„Obsession“: Die Autoszene war ursprünglich viel brutaler – und könnte noch erscheinen

„Obsession“: Die Autoszene war ursprünglich viel brutaler – und könnte noch erscheinen

Ahmet Iscitürk
Ahmet Iscitürk

Veröffentlicht am 30. Juni 2026

Aktualisiert am 30. Juni 2026

Was zunächst wie die Erfüllung eines Wunsches aussieht, entwickelt sich in Obsession – Du sollst mich lieben (2026) Schritt für Schritt zum Albtraum. Bear wünscht sich, dass Nikki ihn mehr liebt als jeden anderen Menschen. Doch je besessener sie von ihm wird, desto gefährlicher wird jeder, der ihm zu nahekommt.

Das muss schließlich auch Nikkis Freundin Sarah erfahren. Als sie nachts allein mit Bear im Auto sitzt, rastet Nikki aus. Sie durchbricht die Seitenscheibe und tötet Sarah. Mit dem plötzlichen Gewaltausbruch macht der Film endgültig klar, dass Bears Wunsch tödliche Folgen hat.

Obsession

Regisseur Curry Barker lässt die Situation ohne Vorwarnung eskalieren. Dabei handelt es sich sogar um die entschärfte Fassung. Megan Lawless, die Sarah spielt, erklärte in einem Interview, dass Barker die Szene ursprünglich länger und brutaler geschnitten hatte. Um eine strengere Altersfreigabe als das R-Rating zu vermeiden, wurde die Szene gekürzt. Laut Lawless soll das entfernte Material jedoch per Director’s Cut zurückkehren.

Die ursprüngliche Fassung der Autoszene

Lawless verriet in der Sam Roberts’ Show, dass die brutale Szene in der beim Toronto International Film Festival gezeigten Fassung ausgedehnter war. Sarahs Gesicht wurde länger und heftiger malträtiert, anschließend waren noch Röcheln und Stöhnen zu hören.

Sarah in Obsession

Für diese Aufnahmen nahm die Schauspielerin im Tonstudio einen Schluck Wasser in den Mund und simulierte damit Sarahs Leiden. In der Kinofassung fehlt dieser akustische Nachsatz. Dort endet der Mord abrupt. Die ursprüngliche Version ließ Sarah also noch einen Moment weiterleben, obwohl von ihrem Gesicht kaum etwas übrig war. Es ging Barker damit nicht bloß um ein paar zusätzliche Schläge. Sarah sollte nach dem Angriff noch leben, damit ihr Tod nicht als kurzer Schock verpufft. Das Publikum sollte sehen, hören und wirklich fühlen, was Nikki ihr angetan hat.

So entstand Sarahs brutaler Tod beim Dreh

Vor der Kamera sieht Sarahs Tod nach völligem Kontrollverlust aus. Am Set war dagegen jeder Handgriff genau geplant. Lawless zufolge trug Nikki-Darstellerin Inde Navarrette eine präparierte Perücke mit integriertem Schutzhelm, als sie mit dem Kopf durch die Seitenscheibe brach. Für diese heftige Aufnahme reichten zwei Versuche.

Nikki

Während der anschließenden Schläge lag Navarrettes Hand nur leicht an Lawless’ Hinterkopf. Lawless warf ihren Kopf selbst nach vorn, bremste die Bewegung jedoch unmittelbar vor dem Aufprall ab. Für die brutalsten Einstellungen wurde sie schließlich durch eine Puppe ersetzt, an deren Kopf sich Inde Navarette unbesorgt austoben konnte. Sarahs zertrümmertes Gesicht war damit keine digitale Illusion, sondern das Ergebnis präziser Choreografie und handgemachter Effekte. Kurz: Sarah verlor ihr Gesicht, die Schauspielerin Megan Lawless glücklicherweise nur ein paar Stunden in der Maske.

Ist ein Director’s Cut von „Obsession“ wirklich bestätigt?

Megan Lawless ließ im Interview keinen Zweifel daran, dass Curry Barkers ursprüngliche Fassung noch veröffentlicht werden soll. Das Publikum müsse nur auf den Director’s Cut warten, denn dort werde die längere Autoszene zu sehen sein. Ganz offiziell ist die Sache trotzdem noch nicht.

