung
An diesem Punkt spielte das Filmfestival von Cannes laut Peter Jackson eine entscheidende Rolle. Statt auf Distanz zu gehen, entschied sich das Studio dazu, offensiv Vertrauen in das Projekt zu demonstrieren. Vor ausgewählten Pressevertretern wurden damals in Cannes rund 20 Minuten aus „Die Gefährten“ gezeigt – lange vor dem offiziellen Kinostart.
Diese Präsentation veränderte offenbar die öffentliche Wahrnehmung. Die Reaktionen seien schließlich so positiv gewesen, dass sich die Erzählung rund um den Film schlagartig änderte: Aus dem vermeintlich größenwahnsinnigen Projekt wurde plötzlich eines der meisterwarteten Kinoereignisse des Jahres.
Rückblickend scheint das kaum noch vorstellbar. Rund 25 Jahre später haben sich die Erzählungen um Mittelerde zu einem der populärsten Franchises unserer Zeit entwickelt. Nach dem Animationsfilm Der Herr der Ringe: Die Schlacht der Rohirrim (2024) und der Serie Die Ringe der Macht (seit 2022) geht die Expansion weiter: Andy Serkis arbeitet bereits an The Lord of the Rings: The Hunt for Gollum (2027). Selbst neue Spin-offs und Prequel-Ideen stehen bereits im Raum.
Dass dies möglich wurde, verdankt die Reihe laut Peter Jackson nicht zuletzt einem entscheidenden Moment in Cannes. Die frühen Ausschnitte aus Der Herr der Ringe, die dort präsentiert wurden, hätten viele Zweifel innerhalb der Branche zerstreut und die Stimmung rund um das Projekt spürbar verändert.



