Focus Features hat bislang weder einen Veröffentlichungstermin noch die zusätzliche Laufzeit oder das geplante Format genannt. Sicher ist also lediglich, dass das entfernte Material existiert und bereits beim Toronto International Film Festival gezeigt wurde. Ob Barkers Director’s Cut neben Sarahs verlängertem Todeskampf noch weiteres Material enthält, das in der Kinofassung nicht zu sehen war, ist bislang unbestätigt, aber äußerst wahrscheinlich.

Nikki und Curry Barker

Warum die längere Szene mehr verändern würde als nur den Gewaltgrad

Die Kinofassung blendet Sarahs Leiden aus, sobald Nikki von ihr ablässt. Barkers ursprünglicher Schnitt zeigt dagegen, dass sie noch lebt. Sarah stöhnt und röchelt, während Bear direkt neben ihr sitzt. Er hat sie nicht angegriffen, doch ohne seinen Wunsch wäre Nikki niemals zu dieser besitzergreifenden Psychopathin geworden.

Bis dahin kann man Bear noch als überforderten Liebestrottel betrachten, der die Folgen seines Handelns unterschätzt hat. Nun muss er mitansehen, wie eine Frau, die ihm nahesteht, für seinen Wunsch mit einem langsamen und qualvollen Tod bezahlt. Das macht ihn nicht zum Mörder, aber auch nicht mehr zum bloßen Opfer besonderer Umstände. Bear verliert damit seine letzte Ausrede. Das Publikum den letzten Grund, ihn zu bemitleiden.

Andere Horrorfilme mit berüchtigten Unrated-Fassungen

Nicht nur Obsession wurde fürs Kino gekürzt. Zu den auffälligsten Beispielen gehört Alien 3 (1992), allerdings nicht als klassischer Director’s Cut. David Fincher war an der späteren Assembly-Fassung nicht beteiligt, trotzdem unterscheidet sie sich massiv von der Kinoversion. Sie läuft über 30 Minuten länger, gibt den Gefangenen auf Fiorina 161 mehr Gewicht, verändert den Ursprung des Aliens und lässt den Film weniger zerstückelt wirken. Der Unterschied liegt hier nicht nur in zusätzlicher Gewalt, sondern in einer anderen Wahrnehmung des gesamten Films: Was zuvor wie ein holprig zusammengesetzter Kompromiss des Studios wirkte, wandelt sich nun zu einer wesentlich stimmigeren und noch finstereren Interpretation.

Ein weiterer besonderer Fall ist My Bloody Valentine (1981), dessen Unrated-Fassung erst Jahrzehnte später mehrere gekürzte Gore-Momente wieder sichtbar machte. Auch From Beyond (1986) gehört in diese Sparte: In der ursprünglichen R-Rated-Fassung von Stuart Gordons Body-Horror-Klassiker mussten die Effekte noch abgeschwächt werden. Erst spätere Versionen stellten die herausgeschnittenen Szenen wieder her, was den Film vervollständigte und das Gesamterlebnis deutlich aufwertete. Bei Freitag der 13. Teil VII: Jason im Blutrausch (1988) ist der Fall besonders bitter, da zahlreiche herausgeschnittene Gewaltszenen lediglich in minderwertiger Bildqualität vorliegen und eine lückenlose Restaurierung unmöglich machen. Genau solche Beispiele zeigen, warum härtere Fassungen im Horror mehr sein können als Bonusmaterial. Sie verändern nicht nur die Menge an Blut, sondern manchmal sogar die Qualität des Films.

Als der hoffnungslose Romantiker Bear einen magischen Gegenstand nutzt, damit sein Crush endlich Gefühle für ihn entwickelt, muss er feststellen, dass manche Wünsche einen finsteren, unheimlichen Tribut fordern.

Über diese Liste

Titel

1

Gesamtkosten fürs Ansehen

17,99 €

Gesamtlaufzeit

1h 49min

Genres

Horror, Mystery & Thriller, Romantik

Wo kann ich die Titel von dieser Liste online anschauen?

Der Titel in dieser Liste ist noch bei keinem Streamingdienst verfügbar.